Tankstellenüberfall in Legden: Täter bekamen Tipp kam vom „Opfer“

Prozess am Landgericht

Überraschende Wende im Gerichtssaal: Ein 31 Jahre alter Gronauer ist am Landgericht angeklagt, am 17. Januar zusammen mit zwei anderen Männern eine Tankstelle in Legden überfallen zu haben. Beim Verhandlungsauftakt am Montag stellte sich heraus, dass der Gronauer offenbar mitgemacht hatte, in Wirklichkeit aber ein Freund von ihm (22), der sich im Zeugenstand als unschuldig darstellte, Initiator des Überfalls gewesen sein dürfte.

LEGDEN

22.11.2016 / Lesedauer: 3 min
Tankstellenüberfall in Legden: Täter bekamen Tipp kam vom „Opfer“

Der Angeklagte, hier mit seinem Anwalt, wurde nach der überraschenden Wende aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft, in der er sich rund sechs Monate lang befand, entlassen und der 22-Jährige noch am Montag im Gerichtssaal verhaftet. Der ebenfalls aus Gronau stammende Mann hätte demnach dem Gericht gegenüber ebenso gelogen wie die Mitarbeiterin (22), die an jenem Sonntag Dienst in der Tankstelle hatte.

Die Frau stellte sich gestern als Überfallopfer dar. Sie soll stattdessen aber dem 22-Jährigen - ihrem Ex-Freund - den entscheidenden Hinweis gegeben habe, dass sich ein Überfall lohne. Der angeklagte Raub wäre demnach fingiert. Zwischen 16.500 und 17.000 Euro hatten die drei Täter aus einem Tresor der zur Tankstelle gehörenden Postschalters an der Holtwicker Straße erbeutet. Alle drei waren laut Staatsanwaltschaft maskiert und trugen jeweils eine Waffe bei sich: eine Pistole, eine Machete beziehungsweise einen Elektroschocker.

Sturm auf Tankstelle

Überwachungsvideos zeigen, dass drei Männer um etwa 19.30 Uhr in die Tankstelle stürmten, als sich kein Kunde dort aufhielt. Der 31-Jährige soll - so die ursprüngliche Annahme - die Mitarbeiterin von hinten in den Schwitzkasten genommen und ihr die Pistole an den Kopf gehalten haben. Sie sei erst zum Safe der Tankstelle gebracht worden, den sie nicht habe öffnen können. So schilderte es die Frau auch selbst. Für den Post-Tresor aber kannte sie die Kombination und öffnete ihn. Die Täter entkamen durch eine Hintertür.

Für das Gericht wurde die Aussage des 22-Jährigen, er habe erst Tage später von der Mitarbeiterin - seiner damaligen Freundin - von dem Überfall gehört, unglaubwürdig. Weil: Ein Bekannter des 22-Jährigen hatte Ermittlern verraten, der 22-Jährige habe ihm erzählt, dass "die Sache erfunden" gewesen sei.

Geständnis angekündigt

Als die Aussage am Montag verlesen wurde, kündigte der Angeklagte ein Geständnis an. Auch der 22-Jährige räumte die Umstände daraufhin grundsätzlich ein. Laut Angeklagten bedrohte der 22-Jährige die Mitarbeiterin - mit einer Spielzeugpistole. Die Frau habe ihrem Freund per Whatsapp-Nachrichten Tipps gegeben, wie viel Geld sich an einzelnen Tagen im Tresor befand.

Das Handy der jungen Frau sollte laut Gerichtsbeschluss noch am Montag bei ihr sichergestellt werden. Die Verhandlung wird am 24. November fortgesetzt.

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