Zeitreise führt den Giebel hinauf

Asbeck Der Knüpfel dreht sich in Annas rechter Hand. Hieb für Hieb saust sein breiter Kopf auf das schmale Eisen, das sie in der Linken hält. Wieder ist die Rille in dem Kranz aus Sandstein um wenige Zentimeter gewachsen. Die blonde Frau blickt zufrieden von der Arbeit auf - und schaut vom Giebel des Äbtissinnenhauses weit über die Dächer Asbecks hinweg.

19.07.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Wir arbeiten mit dem gleichen Handwerkszeug wie vor 500 Jahren, als der Giebel in dieser Form entstand", berichtet Ludger Wennemer, der mit sicherem Schritt auf den Holzbalken in zehn Metern Höhe zu seiner Mitarbeiterin tritt. Der Steinmetz, Bildhauer und Restaurator lässt prüfend den Finger über die kunstvollen Rillen des jetzt von Staub und Dreck befreiten Ornaments wandern. Er ist zufrieden. "Gute Arbeit", lobt er. Eine Arbeit, wie sie die Handwerker der Barockzeit nicht anders ausgeführt hätten - mit zwei Unterschieden, wie er schmunzelnd ergänzt. Damals hätte es noch keine Druckluftmeißel gegeben - er deutet auf das einem übergroßen Zahnarztbohrer nicht unähnliche Instrument mit grünem Schlauch -, "und Frauen waren noch nicht in der Innung zugelassen".

Ihnen war dagegen der Raum hinter der breiten Mauer des Hauses zugewiesen, dessen Ostgiebel der Münsteraner mit seinem beiden Mitarbeiterinnen gerade restauriert - als fromme Stiftsdamen.

Jetzt wohnt dort Rudolf van Wüllen mit seiner Frau - die Kinder sind bereits aus dem Haus: 17 Räume für zwei Personen und unzählige Geheimnisse. Mal entdeckt er ein 700 Jahre altes Sprechgitter, mal ein Fensterrahmen. "Die Geheimtür mit dem Schatz dahinter suchen wir noch", lacht er.

"Schatzsuche"

Den könnte er gut gebrauchen. Denn die Pflege des alten Hauses kostet viel Geld - die Ausbesserung des Ostgiebels jetzt allein mehrere zehntausend Euro. Jeweils 4500 Euro haben Gemeinde und Kreis dazu gegeben.

Anna Westholt zieht wieder ihre Schutzbrille vors Gesicht und greift nach dem Knüpfel. Jetzt bearbeitet sie eine gotische Steinfassung. Was sie einst beinhaltet hat? Van Wüllen und Wennemer zucken beide mit den Achseln. Wieder so ein Geheimnis. sy-

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