Zwei Trainer im Hause Reekers: „Über Fußball reden wir nur selten“

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Vater Rob und Sohn Rick Reekers sind derzeit erfolgreich als Trainer unterwegs. Auch wenn beide in ihrer Arbeit einige Gemeinsamkeiten aufweisen, geht jeder seinen eigenen Weg.

Wüllen

, 24.12.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Vater war Profi und hat sich anschließend als Trainer einen Namen gemacht. Nun steht die nächste Generation parat. Im Hause Reekers finden sich mit Rob (53) und seinem Sohn Rick, der heute an Heiligabend 29 wird, aktuell gleich zwei erfolgreiche Trainer. Der eine darf als Spielertrainer von RW Nienborg die Weihnachtsfeiertage als Tabellenführer der Kreisliga B genießen, der andere hat Platz eins im Schlussspurt des Westfalenliga-Jahres mit der SpVgg Vreden noch abgegeben.

Vater und Sohn, die gleichzeitig als Trainer aktiv sind, das hat im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld Seltenheitswert. Und dass Rob Reekers bei der SpVgg auch noch seinen anderen Sohn Bas trainiert, legt nahe, dass Fußball bei Familientreffen Thema Nummer eins ist. „Komischerweise ist das aber gar nicht so“, sagt Rick Reekers. „Über Fußball reden wir nur ab zu mal ein, zwei Sätze.“ Kurz vor Weihnachten haben sich beide aber doch ein wenig Zeit genommen, um gemeinsam über die wichtigste Nebensache der Welt zu philosophieren.

Fußball hat Familientradition

Der Fußball spielt im Leben der Reekers‘ seit jeher eine große Rolle, wie Rob Reekers erklärt: „Die beiden Opas waren auch schon Fußballer. Mein Vater war in Holland Profi und auch Trainer, hat sich dann aber für sein Fahrradgeschäft und gegen den Fußball entschieden. Der Vater meiner Frau war auch als Spieler, ungefähr auf der Bezirkliga-Ebene, aktiv.“

Rick Reekers war schon als Kind nahezu jedes Wochenende im Stadion, wenn sein Vater in der 2. Bundesliga für den VfL Bochum und später den FC Gütersloh als Verteidiger auf dem Rasen stand. Rick selbst fing schon als Vierjähriger beim KVV Losser in den Niederlanden mit dem Kicken an. „Ich habe bis heute immer großen Spaß daran gehabt. Deshalb war mir ziemlich früh klar, dass ich auch nach der Zeit als Spieler was in dem Bereich machen will“, so Rick Reekers. Die Chance, beides gleichzeitig zu tun, gab der SC Rot-Weiß Nienborg dem damals 27-Jährigen zur Saison 2018/19. So übernahm er gemeinsam mit Philipp Schlamann beim B-Ligisten, der aktuell als Spitzenreiter vom Aufstieg träumen darf.

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Vater Rob, der nach Stationen in Oberhausen, Gütersloh, Enschede, Stadtlohn, Aserbaidschan, Augsburg, Berlin und Paderborn seit 2018 in Vreden tätig ist, freut sich, dass sein Sohn nun ebenfalls zu seinen Trainerkollegen zählt. „Ich habe ihm, bevor er angefangen ist, keine Ratschläge gegeben, sondern nur gesagt: ‚Melde Dich, wenn ich Dir helfen kann.‘“

Doch Rick Reekers hatte schnell selbst eine klare Vorstellung davon, wie er als Trainer agieren will. „Wenn ich früher Trainer hatte, bei denen nicht alles Hand und Fuß hatte, fand ich es immer so schlimm und habe mir gesagt, dass ich es später mal anders machen will. Klar war es in den ersten paar Wochen nicht so einfach, gerade vor einer Gruppe zu sprechen und das Training vernünftig vorzubereiten. Aber mittlerweile denke ich: Wenn ich mich als Trainer hätte, dann wäre ich ganz zufrieden.“

Am falschen Sportplatz gelandet

Auch der Vater hatte bei seinen bisherigen Besuchen der Nienborger Spiele den Eindruck, „dass die beiden das super im Griff haben und Rick sich als Trainer gut entwickelt“. Und auch als Spieler trägt der 29-Jährige seinen Teil bei, hat in 18 Partien bereits 15 Tore geschossen.

Beim ersten Spiel, das sich Vater Rob anschauen wollte, gab es allerdings Anlaufschwierigkeiten: Er war versehentlich im Dinkelstadion des SV Heek gelandet statt im Nienborger Eichenstadion. „Als ich dann meinen früheren Spieler Jordy Koster mit dem FC Vreden auf dem Platz gesehen habe, merkte ich, dass ich am falschen Platz war.“ In Nienborg kam er dann aber doch noch an...

Erfolgreich mit RW Nienborg: Rick Reekers (M.)

Erfolgreich mit RW Nienborg: Rick Reekers (M.) © Sascha Keirat

So sehr Rick Reekers Wert darauf legt, seine eigene Linie als Trainer zu finden, lassen sich gewisse Ähnlichkeiten zum Stil seines Vaters nicht leugnen: Beide sind besonnene Typen, für die Ausraster ein No-Go sind. „Ich bin von Natur aus ein ruhiger Typ und rege mich nicht schnell auf. Außerdem macht Rumbrüllen für mich nicht wirklich Sinn, davon hat doch keiner was“, sagt der Nienborger Coach. Und auch sein Vater erklärt: „Es muss schon was passieren, damit ich mal lauter werde. Und wenn, dann ist es wichtig, nicht einfach nur rumzumeckern, sondern den Spielern einen Plan an die Hand zu geben, wie sie es besser machen können.“

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Sein grundsätzlicher Plan vom Fußballspielen ist offensiv geprägt. In Kurzform: „Immer aktiv sein, dem Gegner Raum und Zeit nehmen und nach Ballgewinn schnell umschalten.“ Geprägt habe ihn dabei seine Zeit bei der U19 des FC Twente, wo er unter anderem vom damaligen Chefcoach Erik ten Haag (heute Ajax Amsterdam) eine Menge gelernt habe. „Die Spieler waren damals taktisch einfach richtig gut. Natürlich im typisch niederländischen 4-3-3-System. Aber eigentlich ist das nichts anderes als ein 4-2-3-1 oder auch ein 4-1-4-1 in Deutschland. Es kommt immer nur auf die Auslegung an.“

Zwei Trainer im Hause Reekers: „Über Fußball reden wir nur selten“

© Sascha Keirat

Für Rick Reekers, der besonders auf viel Ballbesitz und gute Organisation Wert legt, ist bei allen taktischen Vorgaben vor allem das Menschliche wichtig. „Es macht mir einfach Spaß, mit verschiedenen Charaktreren zu arbeiten und alle unter einen Hut zu bekommen für ein gemeinsames Ziel. Ich denke, diese Herausforderung ist im Fußball überall die gleiche, ob in der Westfalenliga oder der Kreisliga B.“

„Gut, dass wir nicht mehr unter einem Dach wohnen“

Für Rob Reekers kommt in Vreden bei der Führung der Mannschaft auch noch die Herausforderung dazu, dass er seinen Sohn Bas trainiert und ihn genauso behandeln muss wie jeden anderen Spieler. „Ich denke schon, dass das ganz gut gelingt.“ Lachend schiebt er nach: „Aber es ist schon gut, dass wir nicht mehr unter einem Dach wohnen. Sonst könnte es vielleicht stressiger werden.“

Unter einem Dach sind die Reekers‘ aber alle zusammen an den Feiertagen in Wüllen. Auch wenn das deutsche Weihnachtsfest für die Familie nicht so große Bedeutung wie das niederländische Sinterklaas-Fest am 5. Dezember, wo auch die Geschenke verteilt werden. Dass Rick Reekers am Heiligabend Geburtstag hat, ist für ihn also nicht ganz so besonders. Am 24. Dezember wird Geburtstag gefeiert, am Tag danach mit der Familie seiner Freundin und am 2. Weihnachtstag dann mit Familie Reekers. Und das ohne lange Gespräche über Fußball.

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