Sorge um Sekundarschulen

Mehr Anmeldungen an Ahauser Realschule

Immer mehr Schüler aus den Dörfern wollen die Anne-Frank-Realschule in Ahaus besuchen. Das freut die Ahauser Stadtverwaltung. Für die Sekundarschulen in Heek, Legden/Rosendahl und Schöppingen dagegen ist die Entwicklung fatal. Vor allem Legden muss sich um den Bestand seiner Sekundarschule sorgen.

HEEK/LEGDEN/AHAUS

von Rupert Joemann und Ronny von Wangenheim

, 03.05.2017, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sorge um Sekundarschulen

Immer mehr Kinder aus Heek und Legden werden in Ahaus an weiterführenden Schulen angemeldet. Dem wollen die Gemeinden gemeinsam entgegenwirken. dpa

So war deutlich das Knirschen im Gebälk der regionalen Schullandschaft zu vernehmen, als die Stadt Ahaus über die neuerliche Sechszügigkeit ihrer Anne-Frank-Realschule (AFR) mitteilte: "Nachdem Konsenserklärungen von den Gemeinden Heek, Legden und Schöppingen nach intensiven Gesprächen erteilt wurden, hat die Bezirksregierung einer sechsten Eingangsklasse zugestimmt."

Brief von vier Bürgermeistern

Das sah im März noch ganz anders aus. Die Bürgermeister der drei Gemeinden und von Rosendahl hatten ihre Zustimmung mit Schreiben vom 14. März an die Stadt Ahaus noch verweigert. Grund für die ablehnende Haltung: Sie fürchteten, dass die vermehrte Anmeldung von auswärtigen Schülern an der AFR "auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung der Gemeinden mittelfristig zu einer Bestandsgefährdung auch dieser Schulen führen". Gemeint sind die Sekundarschulen in Heek, Legden und Schöppingen.

Standorte erhalten

"So kurzfristig wäre es nicht zumutbar gewesen, wenn die Realschule vielen Schülern hätte absagen müssen", sagt der Heeker Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Anfrage, warum es dann doch zum Konsens kam. In Zukunft aber muss sich etwas ändern. Deshalb wollen jetzt Ahaus und die Nachbarkommunen einen überörtlichen gemeinsamen Schulentwicklungsplanung für die Sekundarstufe I und II. "Wir müssen Wege finden, wie wir die Standorte langfristig erhalten können", erläutert Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken (Foto) und kündigt an, dass man sich dafür "externen Sachverstand" holen will. Zustimmung zum gemeinsamen Vorschlag hat laut Erklärung der Stadt Ahaus die Bezirksregierung Münster geäußert.

Immer mehr auswärtige Anmeldungen 

Während die vier Bürgermeister in ihren Orten rückläufige Anmeldungen beobachten, ist die Zahl der auswärtigen Anmeldungen an der Anne-Frank-Schule um 21 Schüler gestiegen. Insgesamt haben sich 168 angemeldet, 18 mehr als im Vorjahr. Betrachtet man alle weiterführenden Schulen in Ahaus ist die Tendenz ähnlich. Für das laufende Schuljahr wurden 410 Kinder aus Ahaus und 102 aus den Nachbarkommunen angemeldet. Für das kommende Schuljahr sind es 392 aus Ahaus und 132 aus Heek, Legden und weiteren Kommunen. Auf Heek entfallen 45, auf Legden sogar 58 Anmeldungen.

Ausnahmegenehmigung für Legden/Rosendahl

"Insbesondere die Sekundarschule Legden/Rosendahl ist dadurch aktuell im Bestand gefährdet. Für das kommende Schuljahr 2017/2018 wurden nur noch 47 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Gleichzeitig wollen 31 Schüler aus Legden zur Anne-Frank-Realschule wechseln", stellen die Bürgermeister in ihrem Schreiben vom März fest. Für das kommende Schuljahr gibt es eine Ausnahmegenehmigung, da die Dreizügigkeit nicht erreicht wurde. "Das Paradoxe ist, dass wir ab Klasse 7 und 8 wieder viele Rückläufer haben und die Klassen proppevoll sind", sagt Friedhelm Kleweken. Mit Franz-Josef Weilinghoff ist er sich einig, dass die Sekundarschule bei den Eltern inhaltlich noch immer nicht richtig greifbar ist.

Kein Schülertourismus

"Wir haben kein Interesse an Schülertourismus", macht der Heeker Bürgermeister deutlich, dass auch für die Sekundarschulen, die nicht akut gefährdet sind, die Weichen gestellt werden müssen. Daran ist im Übrigen auch die Stadt Ahaus interessiert. Die Anne-Frank-Realschule, die 2016 und 2017 ausnahmsweise sechs Eingangsklassen hat, ist rein räumlich nicht in der Lage, 2018 mehr als fünf Klassen zu bilden.

 

Lesen Sie jetzt