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Seit dem 25. Mai sind die neuen Datenschutzbestimmungen der EU in Kraft. Auswirkungen zeigen sich auch im Fußball. Denn nun tauchen Jugendspieler nicht mehr mit Namen in den Aufstellungen auf.

Castrop-Rauxel

, 14.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Jahrelang war es im Amateurfußball problemlos möglich, die Aufstellungen der Mannschaften auf der Plattform fussball.de einzusehen. So erfuhr jeder bequem von der Couch aus, ob der Sohn oder Freunde von ihren Trainern eingesetzt wurden oder ob sie Bankdrücker waren. Das ist vorbei.

Die neue EU-Datenschutzverordnung sorgt dafür, dass man vor allem bei den Junioren-Teams wohl nur noch am Platz erfährt, wer spielt und wer nicht. Im Internet findet man stattdessen vielfach das Kürzel „k.A.“, also keine Angabe. Dort, wo sonst die Spielernamen angegeben waren.

Das sagt der DFB zur neuen Datenschutzverordnung

„Die Änderungen (der Datenschutzverordnung) haben die Landesverbände vorerst dazu bewogen, die schutzwürdigen Interessen der betroffenen Kinder unter 16 Jahren dem berechtigten Interesse an einer Veröffentlichung überwiegen zu lassen und daher die Veröffentlichung bis zu diesem Alter nur noch auf Grundlage einer Einwilligung vorzunehmen“, heißt es in einer Antwort des Deutschen Fußball-Bunds auf eine Anfrage der Redaktion.

Bis zum Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurden die Namen von 13- bis 16-jährigen Nachwuchskickern nur dann nicht veröffentlicht, wenn der Spieler ausdrücklich widersprochen hatte. Das braucht er jetzt zunächst nicht mehr. Die Daten, in dem Fall der Name, bleiben zunächst einmal geschützt und der Öffentlichkeit verborgen. Wenn er möchte, dass sein Name zu lesen ist, muss eine Einwilligung erfolgen.

Das müssen Spieler und Eltern tun

„Eine Veröffentlichung der Spielernamen ist demnach bei unter 16-Jährigen – beziehungsweise im Landesverband Berlin bei unter 18-Jährigen – nur möglich, wenn eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegt oder der Spieler eine entsprechende Einwilligung in seinem fussball.de-Profil erklärt hat“, heißt es vom DFB.

„Früher waren wir alle mit Bild und Name in der Zeitung, aber die Zeiten haben sich geändert mit Facebook und Co.“, sagt Carsten Cwik, stellvertretender Vorsitzender der Sportjugend im Stadtsportverband, der früher selbst Fußball gespielt hat und als Jugendtrainer aktiv war.

Das sind die Auswirkungen der neuen Datenschutzbestimmungen

Wer spielt genau gegen wen? Aus den Aufstellungen auf der Plattform fussball.de wird das wahrscheinlich nicht mehr ersichtlich – außer die Spieler erteilen eine Einwilligung. © Volker Engel

Seiner Meinung nach würden mit dieser Regelung vor allem die Kinder bestraft. „Ich finde es etwas traurig, denn die Kinder lesen ja meist selbst gerne ihren Namen auch in den Aufstellungen und Spielberichten“, so Cwik. In die gleiche Kerbe stößt Timo Muth, B-Junioren-Trainer der SG Castrop: „Mein Spieler Dawid Lewandowski, der 22 Saisontore geschossen und damit auch einen großen Anteil an der erfolgreichen Saison hat, fragte mich zuletzt, warum er nicht mehr in der Torjägerliste auftaucht.“ Denn für die Spieler selbst sei die eigene Namensnennung doch etwas Besonderes und eine Art Auszeichnung.

Auch die Trainer selbst interessieren sich für die Aufstellungen künftiger Gegner und haben fussball.de als beliebte Informationsquelle genutzt, die ab jetzt nicht mehr oder nur noch lückenhaft fließt. „Natürlich ist es schwieriger für uns an irgendwelche Infos zukommen“, so SG-Trainer Timo Muth, „an Infos über Spieler kommt man aber auch anders. Für mich persönlich ist diese Regelung Schwachsinn.“ Eine Meinung, die nicht alle teilen. Zumindest von offizieller Seite. „Das ist eine neue Regelung und da müssen wir uns dran halten“, sagt Bernd Götte, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses des Fußballkreises Herne/Castrop-Rauxel.

So handeln größere Vereine

Doch selbst die großen Klubs arbeiten derzeit an einer Lösung: „Wir sind gerade dabei, die bestmögliche Lösung zu erarbeiten und wollen natürlich auch in Zukunft die Öffentlichkeit mit den Aufstellungen und Spielberichten unserer Jugendteams informieren und wollen dabei alle Vorgaben beachten“, teilt Steffi Pennekamp, Medienverantwortliche der Knappenschmiede, der Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04, auf Anfrage mit.

Carsten Cwik von der Sportjugend hätte zumindest einen Tipp für die Jugendgeschäftsführer der heimischen Klubs parat: „Meiner Meinung nach sollten die Jugendgeschäftsführer ein Schreiben an die Eltern aufsetzen, um diese darüber zu informieren. Wer weiterhin kein Problem damit hat, soll das dann unterschreiben und zurücksenden.“

Das sind die Probleme für die Medienvertreter

Auch das Kommunikationsverhalten des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen hat sich durch die neuen Bestimmungen verändert. So dürfen die öffentlichen Mitteilungen, in denen Informationen über Sperren und Strafen bekannt gemacht wurden, Medienvertretern nicht mehr zur Verfügung gestellt werden.

Etwas kurios ist das Ganze schon. Für die Öffentlichkeit ist nach wie vor ersichtlich, wer spielt. Nur bekommt man die Infos nicht mehr von der Couch aus. Wer spielt, erfährt man nur am Platz.

Das ist die Plattform fussball.de

Fussball.de ist eine Plattform, auf der die Informationen aus dem dfb.net ausgespielt werden, wo wiederum Mannschaftsverantwortliche ihre Einstellungen vornehmen und Aufstellungen offiziell eintragen. Zu jedem Spiel, egal ob es sich um ein Meisterschafts- oder Testspiel handelte, können alle relevanten Infos wie Aufstellungen, Wechsel, Tore und Karten eingesehen werden – zum Teil zurück bis zum Jahr 2001. Fußballer können auf dieser Homepage ihr Spielerprofil mit Leben füllen und beispielsweise ihren fußballerischen Werdegang offenlegen. Der DFB verweist darauf, dass es vom Verband ein offizielles Formular gebe, auf dem die Eltern ihr Einverständnis geben sollen, dass sich die Jugendspieler (zwischen 13 und 15) ein Profil bei fussball.de erstellen dürfen.
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