DFB-Pilotprojekt: Auch Fußballer in der Region könnten bald wieder Zeitstrafen abbrummen

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Der DFB testet Zeitstrafen in der hessischen Kreisliga. Womöglich könnte diese persönliche Strafe für Fußballer auch bald wieder auf die hiesigen Sportplätze zurückkehren. Eine Umfrage.

Ahaus

, 12.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch gut kann er sich an die Zeit erinnern, als auch bei den Senioren statt Gelb-Rot die Zeitstrafe ausgesprochen wurde. Matthias Vogtt, aktuell Trainer der Landesliga-A-Jugend bei der SpVgg Vreden, hielt diese Sanktion für eine gute Sache – seinerzeit und heute auch noch. Und womöglich wird die Zeitstrafe bald auch wieder auf den hiesigen Sportplätzen von den Schiedsrichtern verhängt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erlaubt im Rahmen eines Pilotprojektes ab der kommenden Saison 2020/21 für zwei Jahre die Wiedereinführung von Zeitstrafen auf Kreisliganiveau – beschränkt erst einmal auf den Hessischen Fußball-Verband (HFV). Wie der DFB mitteilt, sei der Verband damit einer Empfehlung des DFB-Spielausschusses gefolgt.

Zeitstrafen sollen deeskalierend wirken

Auf Kreisebene sollen dann in Hessen sowohl im Frauen- und Männerbereich als auch bei den Juniorinnen und Junioren Zeitstrafen verhängt werden können. „Die praktische Umsetzung auf dem Spielfeld sieht vor, dass nach einer Gelben Karte im nächsten Schritt statt der Gelb-Roten Karte eine Zeitstrafe als Sanktionierung erfolgt. Erst danach würde im Falle eines weiteren verwarnungswürdigen Vergehens ein Platzverweis ausgesprochen werden", teilte der DFB mit.

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Der Wunsch nach einer Wiedereinführung von Zeitstrafen war von hessischen Vereinen an den HFV herangetragen worden. Maßgeblich sei unter anderem die zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter nach Verhängen von Gelb-Roten Karten gewesen. Man erhofft sich den Effekt, dass Zeitstrafen deeskalierend wirken. Sie bestraften zunächst einmal allein den Spieler, die Mannschaft trage gleichsam zur Disziplinierung des Spielers bei.

Spieler kann während der Pause abkühlen

Diesen Aspekt stellt auch Matthias Vogtt heraus: „So erhält der Spieler zunächst einmal die Chance, wieder zur Ruhe zu kommen und sich zu besinnen. Und ich als Trainer erhalte die Option, zu beurteilen, ob der Spieler eine weitere Chance verdient hat oder ob ich ihn besser vom Platz nehme.“ So würde nicht gleich die gesamte Mannschaft bestraft, vor allem bei "schwierigen Härtefall-Entscheidungen". Gravierende Entgleisungen müssten natürlich rigoros mit Platzverweis geahndet werden. „In der Jugend habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, allerdings sind dort fünf Minuten Zeitstrafe zu gering.“

„In der Jugend habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht, allerdings sind dort fünf Minuten Zeitstrafe zu gering.“
Matthias Vogtt

Offen steht auch Daniel Fischer, Schiedsrichter-Lehrwart im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld, diesem Projekt gegenüber: „Grundsätzlich kann das eine gute erzieherische Maßnahme sein – zum Beispiel als letzte Verwarnung.“ Allerdings müsste man abwarten, wie die Schiedsrichter ihren Ermessensspielraum auslegten. Stichwort Verhältnismäßigkeit. „Was ist, wenn der gefoulte Spieler verletzt vom Platz muss und der Übeltäter nach zehn Minuten wieder am Spiel teilnehmen darf?“

Gelb-Rot ersetzte Zeitstrafe in den 90ern

Noch aus seiner Zeit als aktiver Schiedsrichter kennt Horst Dastig, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses, die Zeitstrafe. „Seinerzeit hatte ich das Gefühl, dass es in manchen Dingen etwas gebracht hat“, so Dastig. Er stellt allerdings einen weiteren Aspekt zur Überlegung: „Was ist in den Wintermonaten? Der betroffene Spieler kühlt doch komplett ab.“

Der Vorteil sei natürlich, dass der Spieler für das kommende Spiel spielberechtigt bliebe - anders als bei der Gelb-Roten Karte. Das könne auch ein wenig Emotion herausnehmen. Die Gelb-Rote Karte ersetzte in den 90er-Jahren die Zeitstrafe im Seniorenbereich. „Wir warten mal ab. Es wird ja Gründe geben, warum man in Hessen diese Idee angestoßen hat. Die Erfahrungen wird man dann nach zwei Jahren mit uns allen teilen.“

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