Kraftakt Kreisliga-Saison: „Ich beneide euch um eure Aufgabe nicht“

rnFußball: Kreisliga-Staffeltag

Das Thema Corona-Krise bestimmte auch den Kreisliga-Staffeltag. Eine Herausforderung für die Vereine. Und der Sportgerichtsvorsitzende musste von einem „gefühlten Negativrekord“ berichten.

Legden

, 20.08.2020, 14:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war in jeder Hinsicht kein gewöhnlicher Kreisliga-Staffeltag: Kein ausführlicher Saisonbericht, keine Meisterehrung und dennoch satte drei Stunden volles Programm. Eine Fußballspiellänge nahm allein die Diskussion um die Auswirkungen der Corona-Schutzverordnung auf die kommende Saison 20/21 ein.

Und diese wurde durchaus auch mal kontrovers geführt – ein Zeichen, dass die Bedeutung in den Vereinen bekannt ist, die Umsetzung aber doch unterschiedlich gehandhabt wird. Nicht zuletzt aufgrund unterschiedlicher Vorgaben der Kommunen.

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„Ich beneide euch um eure Aufgabe nicht“, fand der Kreisvorsitzende Willy Westphal die passenden Worte für den bevorstehenden „Kraftakt“, eine „große Herausforderung“ und einen nicht unerheblichen Mehraufwand für die Vereine.

Verantwortung liegt bei den Vereinen

Willy Westphal appellierte an die Vereinsvertreter, die Vorgaben ernst zu nehmen: „Wir müssen in Sachen Infektionsschutz auch unserer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen.“ Dass funktioniere in den meisten Vereinen auch schon gut, aber noch nicht überall: „Wir müssen alles dafür tun, dass der Start am 6. September nicht gefährdet ist.“ Und: „Die Verantwortung liegt allein beim Verein, der Kreis kann allein seiner Fürsorgepflicht nachkommen.“

Rund die Hälfte der Sitzung nahm der Ausblick auf die kommende Saison unter Corona-Bedingungen in Anspruch. Der Kreisvorsitzende Willy Westphal bot die Unterstützung des Kreises an, die Verantwortung liege letztlich aber bei den Vereinen.

Rund die Hälfte der Sitzung nahm der Ausblick auf die kommende Saison unter Corona-Bedingungen in Anspruch. Der Kreisvorsitzende Willy Westphal bot die Unterstützung des Kreises an, die Verantwortung liege letztlich aber bei den Vereinen. © Michael Schley

In einem Merkblatt stellt der Fußballkreis den Vereinen die wesentlichen Grundzüge zur Einhaltung der Corona-Schutzverordnung zur Verfügung. Ein wichtiger Punkt: Jeder Verein muss einen Hygienebeauftragten benennen. Hinsichtlich der Erstellung eines lokalen Hygienekonzeptes mahnte er an, sich dieses schriftlich von der Kommune genehmigen zu lassen.

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Die Vereine einigten sich darauf, dass dieses Konzept an exponierter Stelle auf der Homepage präsentiert werden solle, damit sich Gastverein und Schiedsrichter auf diesem Wege informieren können. Ebenso eingegrenzt wurden die maximal zulässigen Zahlen 300 für Gäste auf dem Sportgelände und 30 für Aktive. Die Erfassung der Daten sei dabei das A und O, um eine Rückverfolgung im Infektionsfall sicherzustellen.

Einen kurzen Abriss der abgebrochenen Saison 2019/20 liefert der Kreisfußballausschussvorsitzende Horst Dastig. Der Fokus galt der Zukunft.

Einen kurzen Abriss der abgebrochenen Saison 2019/20 liefert der Kreisfußballausschussvorsitzende Horst Dastig. Der Fokus galt der Zukunft. © Michael Schley

Welcher Aufwand auf die Vereine zukommen wird, beschreibt folgende Aussage: „Rein rechtlich muss nach jedem Spiel die Anlage geräumt und neu gezählt werden.“ Dass man sich vor diesem Hintergrund von den Regelanstoßzeiten verabschieden müsse, sei selbsterklärend. „Wir alle müssen flexibel werden.“ Anstoßzeiten für erste Mannschaften von 17 Uhr könnten an der Tagesordnung liegen – auch um die Kabinen zu desinfizieren und zu lüften.

38 Verfahren allein bis zum Abbruch

Wieder aufgegriffen werden musste ein Thema, das den vergangenen Staffeltag mitbestimmte: Gewalt auf den Sportplätzen mit den enormen Auswirkungen auf den Schiedsrichter-Pool. Dabei sei die erste Halbserie der Saison „ganz gut angelaufen“, so Westphal – sie kippte aber bis zum Negativhöhepunkt beim Pokalendspiel der A-Junioren zwischen der SpVgg Vreden und dem SuS Stadtlohn. In einer Sitzung am 15. Januar habe er allerdings gespürt, dass „das Thema in den Vereinen angekommen“ ist: „Nehmt dieses Anliegen weiter mit – auch wenn aktuell natürlich ganz woanders der Schuh drückt.“

Markus Fleige, Geschäftsführer bei DJK Rödder (l.), konnte den Fair Play-Pokal gleich wieder mitnehmen. Dem Bericht von Staffelleiter Manfred Nieland zufolge war die DJK Rödder III die fairste Mannschaft 19/20.

Markus Fleige, Geschäftsführer bei DJK Rödder (l.), konnte den Fair Play-Pokal gleich wieder mitnehmen. Dem Bericht von Staffelleiter Manfred Nieland zufolge war die DJK Rödder III die fairste Mannschaft 19/20. © Michael Schley

Die Bedeutung dieses Themas belegen die Zahlen, die Berni Langener als Vorsitzender des Kreissportgerichts vorlegte. Bis zum Abbruch am 13. März gab es 38 Verfahren, ein „trauriger Negativrekord“ hätte hochgerechnet gedroht. „Das ist nicht tolerabel.“ Von diesen Verfahren waren 14 mit Beteiligung von Schiedsrichtern – von der Beleidigung bis zur Tätlichkeit mit einer Sperre von zehn Monaten.

Schiedsrichterschwund setzt sich fort

Den auch deshalb einsetzenden Schiedsrichterschwund belegte Paulo Goncalves als Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses noch einmal. Gegenüber dem vergangenen Staffeltag gab es erneut 30 Abmeldungen, 17 kamen beim jüngsten Lehrgang hinzu. Die Gesamtzahl 220 sehe auf den ersten Blick noch gut aus, aber: „Nicht alle Schiedsrichter pfeifen auch viel." In Zahlen: Die zehn Schiedsrichter mit den meisten Einsätzen leiteten allein 16 Prozent der Spiele in 2019. Gehe der Trend so weiter, so ist eine kontinuierliche Besetzung gar hoch bis zur C-Liga gefährdet.

Paulo Goncalves, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses (M.), appellierte noch einmal an die Vereine, noch mehr in die Förderung von Schiedsrichtern zu investieren. Der Schwund setze sich weiter fort.

Paulo Goncalves, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses (M.), appellierte noch einmal an die Vereine, noch mehr in die Förderung von Schiedsrichtern zu investieren. Der Schwund setze sich weiter fort. © Michael Schley

Der Anwärterlehrgang ab dem 20. August musste angesichts von nur fünf Anmeldungen verschoben werden in die Herbstferien. „Das kann man zum Teil noch nachvollziehen: Wenn keine Spiele stattfinden, gibt es auch keine Ansprache der Jugendlichen.“ Willy Westphal kündigte an, dass die gestundeten Ordnungsgelder aus dem zweiten Quartal gestrichen werden: „Es haben ja auch keine Spiele stattgefunden.“

Echte Spielsperre nach fünfter Gelber Karte

Im sportlichen Ausblick auf die kommende Spielzeit beleuchteten der Kreisfußballausschussvorsitzende Horst Dastig und Kreiskassierer Bernd Dönnewald die coronabedingten Ergänzungen der Durchführungsbestimmungen. Darin vermerkt ist unter anderem, dass analog zur Roten und Gelb-Roten Karte nun auch nach der fünften Gelben Karte eine echte Spielsperre folgt. Rotsperren werden gar in die neue Saison mitgenommen.

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Eine Wertung der Saison wird erst dann vorgenommen, wenn mindestens 50 Prozent gespielt sind. Bei Abbruch danach gibt es in diesem Fall schon Absteiger. Diesen zu verhindern, liegt zu einem großen Teil ab dem 6. September in den Händen der Vereine. „Packen wird es an“, forderte Willy Westphal auf.

Infos zum Staffeltag

  • Auch in der abgebrochenen Saison wurde der Fair Play-Pokal vergeben. Gewertet wurde die Halbjahresbilanz, so Staffelleiter Manfred Nieland. Die DJK Rödder III gewann, der Pokal blieb damit beim Verein. Aus dem Nordkreis war Eintracht Ahaus III fairste Mannschaft in der C-Liga.
  • Der Fußballkreis Ahaus/Coesfeld kann auch in der Saison 2020/21 zwei direkte Aufsteiger zur Bezirksliga stellen. Die Vielzahl an Bezirksligisten im Kreis mittlerweile (16), verbunden mit dem geplanten Mehrabstieg in den überregionalen Klassen, könnte sich spürbar auf die Abstiegsregelungen in den Kreisligen auswirken.
  • Bernd Dönnewald stellte die neue Fassung des elektronischen Spielberichts vor. Neuerungen bringen vor allem die Eintragungen des nichtneutralen Schiedsrichterassistenten und des Leiters Ordnungsdienst.
  • Pokalspielleiter Willy Westphal wies darauf hin, dass die Endspiele der Saison 2019/20 Legden (Männer, 29. August, 15 Uhr) und Gescher (Frauen, 30. August, 15 Uhr) zugeteilt wurden. Zum Zuschauerkonzept wird Westphal die beteiligten Vereine kurzfristig zu einer Videokonferenz einladen. Die neuen Pokalrunden könnten erst nach Saisonstart erfolgen, die Vereine können diese Spiele aber durchaus im Einvernehmen vorziehen.
  • Als neuer Assistent für Vereinsentwicklung stellte sich Pierre Nobbe aus Recklinghausen vor. Der 29-Jährige besetzt künftig bei diesem Pilotprojekt in den Kreisen Gelsenkirchen, Dortmund und Recklinghausen/Ahaus-Coesfeld die Schnittstelle zwischen Vereinen, Kreisen und Landesverband. In Kürze werde der Ausschuss für Kreis- und Vereinsentwicklung eine Projektbeschreibung und eine Bedarfsermittlung an die Vereine verschicken, so Christel Behmenburg.
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