Als Raphael Gebker mit den Preußen Deutscher Amateurmeister wurde

rnSerie „Rückpass“

Deutscher Amateurmeister mit Preußen Münster wurde Raphael Gebker 1994. Der Wessumer erzählt vom größten Erfolg seiner Karriere, der Feier am Prinzipalmarkt und seinen Anfängen bei Union.

Wessum

, 28.01.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einmal eine Deutsche Meisterschaft gewinnen und sich als Titelträger feiern lassen. Davon träumen viele Sportler in der Bundesrepublik. Die meisten von ihnen können ihren Wunsch aber nie realisieren. Für den Wessumer Fußballer Raphael Gebker ist der Traum vom Titelgewinn wahr geworden.

Er hat mit der Mannschaft von Preußen Münster die Deutsche Amateurfußballmeisterschaft gewonnen, das liegt jetzt etwas mehr als 25 Jahre zurück. Am 11. Juni 1994 besiegten die Preußen im Endspiel um die Amateurmeisterschaft die Elf der Offenbacher Kickers vor 5500 Zuschauern im Stadion am Bieberer Berg mit 1:0. Das alles entscheidende Tor erzielte Jürgen Serr in der 38. Minute.

Hier bremst der Wessumer den späteren Bundesliga-Torschützenkönig Martin Max (r.), hier im Gladbacher Trikot, aus.

Hier bremst der Wessumer den späteren Bundesliga-Torschützenkönig Martin Max (r.), hier im Gladbacher Trikot, aus. © Repro: Johannes Kratz

„Das war mein schönstes Erlebnis als Fußballer“, erinnert sich der heute 48-Jährige, der in Wessum eine Physiotherapiepraxis betreibt. „Ich habe die Vorlage zum 1:0 gegeben. In der 90. Minute bin ich dann ausgewechselt worden.“ In der Elf von Preußen Münster haben damals auch Uwe Leifeld und Uwe Tschiskale gekickt. „Wir hatten schon eine tolle Truppe zusammen. Mit einem Großteil des Teams habe ich heute immer noch Kontakt. Wir hatten erst im Dezember eine feucht-fröhliche Weihnachtsfeier in einer Dortmunder Wohnung“, sagt Gebker.

Schon vor dem Endspiel war die Euphorie in Münster und bei den Preußen groß. „Wenn wir dieses Finale gewinnen und mit dem Pokal die Heimreise antreten, wäre das für mich der absolute Höhepunkt in meiner Karriere“, wurde Trainer Ernst Mareczek in der örtlichen Presse zitiert. Mareczek hatte die Preußen erst acht Wochen vorher vom gefeuerten Coach Hans-Werner Moors übernommen und seitdem kein Spiel verloren.

Raphael Gebker heute

Raphael Gebker heute © Johannes Kratz

Und Uwe Leifeld hatte sich zusammen mit Raphael Gebker schon vor der Abfahrt nach Offenbach in Shirts mit der Aufschrift „Deutscher Amateurmeister 1994“ ablichten lassen. Nach dem Titelgewinn präsentierten Preußen Münsters neue Fußball-Helden ihre Sieger-Trophäe auf dem Rathausbalkon am Prinzipalmarkt und wurden von ihren zahlreichen Fans lautstark gefeiert.

Die Saison 1993/94 hatten die Preußen in der Oberliga Westfalen bestritten, das war die dritthöchste Liga im DFB. Die Regionalligen wurden erst zur Spielzeit 94/95 wieder eingeführt. Der Meister kickte in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga und der Vizemeister qualifizierte sich für die Endrunde zur Amateurmeisterschaft. Oberligameister 1993/94 in Westfalen wurde der TuS Paderborn-Neuhaus mit 50:10 Punkten aus 30 Spielen. Preußen Münster belegte mit 41:19 Zählern Platz zwei. Absteigen mussten TSG Dülmen und SpVg Marl.

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Um die Deutsche Amateurmeisterschaft spielten im Jahr 1994 zehn Mannschaften in zwei Gruppen. Preußen Münster trat in der Gruppe Nord an und für die Preußen lief in ihren vier Spielen alles nach Wunsch. Die Elf wurde mit drei Siegen sowie einem Unentschieden mit 7:1 Punkten Gruppenerster und stand damit im Endspiel. Platz zwei ging an Alemannia Aachen (6:3 Punkte), Dritter wurde der VfL Osnabrück vor Union Berlin und dem Eisenhüttenstädter FC Stahl. In der Gruppe Süd setzte sich Kickers Offenbach mit 6:2 Punkten vor dem SSV Reutlingen durch.

Raphael gebker traf in seiner Karriere auch auf später prominente Trainer wie hier Roger Schmidt (r.), damals beim SC Verl.

Raphael gebker traf in seiner Karriere auch auf später prominente Trainer wie hier Roger Schmidt (r.), damals beim SC Verl. © Repro: Johannes Kratz

Im Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft hatten die Preußen aus Münster durch den Treffer von Jürgen Serr in der 38. Minute das bessere Ende für sich. „In den nächsten Spielzeiten ist uns in der Regionalliga nie mehr der ganz große Wurf gelungen. Wir sind meistens im vorderen Mittelfeld gelandet“, berichtet Gebker über seine weiteren Jahre in Münster.

Begonnen hat der Abwehrspieler mit dem Fußball in der E-Jugend von Union Wessum. „Mit 17 Jahren hat mich der Verein vorzeitig zum Senior erklären lassen. Ich hatte vorher schon in der ersten Mannschaft ausgeholfen.“ Nach einen Jahr mit der Union in der Bezirksliga ist Gebker zum Oberligisten ASC Schöppingen gewechselt. „Das war ein tolles Jahr, bei Trainer Bernard Dietz habe ich viel gelernt und gleich den Sprung in die Stammelf geschafft“, erzählt der Wessumer.

Auch von Raphael Gebker gab es in den 90er Jahren Autogrammkarten.

Auch von Raphael Gebker gab es in den 90er Jahren Autogrammkarten. © Repro: Johannes Kratz

Nach nur einer Saison kam aber schon das Aus. Nach dem Rückzug von Sponsor Heinz Tummel ging der ASC im Mai 1992 freiwillig zurück in die Bezirksliga und Raphael Gebker wechselte zu den Amateuren des Bundesligisten VfL Bochum. „Ich habe zusammen mit den Bundesligaprofis trainiert und in der Oberliga gespielt.“

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Im April 1993 stand Gebker dann kurz vor seiner ersten Partie in der 1. Bundesliga. „Uwe Wegmann war erkrankt und Trainer Jürgen Gelsdorf wollte mich bringen. Zwei Tage vor dem Spiel habe ich mir dann das Kreuzband gerissen.“

Es folgten fünfeinhalb Jahre bei Preußen Münster. „Das war eine überragend schöne Zeit“, sagt Gebker. „Ich war damals Semiprofi, habe halbtags gearbeitet und sehr viel Fußball gespielt.“ Im Januar 1998 hat sich Gebker dann dem Oberligisten SuS Stadtlohn angeschlossen, der von Wolfgang Ahlefelder betreut wurde. „Ahlefelder und Dietz waren meine besten Trainer. Beim SuS haben wir sogar Taktik trainiert, das war damals noch nicht üblich.“

Bei seinem Heimatklub Union Wessum agierte Gebker nach seiner Profilaufbahn als Spielertrainer. Hier in einem Spiel gegen den FC Ottenstein.

Bei seinem Heimatklub Union Wessum agierte Gebker nach seiner Profilaufbahn als Spielertrainer. Hier in einem Spiel gegen den FC Ottenstein. © Archiv


Nach eineinhalb Spielzeiten beim SuS und einer Saison als Spielertrainer der SpVgg Vreden zusammen mit Matthias Vogtt in der Verbandsliga ist Gebker zu seinem Stammverein Union Wessum zurückgekehrt und hat nach zwei Jahren als Trainer der A-Jugend als Spielertrainer die erste Mannschaft in der Kreisliga A übernommen. „In der Saison 2003/04 sind wir mit neun Punkten Vorsprung auf ASV Ellewick Meister geworden und die Bezirksliga aufgestiegen“, erinnert sich Gebker. „Diesen Meistertitel und die Planwagenfahrt durch das Dorf werde ich auch nie vergessen.“

Er hat dann nach der ersten Saison in der Bezirksliga 11 seine Karriere endgültig beendet – 2015 übernahm er noch für einige Monate als Interimscoach an der Südstraße. Für Union Wessum ist er aber immer noch aktiv: Raphael Gebker spielt jetzt in der Herren 40-Tennismannschaft der Union in der Bezirksklasse.

Herausragende Ereignisse der Lokalsport-Geschichte in Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden lassen wir in dieser Serie noch einmal aufleben. In unregelmäßigen Abständen beleuchten wir ein Thema ausführlich und lassen Zeitzeugen von damals zu Wort kommen.
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