Fußballer gehen vorzeitig in die Winterpause: „Da gibt es keine zwei Meinungen"

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Viele Sportverbände hatten das Spieljahr 2020 schon für beendet erklärt, nun ziehen die Fußballer nach. Und die Verbandsvertreter lassen bereits durchblicken, wie es 2021 weitergehen könnte.

Kreis

, 18.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Entscheidung überraschte am Ende nicht mehr wirklich: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat seinen Mitgliedsvereinen am Mittwochmorgen mitgeteilt, dass er diese vorzeitig in die Winterpause schickt – und dies unabhängig von weiteren politischen Entwicklungen die Coronaschutzverordnung betreffend. Nachdem die spielleitenden Stellen den Spielbetrieb bereits für den November absetzen mussten, wird der Ball in Westfalen folglich auch im Dezember nicht mehr rollen.

Das hat der Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA) am Dienstagabend in einer gemeinsamen Videokonferenz mit Vertretern des Verbands-Jugend-Ausschusses (VJA) und den Vorsitzenden der 29 FLVW-Kreise beschlossen. Die Vereinbarung gilt für alle Amateur- und Jugendspielklassen sowie Freundschaftsspiele auf Verbands- und Kreisebene.

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„Nach den jüngsten Einschätzungen der Bundes- und Landesregierung ist nicht realistisch zu erwarten, dass der Spielbetrieb im Amateur- und Jugendbereich noch in diesem Jahr wieder zugelassen wird. Wir haben uns deshalb entschlossen, im Dezember keine Spiele anzusetzen“, betonen der VFA-Vorsitzende Reinhold Spohn und der für den Jugendfußball verantwortliche Vizepräsident Holger Bellinghoff. Wann die Saison fortgesetzt wird, hängt maßgeblich vom Infektionsgeschehen und den politischen Entscheidungen ab.

„Denkbar ist eine verkürzte Winterpause und ein früherer Re-Start im Januar“, beschäftigen sich der FLVW-Vizepräsident Amateurfußball, Manfred Schnieders, der VFA und die Verantwortlichen im Jugendbereich bereits mit Anpassungen des Rahmenterminkalenders. Unverändert gilt, dass man den Vereinen eine mindestens zweiwöchige Vorbereitungszeit einräumen wird.

Vorrangiges Ziel bleibt eine Saison mit Wertung

Teilnehmer an der Konferenz war auch der Kreisvorsitzende im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld, Willy Westphal: „Es gab unter den Teilnehmern keine zwei Meinungen, noch nicht einmal eine Diskussion. Der Beschluss erfolgte einstimmig.“ Gleichsam habe man den Blick nach vorne gerichtet. „Wir müssen nun abwarten, was ab dem 1. Januar erlaubt sein wird. Sollte dann der Ball auch im Spielbetrieb wieder rollen dürfen, dann sei wohl geplant, nach der zugestandenen Vorbereitungszeit zunächst Spiele nachzuholen, die seit November ausgefallen sind.“

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Der Hintergrund eines möglichen Frühstarts von der Kreis- bis hoch zur Westfalenliga sei das Bestreben, zumindest 50 Prozent der Spiele hinzubekommen. Danach könne gemäß Quotientenregel jederzeit gewertet werden. „Wir müssen natürlich immer einen weiteren möglichen Lockdown sowie die Witterungsverhältnisse im Blick haben", ergänzt Westphal. Laut Rahmenterminplan soll es eigentlich am 14. Februar (18er-Staffel) respektive 28. Februar (16er-Staffel) weitergehen. „Ich denke, im Kreis sind wir noch auf einem guten Weg“, zeigt sich Westphal weiter zuversichtlich, eine Saison mit Wertung hinzubekommen. Bestenfalls sollte nach seiner Meinung jeder einmal gegen jeden gespielt haben.

Yavuzaslan wirft keinen Blick in die Glaskugel

Schon am 31. Januar soll laut Terminplan der Spielbetrieb in der Oberliga wieder aufgenommen werden, viel Zeit für Nachholspiele bleibt davor nicht. Umso enger wird das Zeitfenster auch für die SpVgg Vreden, die erst ein Viertel aller Partien absolviert hat. Trainer Engin Yavuzaslan wagt noch „keinen Blick in die Glaskugel“: „Wir müssen einfach abwarten, wie es nun weitergeht.“

Die Entscheidung sei abzusehen gewesen, „alles andere wäre auch unlogisch gewesen“. Viel ändern werde man nicht: „Wir trainieren erst einmal im aktuellen Rahmen weiter, für den Dezember werden wir nun ein Konzept erarbeiten.“ Groß lamentieren will er weiter nicht: „Viel bitterer ist die Lage doch für unseren Nachwuchs. Vor uns allen liegt noch ein steiniger Weg.“

Vereine wünschen sich Planungssicherheit

Ebenso nicht groß umdenken muss man beim Bezirksligisten VfB Alstätte. „Es war ja damit zu rechnen, die Jungs halten sich vorerst wie geplant bis zum 6. Dezember fit", berichtet Spielertrainer Markus Krüchting. Sollte es gestattet werden, noch in diesem Jahr in den Trainingsbetrieb zurückzukehren, dann werde man diese Chance zumindest teilweise nutzen: „Alle brauchen einmal wieder etwas Grün unter den Schuhen."

Mit Blick auf das kommende Halbjahr wünscht sich Krüchting eine klare Entscheidung: „Es wäre für alle hilfreich, wenn man sich klar positioniert und zum Beispiel ausgibt, dass in allen Spielklassen eine Halbserie gespielt werden soll."

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Mit Cybertraining-Einheiten hält man sich derzeit im Jugendleistungsbereich beim SuS Stadtlohn fit. Für U19-Coach Christian Dobbrunz ändere sich an der Planung ebenso nicht viel. Er regt dazu an, realistisch zu bleiben. „Wer sagt uns denn, dass wir im Januar wieder spielen dürfen?“ Auf „Teufel kommt raus“ die Runde durchzuziehen, mache weiter keinen Sinn: „Die fairste Lösung wäre es, wenn man flächendeckend als Ziel vorgibt, dass eine Halbserie gespielt wird. Dann hätten die Vereine Planungssicherheit. Und das sollte man auch offen kommunizieren.“

FLVW sendet ein Signal an die Gesellschaft

FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski begrüßt die gemeinsam getroffene Entscheidung: „Es ist dringend geboten, einerseits den Vereinen Planungssicherheit zu geben und andererseits der Gesellschaft zu signalisieren, dass wir den Vorgaben der Politik unbedingt folgen werden und nicht ständig um privilegierte Regelungen für den Fußball nachsuchen.“

Und Willy Westphal betont, dass sich der Verband weiter dafür einsetzen werde, dass zumindest das Training noch zeitnah wieder aufgenommen werden darf, gerade für die Kinder und Jugendlichen. Nur der Ball wird um Punkte vor dem 1. Januar nicht mehr rollen…

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