Heinrich Epping ist mittlerweile Rentner. Das Werkeln am Feuer kann der Schlosser- und Schmiedemeister aber trotzdem nicht lassen. Er hat zwei goldene Meisterbriefe. © privat
Goldene Meisterbriefe

Zwei Meisterbriefe waren einem Asbecker nicht genug

Nicht alles im Leben ist leicht, das weiß auch Heinrich Epping. Er hat es trotz widriger Umstände in seiner Jugend geschafft und hat zwei Meisterprüfungen absolviert. Doch er wollte noch mehr.

Manchmal könnten die Umstände im Leben deutlich besser sein. Die Geschichte von Heinrich Epping (73) aus Asbeck zeigt aber, dass man trotz widriger Umstände und mit Durchsetzungskraft etwas erreichen kann. Heute schaut der Asbecker auf rund 40 Jahre im Beruf zurück und hat zwei goldene Meisterbriefe.

Innerhalb von wenigen Tagen legte Heinrich Epping im Jahr 1970 gleich zwei Meisterprüfungen ab, als Schmied und als Schlosser. Am 14. Dezember, also 50 Jahre später, bekam er seine zwei goldenen Meisterbriefe nach Hause geschickt, wegen der Pandemie. „Normalerweise wären sie überreicht worden“, sagt Heinrich Epping im Gespräch mit der Redaktion. Gewünscht hätte er es sich natürlich anders, „aber man muss dafür Verständnis haben, dass das im Moment einfach nicht geht“, so Epping.

Keine leichte Jugend

Der heute 73-Jährige war ein guter Schüler, der aus einem nicht ganz einfachen Elternhaus kam. Seine Eltern wollten nicht, dass er eine Lehre macht. „Ich sollte arbeiten gehen und das Geld zuhause abgeben“, erzählt Heinrich Epping. Dabei lebte der junge Asbecker damals bereits schon nicht mehr bei seinen Eltern, sondern im Kinder- und Jugendheim in Wettringen.

Es habe sogar böse Briefe zwischen der Heimleitung und den Eltern des damals jungen Mannes gegeben. Sein Lehrer habe aber darauf hingewiesen, dass Heinrich Epping ein guter Schüler sei und eine Ausbildung machen solle. Sein damaliger Rektor hat ihm daraufhin eine Stelle bei einem Schmied besorgt. Das sei auch genau das Richtige für ihn gewesen. „Ich bin robust eingestellt, kein Feinmotoriker. Uhrmacher wäre nichts für mich gewesen“, sagt Heinrich Epping.

Zwei Meisterprüfungen innerhalb weniger Tage

Am 2. April 1962 war dann sein erster Arbeitstag als Lehrling. „Ich habe bei meinem Lehrmeister in Asbeck gewohnt, da ging es mir gut und mein Lehrmeister und seine Frau waren immer gut zu mir“, erinnert sich der heute 73-Jährige gerne zurück.

Am 4. März 1965 legte er die Gesellenprüfung als Schmied ab, „als Klassenbester von insgesamt 28 Schülern.“ Fünf Jahre später, am 2. April 1970, folgte die Meisterprüfung. Parallel bereitete sich Heinrich Epping auf die Meisterprüfung als Schlosser vor. „Das sind ja artverwandte Berufe, deshalb ging das“, so Epping. Dann am 4. April 1970, also innerhalb weniger Tage, legte er seine zweite Meisterprüfung ab.

Heinrich Epping wollte noch mehr

Aber damit nicht genug, denn Heinrich Epping hat zwar als Meister gearbeitet, aber dann wollte er noch mehr. „Ich habe mir gedacht, vielleicht kann ich ja noch studieren“, so der 73-Jährige. Von 1971 bis 1972 hat er seinen Techniker in Maschinenbau in Dortmund gemacht. „Da habe ich drei Semester studiert, mehr war nicht nötig, dann war ich schon fertig und ich hatte den Techniker in der Tasche“, so Epping.

Danach hat er bei einer Firma für Treppenbau in Schöppingen gearbeitet. „Dort wurde ein Schweißfachmann benötigt, also bin ich nach Frankfurt gefahren und habe da noch den Schweißfachmann gemacht“, erzählt der heutige Rentner. „Dann war es aber auch gut“, ergänzt er im Gespräch.

Doppelter Meister werkelt privat weiter am Feuer

Heinrich Epping fuhr arbeitstechnisch lange Zeit zweigleisig. Er war Angestellter einer Firma und hat nebenbei noch ein Gewerbe angemeldet, war also selbstständig. Von 1987 bis zum Beginn seiner Rente im Jahr 2003 war er dann im Martinistift in Appelhülsen als Ausbilder im Schmiedehandwerk für schwer erziehbare Jugendliche tätig. Dann ging er aus gesundheitlichen Gründen in Rente.

Wer aber denkt, damit hätte der doppelte Meister seine Schmiedezange zur Seite gelegt, der irrt sich. Nachdem der Asbecker rund 40 Jahre gearbeitet hat, „werkelt er privat gerne weiter am Feuer“.

Über die Autorin
Redakteurin
Laura Schulz-Gahmen, aus Werne, ist Redakteurin bei Lensing Media. Vorher hat sie in Soest Agrarwirtschaft studiert, sich aber aufgrund ihrer Freude am Schreiben für eine Laufbahn im Journalismus entschieden. Ihr Lieblingsthema ist und bleibt natürlich: Landwirtschaft.
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Laura Schulz-Gahmen