Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für Legdener Straftäter

Prozess am Landgericht

Sieben Jahre Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt - das forderte der Staatsanwalt im Prozess gegen den 25-jährigen Legdener. Der könnte mit so einem Urteil wohl leben. "Ich brauche die Therapie, ich brauche Hilfe, um nicht rückfällig werden", sagte er am Ende des vierten Verhandlungstags am Landgericht Münster.

LEGDEN/MÜNSTER

, 22.04.2016 / Lesedauer: 3 min
Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für Legdener Straftäter

Das Landgericht Münster

Dass er weder weiter Drogen nehmen, noch weiter mit dem Gesetz in Konflikt kommen will, dafür gibt es einige Argumente. "Ich will mein Leben in den Griff kriegen, ich will ein neues Leben", sagte er gestern. Worte, die auch die Mutter gerne gehört hat, die erstmals im Zuschauerraum saß und in einer Pause ihren Sohn kurz umarmen und sprechen konnte.

Es spricht auch einiges gegen ihn. So steht sehr wohl auch die Möglichkeit einer Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung im Raum. Besonders schwere räuberische Erpressung, schwerer Raub und versuchte schwere räuberische Erpressung mit Körperverletzung sind die Anklagepunkte.

Täter wird schnell rückfällig

Der Staatsanwalt führte die hohe Rückfallgeschwindigkeit ins Feld. Zur Erinnerung: Am 16. Januar 2015 war der Legdener zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Bereits am 18. Februar überfiel er mit zwei weiteren Männern einen Südlohner und holte nach einer Rundfahrt 1000 Euro mit der EC-Karte des Opfers ab. Er war auf der Flucht, als er Ende März innerhalb von 24 Stunden zwei Spielhallen in Ahaus überfiel und versuchte, eine Radfahrerin zu berauben.

Die Prognosen sind nicht allzu gut: Eine "klassische, chaotische Heimkarriere", eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine schwere "Substanz-Konsumstörung", also Abhängigkeit von Cannabis, Amphetaminen und Extasy, hatte ihm der Gutachter Dr. Jack Kreutz, Chefarzt der Forensik in der Klinik Bedburg-Hau, bescheinigt.

Entziehungsanstalt

Nicht ohne Bedenken sprach sich Kreutz für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt aus. Notwendig sei neben der Drogentherapie auch eine Soziotherapie. Denn der Legdener, der bereits mit acht Jahren erstmals in eine Kinderpsychiatrie kam, in mehreren Heimen lebte und seit Jahren ein unstetes Leben führt, muss einen geregelten Tagesablauf, ein neues Leben erst lernen. Er prophezeite: "Es wird eine schwere Zeit für ihn."

Letztendlich überzeugte den Gutachter, dass der Legdener bereits vor einiger Zeit freiwillig zur Entgiftung in eine Klinik ging und damals die Ärzte auch davon überzeugte, eine Langzeittherapie für ihn zu befürworten. Doch bis zum Therapiestart dauerte es zu lange. Da war der 25-Jährige schon rückfällig.

Sozialtraining im Mai

In der Justizvollzugsanstalt nimmt er inzwischen an einer Rückfallprophylaxe teil, hat seit Weihnachten keine Drogen mehr genommen und wird dort im Mai ein Sozialtraining beginnen. Auch war er im Prozess geständig und hat sich mehrfach für seine Taten entschuldigt.

Noch etwas spricht für ihn: "Er ist ein junger Mann", so der Gutachter: "Bei Männern ist die abschließende Gehirnreife erst mit 25 Jahren erreicht. Bei Frauen bereits mit 18." Der Cannabiskonsum sorge für eine weitere Entwicklungsverzögerung. Der Schluss: Jetzt mit 25 Jahren ist der Angeklagte vielleicht in der Lage, sein Leben verantwortlich in den Griff zu bekommen.

Das Urteil wird am Donnerstag, 28. April, gesprochen.

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