„Kreisligafußball – das Bier gewinnt“: Union Wessums Dritte wird zum Internet-Hit

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In der Kreisliga-Kolumne „Raclette, Glühwein, rasierte Bäuche“ berichtet unser Reporter Johannes Schmittmann aus den Tiefen der Kreisliga. Er ist Co-Trainer bei Union Wessum III.

Ahaus

, 23.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 550.000 erreichte Personen, 939 Kommentare und 609 Gefällt-mir-Angaben für ein Foto auf der Social-Media-Plattform Facebook. Doch welches Motiv sorgte für diesen – Vorsicht Jugendsprache – „viralen Hit“? Kein Katzenbaby, keine Greta Tenhumberg (Aktivistin von „Freibier for Future“), sondern ein breitschultriger Bursche, der mit einem schwarzen Edding auf einem Pappkarton den Namen „Timo“ durchstreicht.

Nur das langjährig geschulte Kreisliga-D-Auge erkennt schon auf den ersten Blick, dass es sich hier um eine improvisierte Taktiktafel handelt (wir berichteten). Für uns Alltagskost, für dieses Internet aber offenbar ein Grund, durchzudrehen. Das Trainerteam kann in diesem Fall allerdings nicht mitlachen und verweist auf einen Artikel der FAZ: „Spionage im Fußball: Im Geheimdienst des Gegners.“ In der Rückrunde können wir mit einem stürmenden Torwart jeweils niemanden mehr überraschen.

Das Glück hart erarbeitet

Und damit zurück zum Sport. Sonntag, 13 Uhr, Phantomschmerz. Winterpausen sind eine einzige Qual. Erst Recht, wenn man sich nach neun Siegen in Folge in Kreisliga-C-Form befand. Zugegeben: Fortuna zeigte sich uns gegenüber zwar gewogen, aber um Ralph Hasenhüttel zu zitieren: „Immer Glück ist Können, immer Pech ist Unvermögen.“ Die Stimmung auf der mannschaftsinternen Weihnachtsfeier war entsprechend ausgelassen. Einmal mehr zeigte sich, dass auch neben dem Platz jeder seine Rolle kennt: der Kämpfer, der Unsichtbare, der Vollstrecker.

Der Abschluss der Hinrunde wurde entsprechend gefeiert.

Der Abschluss der Hinrunde wurde entsprechend gefeiert. © Johannes Schmittmann

Apropos Weihnachten, das Fest der Liebe. Die ein oder andere „Spielerfrau“ blickt vielleicht etwas differenzierter auf diese Hinrunde.

Unter anderem war „Weil die Wirtin ins Bett wollte!“ offenbar keine zufriedenstellende Antwort auf die Ansage: „Nenn mir einen Grund, warum du morgens um sieben Uhr nach Hause kommst.“ Die Wogen haben sich wieder geglättet, genau wie an einer anderen Front.

Denn die anfänglichen Differenzen mit Platzwart und Edelfan Michael „Muckel“ Henning gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Was ein unbedachter Kommentar („knüppelharte Plätze“) nicht alles auslösen kann. Zum Glück ist Muckel nicht nachtragend. Und zum Glück mussten wir das Kriegsbeil nicht wirklich begraben. Bei dem Rasen wäre das ein echtes Stück Arbeit geworden.

Ein hartes Stück Arbeit

Ein hartes Stück Arbeit war auch die gesamte Hinrunde. Zeit, um einen Blick in den Rückspiegel zu werfen.

Die Enttäuschung: Bis zur 60. Minute 3:0 geführt, am Ende mit einem 3:3 in Oldenburg gut bedient. Per Standleitung erlebte ein Großteil der Mannschaft das Debakel zum Saisonauftakt im Ferienlager. An beiden Enden der Leitung: Fassungslosigkeit.

Das Highlight: Schlechte Vorzeichen und dennoch 2:1 gegen den Tabellenzweiten (SuS Legden) gewonnen. Das studierte Trainerteam bewies, dass man mit Gesellschaftswissenschaften nicht nur Taxifahren, sondern auch den Bus parken kann. Mourinho wäre stolz gewesen.

Der heimliche Star: Virgil van Dijk begann seine Profi-Karriere im holländischen Groningen. Als Stürmer. Heute ist er der beste Innenverteidiger der Welt. Der wird Lukas Feldkamp wahrscheinlich nicht mehr, allerdings ist seine Entwicklung von der Offensivkraft zum Abwehrchef beeindruckend. Gemeinsam mit Haudegen Jan-Phillip Richter („wie ein alter Wein“) trieb er die gegnerischen Angreifer zur Verzweiflung.

Und so beende ich die letzte Kreisliga-Kolumne des Jahrzehnts mit einem abgewandelten Zitat von Grandseigneur Bernd Stromberg: „Ich bin kein Einstein der Theorie, aber ein Mozart der Improvisation.“

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