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Strommasten verschwinden nach 91 Jahren aus Legden

rnHöchstspannungsleitung

Strom fließt schon länger nicht mehr durch die Leitungen. Jetzt werden die Freileitungsmasten in Legden demontiert. Wir haben den Abbau verfolgt.

Legden

, 20.04.2019 / Lesedauer: 3 min

35 Meter ragt der Strommast im Beikelort 21 in die Höhe. Er ist der erste Mast, der in Legden demontiert wird. Alle weiteren Masten der 220 Kilovolt-Leitung werden folgen. Was kommen wird, ist eine 380-KV-Höchstspannungsleitung. Im Außenbereich werden entlang der K 33 bis kurz vor der Bahnlinie neue, höhere Masten aufgebaut. 5,1 Kilometer werden unter die Erde gelegt. Dafür wird sogar ein zwei Kilometer langer Tunnel unter Legden hindurch gebaut. Das ist ein Pilotprojekt für den Dortmunder Netzbetreiber Amprion.

Bis es soweit ist, wird viel Zeit vergehen. Jetzt erst einmal ist die Firma Powerlines mit dem Abbau beschäftigt. Baukontrolleur Benjamin Brünnagel kann auf ein eingespieltes Team von fünf bis sechs Mann zählen. Zwei Masten werden sie an diesem Tag in Legden demontieren, dann geht es an anderen Stellen der insgesamt 44 Kilometer zwischen Nordvelen und Wettringen weiter.

Strommasten verschwinden nach 91 Jahren aus Legden

Die Leitungen werden demontiert. © Ronny von Wangenheim

Der Boden auf dem Feld ist ausgelegt mit Stahlplatten. Dann hat der 100-Tonnen-Kran seinen Auftritt. Ein Mitarbeiter ist, gut gesichert, in den Mast geklettert und befestigt die Mastspitze mit einer Kette am Kran. Der hält die Stahlkonstruktion während des gesamten Abbaus.

Schneidbrenner im Einsatz

Unten weist Benjamin Brünnagel auf die Schrauben im Stahl. „Daran kann man sehen, dass der Mast schon mal instandgesetzt wurde. Vor 100 Jahren wurde noch genietet“, sagt er. Jetzt kommt der Schneidbrenner zum Einsatz. Nur wenige Minuten dauert es, bis alle vier Ecken durchtrennt sind. Der Kran zieht den Mast etwas in die Höhe.

Strommasten verschwinden nach 91 Jahren aus Legden

Benjamin Brünnagel ist Baukontrolleur vor Ort. © Ronny von Wangenheim

Während er langsam Richtung Stahlplatten geschwenkt wird, fährt ein Bagger heran. Vorne ist eine zwei Tonnen schwere Schere montiert. „Die schneidet den Stahl wie ein heißes Messer durch Butter“, sagt Benjamin Brünnagel und grinst. Genauso ist es. Der Stahl wird in einer Höhe von etwa fünf Metern an mehreren Stellen zerschnitten, der untere Teil des Gerüst dann vom Bagger plattgedrückt und zur Seite geschoben. Der Kran lässt den Mast wieder ein Stück herunter und die Prozedur beginnt von Neuem.

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Strommasten im Beikelort in Legden werden abgebaut

Später werden alle Stahlteile in einem Container gelagert, der 30 Kubikmeter fasst. „Eineinhalb Container brauchen wir für einen Mast“, sagt Brünnagel. Von Legden aus geht es 20 Kilometer zum Lagerplatz.

Strommasten verschwinden nach 91 Jahren aus Legden

Mit dem Schneidbrenner wird der Mast durchtrennt. © Ronny von Wangenheim

Später werden sie wiederkommen, um die Fundamente auszubauen, das ist nicht überall einfach. „Manchmal sind es Betonfundamente“, erzählt Benjamin Brünnnagel. Sie werden bis zu einer Tiefe von 1,20 Meter aus dem Boden geholt. Sollen sie komplett entfernt werden, müssen sich die Grundeigentümer finanziell beteiligen.

Fundamente aus alten Eisenbahnschwellen

Hier im Beikelort sind es Schwellenfundamente, die komplett entfernt werden, weil die alten Eisenbahnschwellen mit einem Teerölanstrich versiegelt wurden. Kompliziert wird es, weil teilweise das Grundwasser abgesenkt werden muss. Dafür wird über drei bis fünf Tage eine Grundwasseranlage aufgebaut.

Strommasten verschwinden nach 91 Jahren aus Legden

Schwerelos... © Ronny von Wangenheim

Spätestens 2020 kommt Powerline mit einem Trupp wieder, um die neuen Freileitungsmasten aufzubauen. Sie werden in einer größeren Entfernung voneinander aufgebaut, erklärt Powerline-Projektleiter Kevin Voß (28). Zwischen den einzelnen Masten können sich die Leitungen bis zu 400 Metern spannen. Jetzt sind es 200 bis 250 Meter. Dafür werden die neuen Masten auch höher.

Strommasten verschwinden nach 91 Jahren aus Legden

Stück für Stück kommt der Mast herunter, die Traversen sind zum Schluss dran. © Ronny von Wangenheim

Der Bau der neuen 380-KV-Höchstspannungsleitung ist teuer: „Man rechnet mit 1,5 Millionen Euro für ein Kilometer Freileitung“, informiert Amprion-Pressesprecher Jonas Knoop, „Für die offene Bauweise muss man den Faktor drei bis fünf nehmen.“ Wieviel der Tunnelbau kosten wird, kann er noch nicht abschätzen. Es ist das erste Mal, dass Amprion einen solchen Tunnel baut. Es wird aber ein vielfaches teurer werden. Das ist sicher.

Drei Gigawatt Leistung

Die 380-KV-Höchstspannungleitung verläuft zwischen Wesel und Dörpen-West auf einer Länge von 180 Kilometern und soll die auf See erzeugte Windenergie ins Ruhrgebiet und zum Niederrhein transportieren. Über die Leitung können mehr als drei Gigawatt an Leistung übertragen werden – das entspricht dem doppelten Bedarf einer Großstadt wie Hamburg. Die Inbetriebnahme ist für 2021 vorgesehen.

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