Lange Corona-Pause für Jugendhandballer: „Da wird was hängen bleiben“

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Im März haben die meisten Jugendhandballer im Münsterland ihre letzten Punktspiele bestritten. Stützpunkttrainerin Steffi Kömmelt beschreibt die langfristigen Folgen der Corona-Pause.

Kreis

, 17.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pausen treffen alle Amateursportler auf die eine oder andere Weise. Besonders hart erwischt es aber die Handballer, die eine der kontaktreichsten Sportarten überhaupt betreiben. Und die wird als besonders riskant eingestuft, was ein Ansteckungsrisiko betrifft.

Extrem ausgebremst worden sind in diesem Jahr vor allem die Jugendhandballer. Deren neue Saison hat noch nicht einmal begonnen, da hat der westfälische Verband schon wieder den gesamten Spielbetrieb bis Ende 2020 ausgesetzt – mindestens. Über diese Situation und deren mögliche Folgen haben wir mit Steffi Kömmelt aus Vreden gesprochen. Sie ist Trainerin der Kreisauswahl, bei den Bezirksliga-Frauen von Vorwärts Gronau, früher bei der DHG Ammeloe/Ellewick und Vorstandsmitglied im Handballkreis Münsterland.

Wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre Arbeit mit der Kreisauswahl ausgewirkt?
Die ganze Situation ist für den Nachwuchs natürlich richtig bitter. Die letzten Spiele haben im März stattgefunden. Mit der Auswahl des Jahrgangs 2006 hatte ich gerade noch ein Sichtungsturnier, dann kam der Lockdown. Danach haben wir uns nicht mehr gesehen und konnten uns auch nicht voneinander verabschieden. Für die Westfalenauswahl haben zwar ab August wieder Lehrgänge stattgefunden. Für die Sichtungslehrgänge auf Kreiseben hatten wir uns aber darauf geeinigt, erst nach den Herbstferien weiterzumachen. Dann kam der zweite Lockdown und im Grunde liegt jetzt alles brach.

Wie sieht es denn mit dem Training in den Vereinen aus, was haben Sie da mitbekommen?
Ich weiß, dass viele Vereine im Rahmen der Möglichkeiten im Sommer fleißig trainiert haben, zum Teil auch outdoor. Von Vorwärts Gronau weiß ich, dass die Trainer sich große Mühe gegeben haben, die Kinder und Jugendlichen zu halten und haben ihnen verschiedene Trainingsangebote gemacht. Der Handballverband hat den Vereinen ja auch verschiedene Möglichkeiten für Online-Training an die Hand gegeben.

Aber auf Dauer ist das kein Ersatz für echtes Training, oder?
Es ist gerade bei Kindern schwierig, im Training über Whatsapp oder Video zu kommunizieren. Man kann ihnen zwar einige Aufgaben stellen, die sie auch zu Hause bewältigen können. Aber es fehlt die Korrektur. Da sagt keiner: Achte doch mal auf diese oder jene Bewegung.

Welche Auswirkungen kann das fehlende Training auf Dauer haben?

Da müssen wir uns nichts vormachen: Wenn einem Kind ein Jahr das Handballtraining fehlt, dann wird davon etwas hängen bleiben, das kann man später nicht so einfach wieder auffangen. Dieser Rückstand wird sich dann wie ein roter Faden durchziehen und das wird auch Auswirkungen auf den Leistungshandball haben.

Waren denn bei der Mannschaftsmeldung für diese Saison schon Rückgänge aufgrund der Coronakrise festzustellen?
Da haben wir eigentlich wenig gemerkt. Man merkt im Handballkreis generell, dass zwar alle die Situation sehr bedauern, aber es meckert keiner. Alle versuchen, positiv nach vorn zu schauen. Alle hatten sich ja auch für kleinere Ligen ausgesprochen, um den Spielbetrieb besser bewerkstelligen zu können.

Aber für diese Saison wird es wirklich schwierig...
Natürlich, gerade im Jugendbereich. Normalerweise ist die Saison für den Nachwuchs im März, also vor Ostern, beendet. Sollte theoretisch ab Januar wieder ein Spielbetrieb erlaubt sein, bräuchten die Mannschaften eine Vorlaufzeit, um keinen Kaltstart hinlegen zu müssen. Sagen wir mal vier oder sechs Wochen, dann wären wir schon im Februar. Dann ist es unmöglich, noch in eine Saison zu starten. Das ist alles sehr schade, aber es gibt auch positive Nachrichten im Handballkreis.

Okay. Und welche?
Zum Beispiel hat ein sehr netter Sponsor kürzlich alle zwölf Kreisauswahlteams mit Trikots ausgestattet. Jetzt hoffen wir, dass sie bald auch zum Einsatz kommen.

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