Toni Jug: Er läuft und läuft und läuft

Ultra-Marathon

Seine Tochter in Köln könnte Toni Jug locker zu Fuß besuchen. Und dafür würde er nicht besonders lange brauchen. Strecken über 100 Kilometer sind für den Ultramarathon-Läufer aus Stadtlohn fast schon Normalität. Erst 2016 stellte er seinen persönlichen Rekord auf, als er beim Mauerweglauf in Berlin 162 Kilometer ohne Pause unter seine Sohlen nahm. 20 Stunden und 17 Minuten war der 52-Jährige auf der Strecke und verbrannte dabei mal eben 14700 Kalorien.

STADTLOHN/AHAUS

, 03.02.2017, 17:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach so einem Lauf kann ich eine Woche lang alles essen, was ich will", sagt Toni Jug grinsend. "Der Körper ist noch Tage danach mit dem Verbrennen beschäftigt und greift die Fettreserven an." Um überhaupt an dieser extremen Art von Marathon teilnehmen zu dürfen, müssen die Starter dem Veranstalter ein ärztliches Attest vorlegen, das ihre körperliche Eignung bescheinigt. "Ich bin unter ständiger medizinischer Beobachtung", sagt Jug.

Erst seit elf Jahren ist Toni Jug, der für den VfL Ahaus startet, im Laufsport aktiv. Vorher spielte er jahrelang Fußball beim SuS Stadtlohn in den Reserveteams und bei den Alten Herren. In diesen elf Jahren hat er 62 Marathons und fast 30 Ultraläufe bestritten - und kam jedes Mal ins Ziel. Ein Highlight war der Sieg beim Rekener 24-Stunden-Lauf 2015, als er beim Siegerfoto mit Fußball-Weltmeister Olaf Thon posieren durfte. "Fünf Jahre lang bin ich Marathon gelaufen", erzählt Jug. "Irgendwann habe ich mir dann vorgenommen, die zusätzlichen neun Kilometer auch noch zu packen, um in den Ultrabereich zu kommen." Zu jener Zeit habe er mehr trainiert als heutzutage und sei auch verbissener an die Läufe herangegangen. "Ich habe immer nur auf die Zeit geguckt und wollte immer besser werden."

Marathon nur noch als Training

Marathons und kürzere Strecken nutze er mittlerweile aber nur noch als Training für die ganz großen Läufe. Allein für 2017 stehen vier davon in seinem Kalender: Am 6. März der Sechs-Stunden-Lauf in Münster, am 6. Mai der WHEW-Lauf über 100 Kilometer quer durchs Ruhrgebiet, am 9. Juni ein 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel und das Highlight des Jahres: der Kölnpfad-Lauf rund um die Domstadt am 1. Juli. "Da werde ich dann versuchen, erstmals 171 Kilometer zu laufen. Das wird eine Herausforderung und auch ein echtes Erlebnis, weil man dabei nach GPS läuft - unter anderem im Dunkeln durch den Wald. Im letzten Jahr ist da einer 35 Kilometer in die falsche Richtung gelaufen. Ich hoffe, das passiert mir nicht…"

Pro Jahr reißt Toni Jug um die 1000 Kilometer ab - und das nur in den Wettkämpfen. Hinzu kommen rund 50 Trainingskilometer pro Woche. Von körperlichem Verschleiß ist beim Stadtlohner Schlosser bislang kaum etwas zu merken. "Wenn ich sonntags einen Ultra-Lauf habe, gehe ich montags arbeiten. Nur das Treppensteigen, vor allem abwärts, ist dann schon hart." Beim Material sieht das schon anders aus. Etwa zehn Paar Laufschuhe müssen in einem Jahr dran glauben. Alles in allem ist Laufen aber ein kostengünstiges Hobby. Und das ist aus Jugs Sicht auch gut so, denn zu verdienen gibt es trotz all der Strapazen nichts. "Wenn man einen Lauf gewinnt oder gut platziert ist, dann gibt es mal eine Flasche Schnaps oder ähnliches. Meistens gehen die Startgelder an einen guten Zweck, was ich super finde", erklärt Jug.

"Ich glaube, ich kann ganz gut beißen"

Doch was treibt einen dazu, ein so extremes und zeitaufwendiges Hobby auszuüben? "Ich kann es nicht genau sagen. Nach dem Fußball kamen für mich Schwimmen, Radfahren oder Laufen als Sportarten infrage. Da habe ich mich fürs Laufen entschieden. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir gut liegt. Ich glaube, ich kann ganz gut beißen und halte deshalb diese langen Strecken durch." Das sei natürlich auch eine Frage der Kondition, aber vor allem eine Frage des Willens. "Mein Slogan ist: ‚Entfernung ist, was der Kopf draus macht.'" Während eines Laufes sei es ihm wichtig, viel optische Abwechslung zu haben, um sich von der Anstrengung abzulenken. "100 Kilometer in einem Stadion, immer wieder im Kreis, das würde ich nicht packen."

Hier in der Region sei er schon ein Paradiesvogel - es gebe kaum Ultramarathon-Läufer. Auch bundesweit sei die Szene überschaubar. Bei seinen Läufen treffe er regelmäßig dieselben 100 bis 200 Leute. "Meine Bekannten sagen oft zu mir: ‚Du bist bekloppt'. Und irgendwie haben sie auch Recht", sagt Jug. Als sein langfristiges Ziel hat er die Tour de Ruhr im Visier, ein Einladungslauf über 230 Kilometer. Das wäre dann schon fast die Strecke nach Köln inklusive Rückweg…

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