Der Mann im Hintergrund beim FC Castrop-Rauxel: Yannick Grondin

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Yannick Grondin sieht sich im Trainer-Duo beim FC Castrop-Rauxel auf Augenhöhe mit Patrick Stich, will aber nicht Lautsprecher sein.

Castrop-Rauxel

, 15.01.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 15. März wird erneut kein gewöhnlicher Fußball-Nachmittag für Yannick Grondin werden. Wer den Franzosen schon einmal an der Seitenlinie eines Kreisliga-Spiels erlebt hat, kann wohl schwer glauben, dass eine Steigerung von emotional noch möglich ist. Grondin lebt den Fußball. Und der SC Arminia Ickern ist seine alte Liebe.

„Für mich war es sehr schwer, Arminia zu verlassen“, erinnerte sich Grondin zuletzt am Mikrofon bei der Hallenstadtmeisterschaft. Die Erfolge waren beträchtlich. Von einer grauen Maus in der Kreisliga B zu einem Spitzenteam im Kreisliga-Oberhaus, das dazu noch einen ansprechenden Offensiv-Fußball zeigt. Im Sommer 2018 zog Grondin nach vielen Jahren einen Schlussstrich in Ickern.

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Kurze Zeit später heuerte er beim FC Castrop-Rauxel an. „Gegen Arminia zu spielen ist nach wie vor schwer“, sagt der 41-Jährige. „Die Aufstiegsmannschaft war eine ganz besondere. Wir haben alles zusammen gemacht und hart gearbeitet – wie eine Familie. Wenn ich heute darüber rede, bekomme ich Tränen in den Augen“, gesteht Grondin.

Auf Augenhöhe mit Patrick Stich

Als Kicker in Paris

  • Yannick Jean-Raymond Grondin hat bereits mit den Großen Fußball gespielt. Mit Nicolas Anelka stand er zusammen für Paris Saint-Germain auf dem Platz.
  • Mit 18 Jahren trat Grondin, nach einer zehnjährigen Reise durch die Pariser Fußballvereine dem „Paris Saint-Germain Football Club“ bei.
  • Ein Komplettschaden im Knie beendete allerdings im Alter von 21 Jahren seine Karriere.
  • Nach Deutschland hat es Grondin der Liebe wegen verschlagen. Nach der Ankunft in Castrop-Rauxel widmete er sich zunächst den C-Junioren von Arminia Ickern

Damals wie heute an seiner Seite: Patrick Stich. Es ist ein eingespieltes Trainer-Duo. Auf Augenhöhe – auch wenn das in der Öffentlichkeit manchmal ein wenig zu kurz kommt. Während Stich das Team medial repräsentiert, hält sich Grondin im Hintergrund. Ihn störe das überhaupt nicht.

Die Lautsprecher-Rolle sollen andere übernehmen. „Wenn er im Vordergrund steht, muss ich nicht die Presse-Fragen beantworten, wenn wir mal verlieren“, sagt er und lacht. Grondin im Schatten, das mag von außen so aussehen.

In der Mannschaft wird der Mann aus dem Pariser Vorort Cergy sehr wertgeschätzt. „Wenn ich keine gute Arbeit leisten würde, würde Patrick Stich ja nicht mit mir arbeiten wollen“, ist sich Grondin bewusst. „Noch mal: Ich weiß, was wir alle gemeinsam für eine Arbeit leisten. Da stört mich nicht, wer im Vordergrund steht. Die Mannschaft hört genauso auf mich wie auf ihn. Der Respekt ist da.“

Stich und Grondin, das sei mehr als eine reine Trainer/Co-Trainer-Beziehung. „Wir sind richtige Freunde geworden“, sagt Grondin. Und Stich meint: „So verschieden wir auch sind, so gut ergänzen wir uns in der täglichen Trainerarbeit. Er ist kein Hütchenaufsteller, sondern ein enger Vertrauter bei jeder Entscheidung.“

Nächstes Meister-Stück

In den kommenden Wochen gilt es einige solcher Entscheidungen zu treffen. Schließlich schrauben Grondin und Stich am nächsten Meister-Stück. Neun Punkte Vorsprung hat der FC Castrop-Rauxel auf den Tabellenzweiten VfB Börnig. Gewinnt RW Türkspor Herne noch ein Nachholspiel, wären es sieben Zähler Abstand zu Rang zwei. „Wir müssen weiter hart arbeiten“, betont Grondin. Vor allem wenn die Gegner so motiviert gegen den Spitzenreiter zur Sache gehen wie in der Hinrunde.

Der Mann im Hintergrund beim FC Castrop-Rauxel: Yannick Grondin

Ein seltenes Bild beim FC Castrop-Rauxel: Yannick Grondin (l) im Vordergrund, sein Trainerkollege Patrick Stich im Hintergrund. © Volker Engel

„Wir konzentrieren uns nur auf uns, sind sehr fokussiert und begegnen jedem Gegner mit Respekt“, so der Fußball-Experte. Das klappte schon einmal: beim Ickerner Aufstieg 2016. Auch jetzt, so der Coach, hätte man schon mehr Zähler auf dem Konto haben können. Auf der anderen Seite rettete die überlegene Fitness der Mannschaft schon den einen oder anderen Punkt. Wie etwa im Lokalderby gegen den VfB Habinghorst Mitte November.

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„Wenn wir am Ende etwas schaffen, dann gemeinsam“, so Grondin. Nicht ein Trainer, nicht ein Spieler. Es könnte in dieser Saison das Erfolgsrezept des FC bleiben. Der 41-Jährige hätte daran jedoch zweifellos großen Anteil.

Im Frühjahr 2012 schrieb diese Zeitung über ihn: „Grondins Karriere als Profifußballer ist zwar gescheitert (wegen einer Verletzung, Anm. d. Red). Aber ein hochmotivierter Trainer könnte gerade heranwachsen.“ Keine schlechte Prognose.

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