Stefan Thesker surft in Kiel auf der Erfolgswelle – auf gute Noten gibt er aber nicht viel

rnFußball: Interview

Nachdem seine erste Zweitliga-Saison bei Holstein Kiel unbefriedigend verlief, hat Stefan Thesker wieder gut Lachen. Im Interview spricht der Wüllener über Noten, Ostsee und Karneval.

Wüllen

, 18.02.2020, 12:43 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit rund anderthalb Jahren lebt Stefan Thesker in Kiel und spielt für Zweitligist Holstein. Tatsächlich spielen durfte er anfangs aber wenig. Seit Anfang November ist der Wüllener nun Stammkraft in der Innenverteidigung und absolvierte die vergangenen elf Spiele über die volle Distanz. Nicht nur für ihn persönlich läuft es derzeit rund, sondern auch für das gesamte Team, das als Tabellenfünfter so gut dasteht wie nie zuvor in der Saison. An seinem freien Tag nahm sich der 28-Jährige Zeit für ein Gespräch.

Ist der Dienstag immer Ihr freier Tag, oder nur zufällig in dieser Woche?
In der Regel haben wir immer den zweiten Tag nach einem Spiel trainingsfrei. Da wir jetzt am Sonntag gespielt haben, ist es eben der Dienstag.

Am Sonntag haben Sie mit Ihrem Team bei Erzgebirge Aue gewonnen und sind jetzt Fünfter. Wie ist die Saison bisher aus Ihrer Sicht verlaufen?
Sie hätte nicht schlechter anfangen können, denn beim ersten Training habe ich mir direkt einen Muskelfaserriss zugezogen und deshalb fast die komplette Vorbereitung verpasst. Auch wenn ich anfangs nicht im Kader stand, hatte ich schnell das Gefühl, dass diese Saison besser wird als die letzte – schlechter war ja auch kaum möglich. Der damalige Trainer Andre Schubert hat mir dann schnell signalisiert, dass ich meine Einsätze bekommen werde, und die kamen dann ja auch.

Dann hat der Verein schon Mitte September nach nur sechs Ligaspielen, den Trainer entlassen...
Ja, da haben irgendwie alle schon gemerkt, dass irgendwas passieren muss. Die Mannschaft ist eigentlich von Spiel zu Spiel schlechter geworden, anstatt sich zu verbessern. Mit Ole Werner hatte der Verein dann zum Glück die perfekte Option in den eigenen Reihen, er war ja vorher bei der zweiten Mannschaft. Ich finde, er macht seine Sache sehr gut, was die Ansprache und die Taktik angeht. Außerdem schafft er es, die Stärken jedes Spielers hervorzubringen.

Einen seiner bislang zwei Saisontreffer für die „Störche“ bejubelte Stefan Thesker in Nürnberg, wo er zum 2:2-Endstand traf.

Einen seiner bislang zwei Saisontreffer für die „Störche“ bejubelte Stefan Thesker in Nürnberg, wo er zum 2:2-Endstand traf. © picture alliance/dpa

Und er hat Sie zum Stammspieler gemacht...
Ja, ich bin sehr froh, dass er sich nach ein paar Spielen dazu entschieden hat. So kann ich jetzt sagen, dass es für mich und auch für und die ganze Mannschaft nach anfänglichen Schwierigkeiten eine super Saison ist. Im Moment ist alles top.

Sie hatten bei den „Kieler Nachrichten“ den besten Notenschnitt aller Holstein-Spieler in der Hinrunde. Was geben Sie auf solche Bewertungen?
Eigentlich gebe ich da nichts drauf. Man wird ja in verschiedenen Medien benotet, obwohl die Leute, die das machen, ja meist gar nicht wissen, welche Vorgaben der Trainer einem gemacht hat und ob man die gut erfüllt hat oder nicht. Grundsätzlich kann man das als Spieler schon ganz gut selbst einordnen, wenn man vom Platz geht. Die Bewertung freut mich in diesem Fall trotzdem, weil sie zeigt, dass ich eine deutlich bessere Saison spiele als die letzte. Es ist aber nicht so, dass ich jetzt nach jedem Spiel nachschaue: Welche Note habe ich heute gekriegt?

Welches Spiel war denn für Sie das Highlight der bisherigen Saison?

Puh, schwer zu sagen. Da gab es gerade in den letzten Wochen ziemlich viele richtig spannende. Hervorheben würde ich da vielleicht das Nordderby gegen St. Pauli. In der 85. Minute sah alles nach einem Sieg für uns aus. Dann kriegt St. Pauli in der Nachspielzeit einen Elfmeter, verschießt, kriegt dann aber noch einen indirekten Freistoß aus fünf Metern. Da denkt man dann: Mist, das wird doch noch ein Unentschieden. Aber zum Glück ist es ja gutgegangen. Das war emotional schon ein sehr besonderes Spiel.

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Wie haben Sie sich grundsätzlich in Kiel eingelebt?
Echt gut, hier im Verein geht es sehr familiär zu, in der Mannschaft fühlt sich jeder schnell wohl und der Verein wird auch ordentlich und solide geführt. In einer Stadt direkt am Meer zu leben, ist für mich was ganz Neues. Jetzt im Winter ist es zwar oft dunkel und trist, aber dafür im Sommer umso schöner. Ich bin auch oft in Hamburg, da meine Freundin dort lebt. Insofern habe ich hier alles, was ich brauche. Und auch das Klischee vom Norddeutschen kann ich nicht bestätigen. Hier sind die Leute eigentlich alle sehr offen und freundlich.

In den vergangenen Jahrzehnten war Kiel ja eher für erfolgreichen Handball beim THW als für Fußball bei Holstein bekannt. Wie nehmen Sie die Rangordnung in der Stadt wahr?
Ich denke schon, dass der Handball früher klar die Nummer eins war. Aber die haben zuletzt nicht mehr so viele Titel gewonnen. Deswegen habe ich schon den Eindruck, dass es momentan auch wieder mehr um Fußball geht. Aber ich war schon mal als Zuschauer beim Handball, das ist eine tolle Atmosphäre. Es ist doch super, wenn es einer Stadt zwei erfolgreiche Sportmannschaften gibt, für die sich die Leute interessieren.

Die Nordderbys, wie hier gegen den HSV, waren auch für Stefan Thesker (l.) besondere Spiele.

Die Nordderbys, wie hier gegen den HSV, waren auch für Stefan Thesker (l.) besondere Spiele. © picture alliance/dpa

Ihr Vertrag bei Holstein läuft noch bis Mitte 2021 – wie geht es danach für Sie weiter?
Da gibt es noch keine Tendenz. Ich denke, dass ich mich in nächster Zeit mit den entsprechenden Leuten zusammensetzen werde. Aber im Moment habe ich da keinen Stress: Ich weiß, was ich am Verein habe und der Verein, was er an mir hat.

Das Thema Karneval ist im Norden ja eher unbedeutend, anders als in Ihrer Heimat Wüllen. Wie stehen Sie dazu?
Also wir haben hier auch Leute aus Köln und Düsseldorf in der Mannschaft, insofern kommt das Thema schon öfter mal zur Sprache. Vor zwei Jahren sind wir auch rüber gefahren, um zu feiern. Grundsätzlich finde ich Karneval schon cool und bin ja in Wüllen damit aufgewachsen. Ob es nächste Woche klappt, in der Heimat zu sein, weiß ich aber noch nicht.

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