Corona und Zuschauer: Wie regeln Fußballvereine den Einlass?

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Alle sind froh, dass trotz der Corona-Pandemie wieder Spiele mit Zuschauern stattfinden dürfen. Doch die Organisation stellt die Klubs vor Herausforderungen. Wir haben uns umgehört.

Kreis

, 03.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein paar Wochen lang hatten die Vereine im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld Zeit, Erfahrungen zu sammeln. Immerhin war es auch für sie eine völlig neue Situation, maximal 300 Zuschauer nur unter strengen Auflagen auf ihre Anlage lassen zu dürfen. Nun steht die Saison vor der Tür. Und bei vielen Vereinen herrscht Ungewissheit darüber, wie sie mit möglicherweise hohem Zuschaueraufkommen umgehen sollen.

In der Kreisliga A steht gleich am ersten Spieltag ein echter Derby-Knaller auf dem Spielplan. Die Sportfreunde Ammeloe empfangen ihren Nachbarn von GW Lünten. Ein Spiel, das unter normalen Umständen ziemlich sicher die 300er-Marke knacken könnte. Darüber haben sich auch die Vereinsverantwortlichen im Vorfeld Gedanken gemacht. Eines vorweg: Die Tickets für das Duell am Sonntag sind bereits komplett vergeben.

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Die Klubs haben sich darauf verständigt, dass zwei Drittel der Karten an die Gastgeber und ein Drittel an die Lüntener gehen. Die Vergabe haben die Ammeloer bereits am Dienstagabend auf ihrem Gelände vorgenommen und Chips verteilt, die dann vor dem Spiel am Eingang vorgezeigt werden. „Damit wollten wir einfach verhindern, dass zum Beispiel 200 Lüntener am Sonntag auf gut Glück kommen und dann vor verschlossener Tür stehen“, erklärt Ammeloes Sportlicher Leiter Michael Wantia. Denn das wäre ja möglich, wenn die Kasse ganz normal geöffnet wäre.

Vorverkauf in Lünten am Freitag

Den Weg des Vorverkaufs gehen auch die Lüntener, die ihr Ticket-Kontingent am Freitagabend (4. September) an den Mann bringen wollen. Die Namen der Zuschauer sollen möglichst schon im Vorfeld bekannt sein. „Wir müssen einfach dafür sorgen, dass wir die Coronaregeln einhalten und letztlich jeden identifizieren können, der auf der Anlage ist“, so Michael Wantia. Er geht aber davon aus, dass es ein so hohes Fanaufkommen wie gegen Lünten nur in einer Handvoll Spiele geben wird.

Eher die Regel dürfte das für die SpVgg Vreden in der Oberliga sein. Hier gibt es eine klare Vereinbarung unter allen Klubs (auch in der Landes- und Westfalenliga): 50 Tickets gehen an den Gastverein, der Rest bleibt den heimischen Zuschauern vorbehalten. Um den Aufwand und den Andrang an den Eingängen (für beide Vereine getrennt) möglichst gering zu halten, setzen die Vredener auch auf den Absatz von Saisonkarten. „Die hatten wir zwar vorher auch schon, aber jetzt ist das Interesse daran doch etwas größer“, berichtete der Klubvorsitzende Christoph Kondring.

Der Vorteil: Dauerkarteninhaber müssen nicht jedes Mal aufs Neue ihre Daten in die ausgelegten Listen eintragen. Die Informationen stehen im Idealfall schon drauf und es muss nur ein Haken gesetzt werden, wenn derjenige die Anlage betritt. Gezahlt werden soll trotzdem weiterhin vor Ort.

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Andere westfälische Vereine, wie etwa Bezirksligist FC Nordkirchen, gehen einen gänzlich digitalen Weg und verkaufen ihre Eintrittskarten über einen Online-Shop. Sowohl die Datenerfassung als auch die Bezahlung sind damit bereits im Vorfeld erledigt. Dadurch verspricht sich der Verein unter anderem weniger Verzögerungen im Eingangsbereich.

Reines Online-System überzeugt nicht

Diesen Weg hält etwa Michael Schley, Geschäftsführer beim Bezirksligisten SuS Stadtlohn, für schwierig. „Beim Online-Verkauf können wir ja gar nicht genau nachvollziehen, ob sich vielleicht 200 Gästefans die Karten sichern. Das wäre ja nicht in unserem Sinne. Außerdem ist das Online-System vielleicht auch für manch älteren Zuschauer, oftmals Stammgäste, schwierig.“

So gehe der Verein zwar das Risiko ein, Zuschauer nach Erreichen der 300er-Grenze draußen lassen zu müssen, doch das sei das geringere Übel. „Das wird gewiss nicht die Regel sein, da muss man letztlich auch auf das Verständnis der Zuschauer setzen“, so Schley. Ein Patentrezept, um den Einlass mit zumutbarem Aufwand zu vereinfachen, habe der SuS aber auch noch nicht parat. Über das Kontingent für Gästefans stimme man sich von Fall zu Fall mit dem Gegner ab.

Christoph Kondring von der SpVgg hält ebenfalls wenig von einem für jeden zugänglichen Online-Verkauf: „Wir wollen vor allem die Leute im Stadion haben, die uns seit Jahren unterstützen.“ Die Vredener Zuschauer können sich ab sofort, sowohl für Heim- als auch für Auswärtsspiele, vorab bei zwei festen Ansprechpartnern im Verein melden und Tickets reservieren.

Wie solche Systeme bei anderen Vereinen funktionieren, wollen die Verantwortlichen beim Bezirksligisten SV Heek, der in der Vorbereitung schon die 300-Zuschauer-Marke erreicht hat, im Auge behalten. Geschäftsführer Martin Kösters sagt: „Zum Start werden wir es wohl weiterhin über die Tageskasse machen, eine andere Lösung haben wir noch nicht gefunden.“

So geht es wohl auch vielen anderen Vereinen im Fußballkreis auch. Doch die nächsten Wochen dürften viele wertvolle Erkenntnisse bringen.

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