3000 Kilometer und ein Stopp vor der Video-Leinwand

Marcel Sieberg im Interview

Radprofi Marcel Sieberg hat am Sonntag die Tour de France abgeschlossen. Im Interview spricht er über die Strapazen und Erlebnisse auf den 21 Etappen. Und er erklärt, warum er auf der letzten Etappe durch Paris kurz vor dem Ziel sein Rad in die Ecke gestellt hat.

CASTROP-RAUXEL

, 28.07.2015, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
3000 Kilometer und ein Stopp vor der Video-Leinwand

Mercel Sieberg jubelte nach dem Erfolg seines Kapitäns André Greipel auf der zweiten Etappe.

Herr Sieberg, nach über 3000 Kilometer im Sattel möchte man wahrscheinlich keinen Fahrradlenker mehr sehen. Wie lang würden Sie gerne pausieren?

Das war wirklich eine mächtige Strapaze. Ich muss allerdings sagen, dass ich im Vergleich zu den vergangenen Jahren gar nicht so starke Schmerzen in den Beinen habe. Wenn das Wetter nicht so durchwachsen wäre, würde ich sogar gerne ein Stündchen vor der Haustür fahren. Außerdem gibt es für mich keine echte Pause. Ich fahre einige kleinere Rennen: am Mittwoch in Neuss, am Samstag in Gera und am Sonntag in Bochum.

Sie selbst haben Sie bei der Frankreich-Rundfahrt 600 Euro Prämien eingefahren, 400 für Ihre Abschlussplatzierung, 200 für Ihren 17. Platz auf der zweiten Etappe in Holland. Die Prämien des gesamten Teams werden in einen Topf geworfen. Hat es sich für Sie finanziell gelohnt?

Wahrlich nicht. Zum Glück bekommen wir ja monatlich ein Festgehalt von unserem Rennstall. Obwohl mein Kapitän André Greipel an vier von fünf Renntagen Etappensieger geworden ist, bleibt nicht viel über. Man darf nicht vergessen, dass wir mit dem Geld auch unsere Mechaniker und Betreuer bezahlen. Auch die Anti-Doping-Agentur erhebt eine Gebühr. Und dann zahlen wir auch noch Steuern - in dem jeweiligen Land, in dem wir die Prämien eingenommen haben und auch noch einmal in Deutschland.

Von der französischen Sportzeitung L´Equipe gab es für Sie einen Ritterschlag: Sie gehören zu den fünf besten Helfern während der Tour. Wie gefällt Ihnen diese Auszeichnung?

Ich habe davon eigentlich nichts mitbekommen. Aber das ist schon schön. Daran sieht man, dass unser Radsport ein Mannschafts-Sport ist. Ich vergleiche das gerne mit dem Fußball. Ich bin der Libero, André Greipel schießt die Tore.

Das war nunmehr Ihre sechste Teilnahme an einer Tour de France. Wie viele Jahre möchten Sie gerne noch dabei sein?

Jens Voigt ist ja noch mit 42 Jahren gefahren. Ich bin jetzt 32. Mein derzeitiges Ziel ist das Jahr 2020.

Man hatte beinahe die Befürchtung, Sie seien wenige Meter vor dem Ziel in Paris gestürzt. Sie sind nicht mehr gesehen worden. Was war passiert?

Ich hatte André Greipel nicht mehr im Blick. Da habe ich vor der Zielkurve mein Rad vor einer Videoleinwand abgestellt, dort zugeschaut und mitgefiebert, dass er auch wirklich gewinnt.

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