Balken im Garten und Sandsack in der Garage - so halten sich Sportler in Corona-Zeiten fit

rnSport und Corona

Für einige Sportler war die Saison gerade in der entscheidenden Phase, ehe Corona sie abrupt stoppte. Wir haben uns umgehört, wie sie sich derzeit fit halten - und sind dabei auf kreative Ideen gestoßen.

Kreis

, 20.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei fünf Sportlern aus verschiedenen Bereichen haben wir nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen. Der Tenor ist bei allen eindeutig: Aktuell gibt es wichtigere Dinge als Fußball, Volleyball, Kunstturnen oder Boxen. Trotzdem halten sich alle als ambitionierte Sportler fit, um gewappnet für den Tag zu sein, an dem es weitergeht.

Wenn ich nicht zur Halle kommen darf, muss die Halle eben zu mir kommen - unter diesem Motto hat Kunstturnerin Katharina Schalk vom TuS Wüllen gehandelt. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Anna und ihrem Vater Jürgen, gleichzeitig Trainer beim Drittliga-Team des TuS, hat sie zu einer kuriosen Maßnahme gegriffen: „Als klar war, dass die Turnhalle gesperrt bleibt, haben wir einfach den Balken auf zwei Rollbrettern durch Wüllen zu uns nach Hause geschoben. Jetzt steht er im Garten“, erzählt die 26-Jährige.

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Und auch sonst finden sie und ihre Schwester im Elternhaus, wo sie sich in diesen Tagen wieder eingenistet haben, relativ gute Trainingsbedingungen vor. „Den alten Turnkeller mit Bodenmatte, Gewichten, großem Kasten und Pferd hatten wir seit langer Zeit nicht genutzt und ihn jetzt wieder entstaubt“, so Katharina Schalk. Die Decke sei zwar etwas zu niedrig, um gescheit zu turnen, doch auch sonst gebe es neben der Arbeit als Lehrerin, die aktuell von zu Hause aus passiert, verschiedene Möglichkeiten, sich fit zu halten.

„Wir machen eigentlich öfter was als normalerweise. In der Halle sind wir sonst zwar länger, etwa drei Stunden, dafür machen wir jetzt zum Teil sogar zweimal täglich Sport. Übungen mit Elasti-Bändern, joggen gehen und abends vor dem Fernseher Spagate.“ Problematisch sei das Training in Sachen Kraft-Ausdauer.

Saisonauftakt verschoben

Die Drittliga-Saison der Turnerinnen sollte eigentlich Ende April beginnen. Der Start ist bereits nach hinten verlegt. „Bis Mai wird da nichts passieren“, sagt Katharina Schalk. „Aber so haben wir dann mehr Zeit, wieder richtig fit zu werden.“

Mitten in der entscheidenden Phase ihrer Saison würden sich aktuell eigentlich die Fußballer befinden. Für die SpVgg Vreden als Spitzenreiter der Westfalenliga und den SuS Stadtlohn als Zweiter in der Bezirksliga ging oder geht es vielleicht bald wieder um den Aufstieg.

Fußballer Niklas Hilgemann hält sich ohne Ball auf dem Balkon seiner Wohnung fit.

Fußballer Niklas Hilgemann hält sich ohne Ball auf dem Balkon seiner Wohnung fit. © privat

Niklas Hilgemann, Kapitän der Vredener, muss sich derzeit mit unliebsamen Trainingsmethoden befassen. „Für mich ist das im Moment wie eine zweite Vorbereitung. Joggen und Stabi-Übungen, die Fußballer eigentlich nicht so gern machen, sind momentan fast die einzigen Dinge, die möglich sind.“

Der Ahauser habe seine feste Laufstrecke, die ihn auch an den Sportplätzen von Union Wessum und Eintracht Ahaus vorbeiführe. „Da kommt das zumindest so ein bisschen das Fußballfeeling auf.“ Ein bisschen Gemeinschaftsgefühl gebe es zudem über die App, mit der alle Vredener Spieler und Trainer Rob Reekers verbunden sind. Der Coach hat seinem Team Pläne für die nächsten Wochen erstellt und in der App sieht jeder, was der andere an einem Tag getan hat.

„Jede Minute an der frischen Luft tut gut“

Ansonsten könne Hilgemann die Übungen auf der Turnmatte auf dem Balkon seiner Wohnung erledigen. „Da ich momentan auch im Homeoffice arbeite, tut jede Minute an der frischen Luft gut.“

Das sieht auch Justus Jaegers, Kapitän beim SuS Stadtlohn, so. Eigentlich Student an der Uni Duisburg/Essen, verbringt er diese Tage bei der Familie in Stadtlohn. Und regelmäßig auch auf der Waldlaufstrecke in Almsick. „An unseren eigentlichen Trainingstagen gehe ich auf jeden Fall laufen. Um die Fitness brauche ich mir daher keine Sorgen zu machen. Zu Hause arbeite ich auch im Stabilisationsbereich, mache zum Beispiel Übungen für die Sprunggelenke und die Bauchmuskulatur“, erklärt der 23-Jährige. „Was aber definitiv fehlt, ist das Training mit dem Ball und dem Team, was ja für uns einfach wichtig sind.“

Für Justus Jaegers vom SuS Stadtlohn ist derzeit regelmäßig Waldlauf angesagt.

Für Justus Jaegers vom SuS Stadtlohn ist derzeit regelmäßig Waldlauf angesagt. © privat

Das trifft auch auf Annika Dresemann und die Volleyballerinnen des VfL Ahaus zu. Für sie steht aktuell noch in den Sternen, ob die Saison überhaupt noch fortgesetzt wird. In den Klassen oberhalb der Oberliga hat der Verband sie bereits für beendet erklärt. Die Legdenerin arbeitet als Partner-Managerin derzeit im Homeoffice. „Umso wichtiger ist es natürlich, regelmäßig rauszukommen und sich irgendwie fit zu halten“, sagt sie.

Die einen Kilometer lange Strecke zum Mittagessen bei den Eltern nutze Annika Dresemann derzeit als willkommenen Spaziergang, nach der Arbeit gehe sie dann oft eine Runde joggen. „Ich bin allerdings grundsätzlich eher nicht so die Läuferin, sondern setze eher auf Kraftübungen.“ Und die seien im heimischen Wohnzimmer locker machbar.

Sein privates Boxstudio hat sich Patrick Walfort in der Garage eingerichtet.

Sein privates Boxstudio hat sich Patrick Walfort in der Garage eingerichtet. © privat

Die Probleme der Mannschaftssportler ergeben sich für Patrick Walfort eher weniger. Als Boxer ist er es gewohnt, viele Trainingsinhalte für sich allein zu bewältigen. „Ich hatte schon immer eine relativ hohe Selbstdisziplin, daher komme ich im Moment ganz gut zurecht.“ Auch er komme derzeit wenig vor die Tür, arbeite als Sozialarbeiter von zu Hause aus.

Und dort hat er sich in der Garage mit vielen hilfreichen Trainingsgeräten ausgestattet: Neben einem Sandsack sind auch Lang- und Kurzhanteln vorhanden. „Und seine Kilometer laufen kann man ja sowieso immer. Auch Grundübungen wie Liegestütz, Sit-Up oder Kniebeuge lassen sich ja problemlos im Haus machen - oder draußen, wenn einem das nicht zu blöd ist.“

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Walfort hätte eigentlich am vergangenen Wochenende um die Westfalenmeisterschaft geboxt. Der Kampf fiel aus und die für Anfang Juni geplanten Kämpfe in der NRW-Meisterschaft sind auch schon abgesagt. So hängt der Wessumer derzeit wie so viele Sportler in der Warteschleife.

Doch diese Zeit solle man positiv nutzen. Zum Beispiel mit Sport, auch wenn der zurzeit nicht immer die schönste Nebensache der Welt ist.

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