Ist die Fußballsaison noch zu retten? Ein Planspiel

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Ob die Fußballsaison 2019/20 zu Ende gespielt wird, steht derzeit noch in den Sternen. Am Beispiel der Bezirksliga 11 zeigen wir, welche Hürden dabei zu überwinden wären.

von Nils Reschke

Kreis

, 17.03.2020, 14:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Entscheidung des Fußball- und Leichtathletik Verbandes Westfalen (FLVW), den Spielbetrieb nun bis zum Ende der Osterferien ruhen zu lassen, war logisch, konsequent und richtig. Vielleicht war diese Entscheidung aus sportlicher Sicht auch so gerade eben noch rechtzeitig. Denn auch wenn viele Aktive, Trainer und Betreuer gerade weniger an die schönste Nebensache der Welt denken mögen, so stellt sich doch die Frage: Ist die Saison 2019/20 überhaupt regulär zu beenden? Und wenn ja, wie? Auf die Entscheidungsträger wartet Schwerstarbeit, falls der Ball in absehbarer Zeit wieder rollen kann. Die Vereine, so sie denn bereit sein sollten, die Spielzeit 19/20 im Sinne der Auf- und Abstiegsregelung wenn möglich zu beenden, wären gleichermaßen gefordert.

Frühestens am 26. April könnte der Ball rollen

Nehmen wir die Fußball-Bezirksliga 11, wo der SuS Stadtlohn, der TuS Wüllen, der VfB Alstätte und die SpVgg Vreden II kicken, als Fallbeispiel. Da gestaltet sich die aktuelle Situation wie folgt: Der 23. Spieltag am letzten Wochenende war der erste, der aufgrund der Corona-Problematik abgesetzt wurde. Frühestens ab dem 26. April soll der Ball wieder rollen. Dann sprechen wir bereits vom 30. Spieltag. An insgesamt sechs Wochenenden fallen die Begegnungen in der Bezirksliga 11 also aus.

Zwei Dinge kämen bei weiteren Planungen erschwerend hinzu. Erstens: In dieser Saison 2019/20 handelt es sich um eine 18er- statt 16er-Staffel, sodass die Spielzeit generell 34 Runden umfasst. Zweitens: Der 27. Spieltag war aufgrund der 18er-Staffel bereits regulär im Rahmen einer Englischen Woche vorgesehen und an einem Donnerstagabend (9. April) angesetzt. Somit sprechen wir von sieben, nicht von sechs nachzuholenden Terminen.

Das offizielle Saisonende war mit dem 34. Spieltag am 24. Mai geplant. Davon ausgehend müssten die ausgefallenen Spiele also grundsätzlich ab dem darauffolgenden Pfingstwochenende fortgesetzt werden. Als Ersatz für den Spieltag unter der Woche am 9. April bietet sich Fronleichnam (11. Juni) beziehungsweise der Vorabend an.

Allerdings gibt es noch eine weitere Problematik: Beginnend mit Pfingsten bleiben bis zum 28. Juni 2020 nur fünf statt der nötigen sechs Wochenenden, die abgesagt wurden. Dieser Sonntag ist nämlich der letzte, ehe am 29. Juni in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien beginnen – falls dieses Datum als symbolische Ziellinie gelten soll. Auf der anderen Seite entscheidet in der Bezirksliga bereits das Torverhältnis, sodass hier keine weiteren Entscheidungsspiele über eventuelle Platzierungen zwecks Auf- und Abstieg nötig wären. Insofern – soll bis zum Start der Sommerferien die Saison beendet sein – braucht es noch einen weiteren Spieltag unterhalb der Woche. Mit Christi Himmelfahrt (21. Mai) beziehungsweise den Vorabend wäre solch ein Termin denkbar.

Nicht sofort Englische Wochen

Außerdem muss im Sinne des Amateursports berücksichtigt werden, dass Vereine im April, sofern ab dem 20. die Sportanlagen wieder geöffnet werden können, zunächst noch von Englischen Wochen verschont bleiben sollten, damit sie zumindest etwas Zeit bekommen, Trainingseinheiten abzuhalten. Was dann bleibt, sind ab der ersten Mai-Woche sechs Termine unter der Woche. Und da kommen dann die aufgrund der schlechten Platzverhältnisse ausgefallenen Partien vor der Corona-Problematik ins Spiel. Wobei sich hier die Lage noch nicht zu brenzlig gestaltet. Zehn der 18 Vereine haben nämlich alle bisherigen 22 Matches absolviert. Sechs müssen noch eine Begegnung nachholen. Ein Extremfall ist der 18. Club, der VfB Alstätte, der erst 19 Mal antreten konnte. Die Rot-Weißen müssten also an drei der restlichen sechs Termine beziehungsweise fünf Mal insgesamt unter der Woche ran.

Ob die Saison für Hendrik Nünning (l., SpVgg Vrdeen II) und Andreas Bastron vom TuS Wüllen irgendwann wieder aufgenommen wird, ist noch unklar.

Ob die Saison für Hendrik Nünning (l., SpVgg Vrdeen II) und Andreas Bastron vom TuS Wüllen irgendwann wieder aufgenommen wird, ist noch unklar. © Sascha Keirat

Trainer Markus Krüchting möchte sich aktuell an solchen Planspielen nicht beteiligen: „Ich bitte da um Verständnis. Für mich steht jetzt die Gesundheit meiner Familie im Vordergrund. Alles, was mit Fußball zu tun hat, beschäftigt mich aktuell überhaupt nicht.“

Die Staffelleiter indes müssen einen Plan B erarbeiten. Und das wird schwer genug. Selbst wenn im April, Mai und schon gar nicht im Juni mit massiven witterungsbedingten Absagen zu rechnen ist. Denn darüber hinaus sind nämlich noch Halbfinale und Endspiel im Kreispokal offen. Mit diesem Wettbewerb einen Abschluss der Meisterschaft zu gefährden, wäre gewiss wenig ratsam. Wenn es nicht passt, passt es eben nicht. Es bietet sich aber auch noch an, die letzten Paarungen in die Vorbereitung zu legen. Oder zumindest, sich hier ganz intensiv mit den Vereinen auszutauschen, was möglich wäre.

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Sollte es witterungsbedingt doch noch brenzlig werden, müssen eben die Vereine präventiv mithelfen – und beispielsweise aufs Heimrecht verzichten oder es tauschen oder die Partie an einen anderen Ort mit Kunstrasenplatz verlegen, auf dem gespielt werden könnte. Und sei es dann vormittags oder auch zu etwas späterer Stunde am Sonntag. Not macht bekanntlich erfinderisch.

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