Frank Bajorath: Alle sind heiß auf die Oberliga bei der SpVgg Vreden

rnFußball: Interview

Auf die Zusammenarbeit bis Ende Juni 2022 haben sich die SpVgg Vreden und Sportleiter Frank Bajorath geeinigt. Im Interview blickt der mit Vorfreude, aber auch gewisser Sorge auf die Saison.

Vreden

, 13.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit fast sieben Jahren ist Frank Bajorath bei der SpVgg in Amt und Würden. Zunächst als Sportlicher Leiter für die Junioren, mittlerweile auch bei den Männern. Wir haben uns mit Bajorath, der am Mittwoch seinen 48. Geburtstag feierte, über die Lage rund ums Hamalandstadion unterhalten.

In gut drei Wochen startet die Saison 2020/21. Wie ist es bei Ihnen in Zeiten von Corona um die Vorfreude bestellt?
Da bin ich schon zwiegespalten. Zwischendurch sehe ich immer mal wieder mit Sorge darauf, was alles passieren kann, wenn mal ein paar Spieler wegen Corona ausfallen. Was dann los ist, ob es dadurch auch einen Wettbewerbsnachteil geben kann. Das ist alles noch ein bisschen komisch. Aber andererseits sind wir natürlich alle froh, dass überhaupt wieder so viel Fußball gespielt werden kann. Vor ungefähr drei Monaten hätte ich das nicht für möglich gehalten. Aber mittlerweile ist ja alles wieder ins Rollen gekommen, auch in Sachen Trainerausbildung im Fußballkreis, wo ich ja auch tätig bin. Aber trotzdem sehe ich es auch als meine Aufgabe und die aller Vorstandskollegen bei der Spielvereinigung, die Spieler immer wieder zu ermahnen, sich an die Vorschriften zu halten. Wir werden das Virus nicht komplett ausschalten können, aber wir sollten alles tun, um es einzudämmen.

Die erste Mannschaft spielt erstmals überhaupt in der Oberliga. Was trauen Sie dem Team zu?
Auf jeden Fall, dass sie drin bleibt. Natürlich wird das aber keine einfache Aufgabe, vor allem, wenn fünf oder noch mehr Mannschaften absteigen. Wir haben gute Spieler, einen sehr engagierten neuen Trainer und ein gutes Mannschaftsgefüge. An Routine fehlt es vielleicht noch ein bisschen. Alle sind aber heiß auf die Oberliga und freuen sich, neue Stadien zu sehen, zum Beispiel in Wattenscheid oder Siegen. Was uns leider ein bisschen fehlt, ist die Aufstiegseuphorie. Es ist schon was anderes, als wenn man die Saison zu Ende gespielt hätte. Trotzdem hoffe ich, dass wir einen guten Start erwischen werden, das wäre wichtig.

Welche Eindrücke haben Sie bislang von der Arbeit des neuen Trainers Engin Yavuzalsan gewonnen?
Wir sind überzeugt von Engins Arbeit und denken, dass er jeden Spieler weiterentwickeln kann. Schon im Vorfeld war mir klar, dass er sehr intensiv arbeitet, als langjähriger Spieler ist er Fußballer durch und durch. Mit ihm kann man sich sehr lange über Fußball austauschen und philosophieren. Er lebt das ganze Ding.

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Auf die Mannschaft warten allein in der Liga 40 Spiele. Ist der Kader breit genug aufgestellt, um dieses Mammut-Programm schadlos zu überstehen?
Wir haben einen relativ breiten Kader und sind in der Hinsicht besser aufgestellt als in der Vergangenheit. Klar haben wir den ein oder anderen Langzeitverletzten dabei oder auch Leute, die ziemlich verletzungsanfällig sind. Wenn also noch einer vom Baum fallen sollte, der wirklich zu uns passt, würden wir uns nicht dagegen wehren. Aber wir werden unserer Philosophie treu bleiben, zum großen Teil auf eigene Leute zu setzen. Das werfen wir jetzt nicht alles über den Haufen, nur weil wir in der Oberliga spielen. Außerdem sind wir auch in der zweiten Mannschaft gut aufgestellt und für die Spieler wäre es doch eine Belohnung, wenn sie mal in der Oberliga eine Chance erhalten würden.

Die U23 in der Bezirksliga sowie auch die A- und B-Junioren in der Landesliga spielen auf gehobenem Niveau. Sind diese Spielklassen das Optimum für den Verein, oder kann es noch höher hinaus gehen?
Ich bin damals mit dem Ziel angetreten, dass wir mit allen Mannschaften so hoch spielen, wie es mit unseren Möglichkeiten und unserer Philosophie geht. Wir sind auf einem guten Weg und ich bin glücklich mit der Situation, die wir uns bis jetzt erarbeitet haben. Für die erste Mannschaft muss es jetzt darum gehen, vielleicht nicht nur ein Jahr in der Oberliga zu spielen, sondern zwei oder drei oder noch mehr. Auch die Zweite muss sich in der Bezirksliga etablieren. Für die A- und B-Jugend muss ich sagen, dass die Landesliga schon eine gute Klasse ist. Da jetzt mehr zu verlangen, wäre schon ein bisschen vermessen.

Warum?
Man muss immer berücksichtigen, dass Vreden eine Stadt ist, die nicht die Größe von anderen Konkurrenten hat. Die Vereine im Ruhrgebiet zum Beispiel haben meist einen viel größeren Pool, aus dem sie sich bedienen können. Deshalb ist es für uns auch so wichtig, ganz unten gute Arbeit zu leisten. Da, wo es kaum einer sieht. In der E-Jugend zum Beispiel, wo wir letztes Jahr fast alles gewonnen haben und einige Spieler in der Kreisauswahl hatten. Das ist die Basis, von der wir leben. Und am Ende ist es doch schön zu sehen, wenn jemand von der E-Jugend alle Jahrgänge in unserem Verein durchlaufen hat und sich irgendwann in der ersten Mannschaft wiederfindet.

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Was sind für Sie die größten Baustellen, die Verein jetzt angehen sollte?
Wichtig ist es erst mal, jetzt nicht in Selbstzufriedenheit zu verfallen, das wäre der erste Schritt zurück. Es gibt in allen Altersklassen etwas zu verbessern. Eines unserer Ziele muss es sein, noch mehr Breite zu schaffen, wir haben auch die zweiten Mannschaften im Blick und wollen ein Breitensportverein bleiben. Jeder soll bei uns Spaß am Fußball haben, auch wenn er nicht im Leistungsbereich spielt.

Sie haben vorher unter anderem beim SuS Stadtlohn und Preußen Münster gearbeitet. Wie unterscheidet sich die SpVgg Vreden davon?

Im Vergleich zum SC Preußen geht es in Vreden doch deutlich familiärer zu, hier gibt es mehr den Wohlfühl-Effekt. In Münster wird viel professioneller gedacht, da zählt oft nur das Ergebnis und es ist mehr oder weniger egal, ob dabei ein Spieler auf der Strecke bleibt. Als Trainer einer Mannschaft bist Du dort auch nur der Trainer, nicht mehr und nicht weniger. Da fehlt mir persönlich auch ein bisschen der Austausch. Ich bevorzuge da Vereine wie Vreden oder auch Stadtlohn, wo wir uns zwar im semiprofessionellen Bereich befinden, wo aber neben dem Fußball auch andere Gesprächsthemen möglich sind. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Und in Sachen Rahmenbedingungen?
Da gibt es in jedem Verein etwas zu verbessern, das ist einfach so. Wir fanden es natürlich schade, dass der Ratsbeschluss im vergangenen Jahr noch gekippt worden ist (im Bürgerentscheid sprachen sich die Vredener gegen den Bau eines neuen Sportzentrums aus, d. Red.), das hätte dem FC Vreden und uns sowie dem gesamten Sport in der Stadt sehr gut getan. Aber wir versuchen trotzdem weiter, im Rahmen unserer Möglichkeiten das Beste zu erreichen.

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