Südlohner und ein Stadtlohner liefen Hannover Marathon im Münsterland

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Die echte Veranstaltung fiel aus. Dennoch ließen es sich etliche Aktive des Südlohner Lauftreffs nicht nehmen, den Hannover Marathon zu absolvieren. Auch ein Stadtlohner lief ganz allein.

Stadtlohn, Südlohn

, 27.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Trend hat sich schon in den vergangenen Wochen vielerorts durchgesetzt: Veranstalter großer Marathon-Events, die derzeit natürlich nicht erlaubt sind, bieten den registrierten Startern an, den Lauf für sich selbst durch zuziehen. So haben am Wochenende unter anderem knapp 40 Starter vom Südlohner Lauftreff den Hannover Marathon ins Westmünsterland geholt. Ein paar Kilometer weiter in Stadtlohn machte sich auch Stephan Weise allein auf die Socken.

„Wir wären eigentlich mit einem ganzen Bus voll mit ungefähr 70 Leuten nach Hannover gefahren“, erklärt Bettina Hueske von den Südlohner Läufern. Gut die Hälfte davon entschied sich, die jeweilige Distanz, Kurzstrecke, Halbmarathon oder die vollen 42,195 Kilometer, allein oder mit höchstens einem Mitstreiter vor der eigenen Haustür abzuspulen. Etwa zehn gingen über die Volldistanz.

Bettina Hueske und Stefan Enck haben sich gemeinsam auf die 42,195 Kilometer lange Strecke rund um Südlohn begeben.

Bettina Hueske und Stefan Enck haben sich gemeinsam auf die 42,195 Kilometer lange Strecke rund um Südlohn begeben. © privat

„Der Veranstalter hat uns im Vorfeld die Startnummern, Medaillen und Finisher-Shirts geschickt“, so Bettina Hueske. „Dann hat jeder für sich selbst eine Strecke geplant, die er laufen will. Wir wollten natürlich vermeiden, dass sich zu viele Läufer unterwegs begegnen.“ Bettina Hueske selbst startete am Samstagmorgen um 8 Uhr und schaffte die komplette Marathon-Distanz in 4:28 Stunden. Viele ihrer Vereinskollegen hätten eine persönliche Bestzeit aufgestellt. Gemessen hat jeder mit seiner eigenen Laufuhr oder App.

Offensichtlich hat diese Art des Laufens den Beteiligten viel Spaß gemacht. Motivieren konnten sie sich zum einen durch Kreidezeichnungen mit anspornenden Nachrichten auf der Straße, zum anderen auch dadurch, dass viele der Kollegen ihre Bilder in die Whatsapp-Gruppe des Lauftreffs hochgeladen haben.

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Dass diese Erfahrung durchaus eine besondere war, bestätigt auch Stephan Weise. Der Stadtlohner hat sich auf seiner Trainingsstrecke durch Almsick und Stadtlohn ganz allein durch die 42,195 Kilometer gebissen. „Man kann schon sagen, dass ich nach 27 gelaufenen Marathons eine gewisse Erfahrung habe, was diese Distanz angeht. Trotzdem hatte ich ein komisches Gefühl“, sagt Stephan Weise.

Am Montag, also einen Tag nach seinem Lauf, sei er dankbar, glücklich und durchaus stolz. „Die tolle Atmosphäre, die man bei Marathons schon vor dem Start aufsaugt, wo laute Musik gespielt wird, alle klatschen und Tausenden von Läufern, die die letzten 10 Sekunden runterzählen – all das hat mir sehr gefehlt.“ Auch die Atmosphäre an der Strecke, die normalerweise noch paar Prozentpunkte an Motivation freisetze, habe er vermisst.

Stephan Weise prüft das Material seiner Finishermedaille.

Stephan Weise prüft das Material seiner Finishermedaille. © privat

Etwas Glück habe er noch gehabt, dass er einige weitere Läufer der SuS-Laufabteilung auf der Strecke getroffen habe. „Leider aber war ich gerade auf der zweiten Runde ganz alleine. Noch häufiger als sonst habe ich mich gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. In der Regel reicht es dann bei mir an den Zieleinlauf zu denken. Der entschädigt auf großen Marathons wirklich für alles“, erzählt der Stadtlohner.

Die Entschädigung habe er beim „Zieleinlauf“ nach 3:23:54 Stunden erhalten, als seine Familie und ein Freund ihn in Empfang genommen haben. „Die Medaille wurde mir dann feierlich von meinem kleinen Sohn Jan überreicht. Ein sehr schöner und emotionaler Moment, den ich sehr genossen habe.“ So war Stephan Weise schon kurz darauf klar, dass er so einen Lauf auf jeden Fall wieder angehen werde.

Dass die entscheidenden Elemente eines echten Marathons gefehlt haben, bestätigt auch Bettina Hueske: „Ohne Zuschauer, Wettkampfcharakter und ‚Runners High‘ fehlt einfach der nötige letzte Punch. Trotzdem ist das eine Erfahrung, die uns keiner mehr nehmen kann.“

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