Der Übergang zu den Senioren stellt für viele Nachwuchsfußballer eine Hürde dar – aus vielfältigen Gründen. Ein Pilotprojekt aus Berlin soll helfen. Die Idee ist in der Region nicht neu.

Ahaus

, 19.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch wenn aktuell viel Ungewissheit aufgrund der Coronavirus-Krise herrscht und der Planungshorizont noch gar nicht abzuschätzen ist, so müssen sich die Sportvereine aktuell mit den Planungen für die kommende Saison beschäftigen. Auch die Fußballer. Und dazu zählt für die Seniorenverantwortlichen auch, den Nachwuchs aus den eigenen Reihen einzubinden und diesem eine Plattform zu bieten im eigenen Verein.

Die Ausbildung war intensiv und soll sich für den Verein auch „gelohnt“ haben. Doch ganz so einfach wie noch vor Jahren und Jahrzehnten gestaltet sich der Übergang nicht mehr. Dafür gibt es viele Faktoren, die die Planung heute schwieriger machen.

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Ein vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unterstütztes Pilotprojekt soll neue Wege aufzeigen: Der Berliner Fußball-Verband (BFV) startet zur kommenden Saison 2020/21 eine Spielklasse für U20/21-Mannschaften auf Probe. Damit soll Junioren-Spielern der Übergang in den Erwachsenenbereich erleichtert und den Vereinen die Möglichkeit geboten werden, die jungen Spieler weiter im Verein zu halten. „Das Ganze ist ein Versuchsballon, ein Wunsch vom DFB, weil so etwas in einer großen Stadt wie Berlin einfacher ist als auf dem Land“, erzählt Joachim Gärtner vom BFV.

Übergang zu den Senioren ist eine Herausforderung

Auf Nachwuchsfußballer kommen in jungen Jahren immer neue Herausforderungen zu. Der Wechsel vom Junioren- in den Herrenbereich stellt eine große Veränderung dar. So war es früher: Schule, Ausbildung, Beruf – bestenfalls alles am Ort. Der Weg des Talents im eigenen Verein war vorgezeichnet.

Heute bekommt das Fußballspielen Konkurrenz von anderen Interessen, die Berufsausbildung oder Abiturprüfungen fordern zeitlichen Tribut. Oft stehen Auslandsjahre oder Studium an – und schnell sind die eigentlich eingeplanten Jungsenioren für den Verein nicht mehr greifbar. Dazu kommen der körperliche Sprung und der große Altersunterschied beim Übergang in den Herrenbereich. Der Wunsch vieler Spieler ist es, weiter mit der gewachsenen Mannschaft und den Freunden zu spielen. All diese Gründe können zu Abbrüchen des aktiven Fußballerlebens der 18- bis 20-Jährigen führen.

U20/21-Liga wäre eine Zwischenlösung

Andere versuchen es trotzdem – und resignieren früh: Wer den direkten Sprung – zum Beispiel in die erste Mannschaft – nicht schafft, hört schlimmstenfalls mit dem Fußball auf. Es fehlt eine Zwischenlösung, auf der sich junge Spieler, die gerade dem A-Jugendalter entwachsen sind, mit Gleichaltrigen messen können. Dem versucht der Berliner Fußballverband entgegenzuwirken, in dem dieser den Probespielbetrieb für U20/21-Mannschaften einführt. Unterhalb der Herrenmannschaften wird so den Spielern die Möglichkeit gegeben, länger im gewohnten Team zusammen zu spielen.

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Noch ein wenig skeptisch ist man bei den Vereinen in der Region, ob ein derartiges Modell umsetzbar erscheint. „Man muss sich mit diesen Ideen zwangsläufig beschäftigen, um zukunftsfähig zu bleiben“, erklärt Frank Bajorath, Sportlicher Leiter bei der SpVgg Vreden. In Vreden arbeite man überwiegend mit ambitionierten Jugendspielern zusammen, die für den Sprung auch viel Aufwand auf sich nähmen.

Das Thema des schwierigeren Übergangs beschäftige aber viele kleinere Vereine, wie die Resonanz auf den Jugendarbeitstagungen zeige. Ob es gelinge, gesellschaftliche Veränderungen im Sport so zu kompensieren, das müsse die Zeit zeigen. „In Berlin einen solchen Testballon starten zu lassen, macht Sinn. Doch wie sieht es in der Fläche aus?“, stellt Bajorath auch organisatorische Hemmnisse in den Raum.

Erinnerung an Euregio U21-Nachwuchsrunde

Wie Bajorath erinnert der Ahauser Trainer Frank Wegener an die Euregio U21-Runde, die vor Jahren in der Region eingeführt worden war – freiwillig neben dem klassischen Spielbetrieb. „Der Ansatz war gut, doch die Umsetzung funktionierte nur so lange, wie der Gedanke von allen Vereinen gelebt wurde.“ Um Spieler individuell zu entwickeln, sei eine U21-Runde sinnvoll, aus Vereinssicht kaum praktikabel. Zweiten und dritten Mannschaften würden so doch nur noch weitere Spieler entzogen. Und: „Soll die Runde parallel zum Herrenspielbetrieb laufen, dann wird der Aufwand für den einzelnen kaum tragbar.“

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Einer der Initiatoren der Euregio-Nachwuchsrunde war Burkhard Kiss. Der Sportliche Leiter Jugend agiert beim FC Oeding an der Schnittstelle zwischen Jugend und Senioren und kennt die Problematik. „Seinerzeit haben wir beim Verband gesessen, um unsere Idee vorzutragen. Wir durften aber nicht in Holland spielen." Nach diesem Rückschlag sei die Idee dann irgendwann eingeschlafen.

Da eine U20/21-Runde die Belastung der jungen Spieler weiter erhöhen würde, sieht er das Projekt eher skeptisch. Da sei man in anderen Ländern flexibler. Rein quantitativ gebe es im Altkreis wohl nur drei Vereine, die eine solche Mannschaft durchgängig stellen könnten. Den Übergang versuche der FC dadurch zu erleichtern, dass man die A-Junioren schon früh in das Seniorentraining einbinde.

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Das Thema U23-Liga wird auf ambitioniertem Niveau seit Jahren thematisiert, um ein Sprungbrett zu den Profis zu schaffen. Vielfach haben sich die Profivereine – auch aus Kostengesichtspunkten – dagegen entschieden. Andere Länder sind schon weiter. So gibt es beispielsweise in Portugal in der Liga Revelacao U23 und in England in der U23 Premier League Div. 1 2019/2020 schon seit Jahren einen Spielbetrieb, der auf den gleichen Überlegungen aufbaut.

Weitere Reformideen kommen aus Bayern

  • Einen anderen Weg geht man in Bayern, um aktiv dem Spielerschwund und der demografischen Entwicklung zu begegnen.
  • Im Bezirk Oberbayern etwa soll der ältere Jahrgang der U19 künftig aus dem Junioren-Spielbetrieb verschwinden und vollständig in den Herren-Spielbetrieb integriert werden.
  • Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die U16 bis U18 dann den künftigen A-Junioren-Jahrgang bilden werden. Die heutige B-Jugend fiele entsprechend weg, es müsste ein Jahrgang weniger mit Spielern bestückt werden.
  • Kritiker dieser Regelung führen als wesentliches Argument an, dass die körperlichen Unterschiede noch größer werden, wenn schon 18-Jährige in die Seniorenteams integriert werden.
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