Wie Fohlen auf dem Hof Osterkamp in Legden fürs Casting gestylt werden

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Und plötzlich wird der Hof Osterkamp in Legden zum Schönheitssalon: Zwei Pferdemütter und ihre Töchter sollen für ein „Casting“ des Westfälischen Pferdestammbuchs gestylt werden. Mit Erfolg.

Legden

, 30.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An diesem Freitag ist alles anders auf dem Hof von Josef Osterkamp. Der renommierte Legdener Pferdezüchter möchte zwei Fohlen bei der Auktion des Westfälischen Pferdestammbuchs präsentieren. Als Folge der Corona-Pandemie findet die online statt. Längst nicht jeder Pferdenachwuchs bekommt dafür auch die „Eintrittskarte“. Voraussetzung ist eine Präsentation in Münster-Handorf, bei der eine Experten-Kommission von dessen Qualitäten überzeugt werden muss. Das allerdings ganz analog.

Großeinsatz im Osterkamp-Stall: Beim Stylen ist wirklich jede Hand gefragt. Während die Tochter frisiert wird, lässt sich die Mutter mit einer Leck-Paste ablenken.

Großeinsatz im Osterkamp-Stall: Beim Stylen ist wirklich jede Hand gefragt. Während die Tochter frisiert wird, lässt sich die Mutter mit einer Leck-Paste ablenken. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Und da spielt auch bei den Vierbeinern das entsprechende Outfit eine große Rolle. Es gibt sogar klare Vorgaben für den optischen Auftritt von Pferdemüttern und Kindern.

Erst duschen, dann frisieren

Auf dem Hof Osterkamp heißt das am Tag vor der Reise nach Münster: Großeinsatz! Neben Hofherr Josef Osterkamp (52), Sohn Matthes (13) und Cousin Bernd (41) sind auch Jana (26), Jenny (24), Fabian (21), Amelie (8) aktiv. Allesamt Pferdenarren und zum Teil schon seit Kindesbeinen bei den Osterkamps anzutreffen.

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Und alle haben diesmal nur ein Ziel: Die Osterkamp-Pferde sollen sich von ihrer besten Seite zeigen. Stuten und Fohlen wurden von der Weide zum Stall geholt und dann sind Safari O (von Sir Heinrich) und ihre zwei Monate alte Tochter (von Viva Gold) als erste dran mit der Kosmetik. Das bedeutet: Duschbad! Bernd Osterkamp nimmt den Wasserschlauch und spritzt beide Pferde kräftig ab. Als wenn es das Normalste von der Welt wäre, lässt sich die kleine Stute das völlig entspannt gefallen. „Alle unsere Stutfohlen mit der Abstammung sind so gelassen“, erklärt Josef Osterkamp. „Das wird wohl bei dem nächsten nachher ganz anders sein“, vermutet Jana.

Ab unter die Dusche! Mutter und Tochter scheint die kühle Brause von Bernd Osterkamp sogar zu gefallen.

Ab unter die Dusche! Mutter und Tochter scheint die kühle Brause von Bernd Osterkamp sogar zu gefallen. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Fell, Mähne und Schweif werden shampooniert, abgespült, mit einem Abzieher Wasserreste entfernt und die Pferde zum Trocknen geführt, bis es zur nächsten Etappe geht: Intensiv-Bürsten, Spray auf Mähne und Schweif, und dann ist der Friseur dran. Jana und Jenny flechten die Mähnen ein, hier und da ist noch ein kleiner Korrekturschnitt fällig. Während das Fohlen dran ist, lenkt Amelie die Stute mit einer leckeren Paste ab. Dann sind eineinhalb Stunden vorbei und mit dem Ergebnis sind alle zufrieden. „Morgen müssen wir wahrscheinlich nochmal dran, bevor wir losfahren“, vermutet Josef Osterkamp.

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Wie recht er damit haben kann, wird klar, als Fabian Stute und Fohlen zu einer Vorführ-Probe auf den Reitplatz bringt und sie mächtig Staub aufwirbeln. Danach heißt es zurück auf Anfang! Gleiche Prozedur, zweites Duo.

Ein Leben mit der Pferdezucht

Wie oft er solche Vorbereitungen schon erlebt hat, kann Josef Osterkamp nicht sagen. Auch nicht genau, wie viele Fohlen schon in seinem Stall geboren wurden. „Vielleicht 60, aber was mich glücklich und dankbar macht, ist, dass alle lebend geboren wurden.“ Der 52-Jährige ist Überzeugungstäter und höchst erfolgreicher Züchter. Fohlen aus der Osterkamp-Zucht wurden weltweit verkauft.

Stolz darauf, wie sich der Nachwuchs aus seinem Stall in Handorf präsentierte: Josef Osterkamp (r.) zusammen mit dem neuen Auktions- und Zuchtleiter Thomas Münch.

Stolz darauf, wie sich der Nachwuchs aus seinem Stall in Handorf präsentierte: Josef Osterkamp (r.) zusammen mit dem neuen Auktions- und Zuchtleiter Thomas Münch. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Er selbst entdeckte durch seinen Onkel (Kutscher Conny) die Liebe zum Pferd. Ein Vorbild war auch der Großonkel, der bei der Kavallerie war. Seit Anfang der 1980er-Jahre züchtet er. Zurzeit mit vier eigenen und zwei Stuten eines anderen Besitzers, insgesamt stehen meist 15 bis 20 Pferde im Stall. Geplant ist aktuell ein Fohlenaufzuchtstall im Außenbereich.

Ein Hobby, bei dem er, der im Hauptberuf bei den Hülsta-Werken als technisch-kaufmännischer Angestellter arbeitet, die Unterstützung seiner Frau Annette und seiner drei Kinder bekommt, auch wenn nicht alle das Pferde-Gen des Vaters geerbt haben.

Hoffen auf den ganz großen Wurf

Und der hofft, wie viele Züchter, noch auf den ganz großen Wurf, auch darauf, ein „Top-Fohlen selbst zu behalten“. Die Züchter sind nämlich bei den finanziellen Erfolgen die letzten in der Kette. Vielleicht klappt es jetzt schon. Das Safari-Fohlen ist bei der aktuellen Auktion dabei, das andere im August.

Geschafft! So schick zeigten sich Stute und Fohlen aus dem Osterkamp-Stall bei der Präsentation in Handorf.

Geschafft! So schick zeigten sich Stute und Fohlen aus dem Osterkamp-Stall bei der Präsentation in Handorf. © Christiane Hildebrand-Stubbe

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