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Völlig unterschiedlich haben Angeklagter und Zeugen den Verlauf einer Prügelei vor einer Legdener Disco dargestellt. Der Angeklagte gibt sich unschuldig, wollte einem Cousin helfen, sagt er.

Legden, Ahaus

, 21.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Nach einer Schlägerei im Eingangsbereich des Dorf Münsterland im November 2016 ist es auch am Mittwoch vor dem Landgericht in Münster nicht gelungen, Licht ins Dunkel zu bringen. Zu weit gingen die Aussagen der Zeugen über die Geschehnisse auseinander.

Fest steht, es flogen kräftig die Fäuste und mehrere Beteiligte mussten nach der Schlägerei ins Krankenhaus. Angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung in dem jetzigen Berufungstermin war ein 23-jähriger vierfacher Vater. Zum Tatzeitpunkt wohnte der junge Mann in Ahaus. Im Dezember hat er Ahaus mit seiner Familie verlassen.

In dem Berufungsverfahren ging es um eine Schlägerei, die im November 2016 morgens um 3 Uhr am Eingang zur Disco im Dorf Münsterland stattfand. Der Angeklagte räumte ein, einen Schlag „mit der Handfläche“ verteilt zu haben. Er habe seinem Cousin helfen wollte, der von mehreren Kontrahenten verprügelt wurde.

Sachverhalt nur schwer zu klären

Wer angefangen hatte, konnte im ersten Verfahren vor dem Ahauser Amtsgericht nicht geklärt werden, schilderte der vorsitzende Richter. Der Vorwurf einer vorsätzlichen Körperverletzung durch die Staatsanwaltschaft fand er „ein bisschen vage“. Den Vorschlag des Richters, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, lehnte die Staatsanwältin aber ab. Der Angeklagte wollte sich ebenfalls nicht darauf einlassen.

Bei den ersten drei Zeugen handelte es sich um die Kontrahenten der Gruppe des Angeklagten. Ein 20-Jähriger aus Merfeld schilderte, dass der Angeklagte mit drei weiteren, etwa Gleichaltrigen, an der Treppe am Eingang zur Diskothek standen. Um da hinein zu gelangen, mussten sie sich an den vier Männern vorbeidrängen. Als er vorbei war, wurde er von einem der Männer beschimpft, schilderte der 20-Jährige. Als er sich umdrehte, schlug einer der Männer sofort und ohne Vorwarnung mehrfach zu, sodass der Merfelder zu Boden ging. Als ein Begleiter ihm aufhelfen wollte, erhielt auch dieser Schläge. Die Version bestätigte der 22-Jährige, der ebenfalls als Zeuge geladen war. Die Gruppe habe die Treppe „absichtlich versperrt“, waren sich die Zeugen einig. Wer zugeschlagen hatte, daran konnten die Zeugen sich nicht erinnern.

Erinnerungslücken und Widersprüche

Zwei weitere Zeugen kamen aus der Gruppe des Angeklagten. Eine 26-jähriger Vredener erinnerte sich nicht mehr an die Tat, hatte nach eigenen Worten viel Alkohol getrunken. Ein 24-jähriger Duisburger hatte nur noch lückenhafte Erinnerung an die Nacht. Dem Richter versuchte er zu erklären, dass er nicht einmal mehr wusste, ob er bei dem Prozess nach der Schlägerei vor dem Amtsgericht in Ahaus Zeuge oder Angeklagter war. „Ich bin ein vergesslicher Mensch“, sagte der 24-Jährige, der sich dann bei Fragen von Richter und Staatsanwältin immer wieder in Widersprüche verwickelte und dadurch nicht gerade glaubhaft erschien.

Der Cousin des Angeklagten, der nach eigenen Angaben die Prügel eingesteckt hatte, erschien nicht zum Gerichtstermin. Der Richter belegte ihn dafür mit einem Ordnungsgeld von 300 Euro. Zum Folgetermin Anfang März wird der Zeuge dann durch die Polizei vorgeführt.

Es bleibt ein Schlag mit der flachen Hand

Am Ende blieb als Tatvorwurf ein einzelner Schlag mit der flachen Hand, den der Angeklagte auch zugab. Als der Richter nach den Zeugenaussagen erneut die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vorschlug, stimmte die Staatsanwältin dem zu. Gleichwohl war sie der Meinung, dass „die Einlassungen des Angeklagten nach den Zeugenaussagen nicht stimmen“. Der Angeklagte lehnte eine Einstellung ab. „Wenn ich das annehme, bekenne ich mich schuldig für eine Tat, die ich nicht begangen habe“, begründete er seine Haltung.

Gleich mehrfach musste der vorsitzende Richter den Angeklagten im Verlauf des Prozesses zurechtweisen. So antwortete der 23-Jährige auf eine Frage der Staatsanwältin mit „Junge Frau…“ Der Richter mahnte, es heiße „Frau Staatsanwältin“. Als das Telefon des Angeklagten Geräusche machte, forderte der Richter diesen auf, das Smartphone abzustellen. Auch das Dutzen eines Zeugen ließ der Richter nicht zu und forderte den richtigen Umgangston mit einem „Sie“ ein.

Anfang März wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll der Cousin des Angeklagten zu dem Geschehen vor der Disko gehört werden.

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