Zurück nach Kanada: Jan Wiechert bastelt weiter an Eishockey-Karriere

rnEishockey

Sein erstes Jahr in Kanada musste Jan Wiechert wegen Corona vorzeitig beenden. Doch jetzt startet für das Ahauser Eishockeytalent das zweite. Der 17-Jährige will an seine Erfolge anknüpfen.

Ahaus

, 22.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Spiele vor über 3000 Zuschauern, Angebote von mehreren Klubs und in der Schule ein Notenschnitt von 1,5. Für Jan Wiechert hätte das Abenteuer Kanada kaum besser laufen können. Außer natürlich ohne Corona.

Unfreiwillig ist der 17-Jährige bereits Mitte März in sein Elternhaus nach Wüllen zurückgekehrt. Da hatte die Corona-Pandemie auch Nordamerika längst erreicht. Die Schule hatte geschlossen, auch in die Eishockeyhalle durfte niemand mehr einen Fuß setzen. „Ich konnte nicht mal meine Sachen aus der Kabine holen“, erzählt Jan Wiechert. „Da hat sich abgezeichnet, dass das alles lange dauern würde und ich dachte mir, dass ich dann genauso gut zurück nach Deutschland fliegen kann.“

Jan Wiechert: „Es war eine richtig coole Zeit“

Ein Blick zurück: Bereits 2018 lag dem Ahauser, damals im Nachwuchs der Düsseldorfer EG, ein Angebot aus Kanada vor. Nach dem Abschluss an der Anne-Frank-Realschule nahm er die Chance dann im vergangenen Jahr wahr und wechselte in die A21 Academy an der Grenze zwischen Kanada und den USA. Ein Schritt, den Jan Wiechert alles andere als bereut hat: „Es war eine richtig coole Zeit. Ich habe viele neue Freunde kennengelernt und auch sportmäßig lief es richtig gut für mich.“

Jetzt lesen

Die Saison in der ersten nordamerikanischen U18-Liga beendete der Ahauser mit seinem Team von der Academy auf dem vierten Platz von 13 Teams. Er selbst lief als Verteidiger auf und wusste offenbar zu überzeugen. „Mein Trainer ist sehr zufrieden mit mir und will mich in der nächsten Saison wieder im Team haben, deshalb fliege ich auch nächsten Montag zurück“, berichtet der 17-Jährige. Anfang September geht es dann wieder richtig los mit Schule und Eishockey.

Die Schule, die der Ahauser besucht, ist ausschließlich für die Talente der Academy in Windsor bestimmt. „Wir sind nur 50 Leute an der Schule, es gibt sechs Lehrer. In einem Kurs mit nur zehn Leuten kann man natürlich gut lernen.“ In seinem Fall sogar sehr gut. Nachdem der Münsterländer sich recht schnell an die englische Sprache gewöhnt hatte, seien auch die Noten absolut zufriedenstellend ausgefallen. „Ich habe einen Schnitt von 1,5 und hoffe, dass ich mein internationales Abitur bestehen werde. Dann könnte ich überall auf der Welt studieren.“

Auf dem Eis hat sich Jan Wiechert in Kanada weiterentwickelt. Im September geht der Ahauser in sein zweites Jahr.

Auf dem Eis hat sich Jan Wiechert in Kanada weiterentwickelt. Im September geht der Ahauser in sein zweites Jahr. © privat

Und das am liebsten in Kombination mit Eishockey. Schon in Deutschland war das Eis für ihn die liebste Spielfläche. In Kanada, wo Eishockey einen deutlich höheren Stellenwert einnimmt, hat er den Sport nun auf einem ganz anderen Level kennengelernt. „Das Niveau ist schon deutlich höher und auch das Zuschauerinteresse. Bei den Spielen sind schon mal 3000 bis 4000 Leute da, ab und zu wollten Fans ein Autogramm oder ein Foto mit mir“, berichtet Jan Wiechert.

Die Temperaturen im Winter sind allerdings gewöhnungsbedürftig: „Bei einem Turnier hatten wir -25 Grad, da sind meine Bankkarte und mein Ausweis vor Kälte einfach durchgebrochen.“

Wegen Corona wird vieles anders

Die Sportler in der Academy, darunter auch einige Europäer, betreiben einen sehr hohen Aufwand. Neben fünf Trainingseinheiten pro Woche stehen am Wochenende Spiele an. Teilweise dauert die Fahrt zu einer Auswärtspartie zwölf Stunden, das Team ist dann in einem Hotel untergebracht. Jetzt, während der Pandemie, wird sich aber vieles ändern, wie Jan Wiechert sagt: „Wir dürfen zwar wieder trainieren und spielen, allerdings ohne Zuschauer. Außerdem spielen wir erst mal nur gegen kanadische Teams, weil die Situation in den USA einfach noch zu schlimm ist.“

Jetzt lesen

Trotzdem freut sich der Wüllener auf seine Rückkehr nach Tecumseh, eine Kleinstadt in etwa gleichgroß wie Ahaus. Dort wird er in derselben Gastfamilie unterkommen wie im vergangenen Jahr. „Die haben ein echt cooles Haus. Neben den drei Kindern der Familie haben auch noch drei meiner Mitspieler dort gewohnt.“ Neben dem Eishockey hat der 17-Jährige auch das Jetskifahren auf dem Lake St. Clair vermisst. „Und die Chicken Wings sind da richtig lecker.“

Ob er sich vorstellen könne, nach dem zweiten Jahr in der Academy weiter in Kanada zu bleiben? „Ich habe schon fünf Angebote von anderen Klubs vorliegen, lasse das aber auf mich zukommen.“ Nun heißt es für Jan Wiechert erst einmal, die erfolgreiche und vor allem schöne Zeit weiterhin zu genießen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Die Meisterschaft in der Landesliga haben die Ahauser Maidy Dogs recht souverän eingefahren. Doch ob sie den Aufstieg in die Regionalliga wahrnehmen würden, war zunächst unklar. Von Sascha Keirat

Lesen Sie jetzt