Wenn das Pflaster erbebt

Legden/ASBECK Der Tag danach: Das Hinterteil schmerzt. In den Beinen zwickt der Muskelkater. Die Jacke atmet immer noch dieses spezielle Aroma von verbranntem Motoröl. Das ist kein Lamento, sondern mit Erfahrungen verknüpft, die ich nur ungern missen möchte.

03.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zuvor: Die «Alttraktorfreunde Legden und Umgebung» treffen sich zu ihrer Ausfahrt. Und sind der Ansicht, ich solle mit fahren. Der Legdener Herbert Finnah, gemeinsam mit «Krögers Jupp» aus Asbeck Organisator der Ausfahrt, hat mir sogar vertrauensvoll einen alten grünen Deutz-Traktor aus den 60er Jahren reserviert. Vermutlich ist es beiden, mir und dem Deutz, besser bekommen, mich in meiner Rolle als Beifahrer zu bescheiden.

Nun sitze ich um 13.30 Uhr auf dem linken Kotflügel von Herbert Finnahs Lanz Bulldog «2416», Baujahr 1956, auf dem Weg nach Asbeck, unter meinem Allerwertesten ein dünnes Sitzkissen, und halte mich krampfhaft an einer niedrigen Reling fest. Die Vibrationen des alten Lanz dürften noch einer Digitaluhr die Zahlen weghauen.

Treffpunkt «Golddorf»

Um 14 Uhr treffen sich die 30 Oldtimer in Asbeck an der Kirche, um von dort weiter Richtung Osterwick, Darfeld und Schöppingen zu fahren.

Asbeck: Ich lerne weitere Hauptdarsteller des Nachmittags kennen - oder treffe sie wieder: Friedhelm, der mich in seinem mächtigen Lanz auf der nächsten Etappe mitnimmt. «In» deshalb, weil er als einziger mit einer Eschenholz-Kabine ausgestattet ist. Und Franz Reckers, besser bekannt als «Mampi». Er fährt den roten Güldner G 15 von Krögers Jupp. Bei Mampi sitze ich später noch auf dem Kotflügel. Dann die vielen anderen, ein Dutzend freundlich im Leerlauf nickender Bulldogs, das Rudel verschiedener Deutz-Grünlinge, einen infernalisch bollernden Allgaier-Traktor, das poetisch klingende «Dieselross» von Fendt - und der rote Porsche von Franz Niehues.

Das historische Straßenpflaster Asbecks erbebt, als sich die rund 500 Meter lange Kolonne Richtung Rosendahl in Bewegung setzt. Aus einem makellosen Vorgarten schaut ein ebensolcher grüngelber kleiner Rasentraktor wehmütig hinterher.

Szenenwechsel: Nach wunderschönem Kreuz und Quer über hinreichend as phaltierte Wirtschaftswege liegt plötzlich eine eher schlammige Passage vor Mampi mit seinem G 15 und mir auf dem Kotflügel.

Fast wie Rodeo

Ich habe alle Hände und Füße damit zu tun, mich auf dem bockenden und hüpfenden Gefährt zu halten, während Mampi seelenruhig in seiner gefederten Sitzschale auf und ab schwingt, mit einer Hand am Lenkrad den gröbsten Löchern im Weg ausweicht und dabei philosophiert: «Schau dir das Korn an. Vier Wochen weiter, dann geht der Mähdrescher drüber und dann ist schon wieder Herbst!»

Und wenn Herbert mir beim nächsten Mal wieder einen grünen Deutz anbieten sollte, werde ich es mir doch ernsthaft überlegen.

Georg Beining

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