Fußball als „Impfstoff“ gegen das Virus: Hello again, Kreisliga

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In der Kolumne „Bratwurst, Bier, behaarte Bäuche“ berichtet unser Reporter Johannes Schmittmann regelmäßig aus den Tiefen der Kreisliga D. Er ist Co-Trainer bei Union Wessum III.

Ahaus

, 04.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie kehrt man nach fünfeinhalb Monaten ohne Pflichtspiel zurück auf die schillernde Kreisliga-Bühne? Im Zweifel immer mit Howie Carpendale: „Ich will dir (dem Gegenspieler, d. Red.) gegenüber steh’n, viel zu lang war die Zeit: Uhuhuh uhuh, ich sag nur hello again.“

Ja, es gibt uns noch. Auch wenn die Kreisliga D in den Diskussionen über die wirklich wichtigen Themen – „Ist Hansi der neue Jupp?“ – teilweise unterging. Zumindest in Wessum hat man sogar das Gefühl, Christian Drosten (Virusgott!) habe das runde Leder persönlich als Corona-Impfstoff zugelassen.

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Wie sonst ist es zu erklären, dass die dritte Mannschaft aktuell 43 aktive Spieler umfasst? Dieser XXL-Kader hätte selbst „Quälix“ Magath ins Schwitzen gebracht. Ze Roberto II und Ali Karimi lassen grüßen. Das Trainerteam stellte das vor schier unlösbare Aufgaben. Während im Training aktuell zumindest 30 Spieler eingesetzt werden dürfen, sind es selbst in Testspielen nur 15.

Alles, nur nicht berechenbar

Getreu dem Hoeneß-Motto „Für eure scheiß Stimmung seid ihr doch selbst für verantwortlich“ organisierten wir daher gleich eine ganz Flut von Freundschaftsspielen. Wie es lief? Durchwachsen. Eines kann man uns aber ganz sicher nicht vorwerfen: Berechenbarkeit. 1:6 gegen Oldenburg III, 1:6 gegen Alstätte III, 1:2 gegen Heek IV. Dem gegenüber stehen unter anderem ein 7:3 gegen Alstätte IV und ein souveränes 1:0 gegen Legden III.

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Unsere beste Leistung lieferten wir ausgerechnet bei der Generalprobe gegen C-Ligist SV Gescher. Mit 5:1 fegten wir den klassenhöheren Gegner aus dem eigenen Stadion. Eines hatten aber alle Tests gemein: Frei von Kuriositäten – es hätte auch überrascht – blieb keines der Spiele. Youngster Hennes Elskamp musste gegen Lünten lernen, dass auch bei den Senioren der Ball nur mit Fuß oder Kopf gespielt werden darf. Maradona ließ sich spontan einfliegen, um seine Anerkennung auszusprechen.

Kitschiger als jeder Disneyfilm

Bizarr mutete zunächst auch unsere Chancenverwertung an. Vor allem der Verfasser dieser Zeilen versiebte Dinger, die für jeden Jahresrückblick taugen. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß. Also beschloss ich, meine eigentlich noch guten Treter auszusortieren; königsblau, das konnte auch nichts werden.

Quasi noch mit Etikett am Schuh stand ich gegen Alstätte in der Startelf. Neunte Minute, erster Torschuss, 1:0. Nach einem Jahr ohne Tor war der Bann gebrochen. Geht es noch kitschiger? Ja: Vier Tage später vergaß ich gegen Gescher meine neuen Glücksbringer. Nur durch einen Zufall hatte ich meine alten, verfluchten Schuhe noch in der Tasche. Als ich mit der Schlusssirene zum 5:1 einschob, musste ich mir eingestehen: Es war wohl doch eher der Kopf als das Leder.

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Sei´s drum. Pünktlich zum Saisonstart gegen Ahle II haben wir einigermaßen zu unserer Form zurückgefunden. Nicht nur auf dem Platz. Dass wir bei unserer August-Rechnung im Vereinsheim von der Mehrwertsteuersenkung – immerhin 30 gesparte Euro (!) – profitierten, stimmte unseren Kassenwart nur mäßig milde. Dabei raten doch die Experten: in der Krise antizyklisch investieren. Und was hält schon länger als ein Bäuchlein?

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