Der Schalke-Dortmund-Äquator und wie die Fan-Verhältnisse in Castrop-Rauxel sind

rnVor dem Revierderby

Das Ruhrgebiet ist geteilt: Der Osten ist eher Borussia Dortmund hörig, der Westen tendiert zu Schalke 04. Zumindest in der Tendenz. Aber wie ist das in Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel

, 25.04.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Büro „Stadtart“ hat für uns eine Auswertung ausgearbeitet, die auf der Zahl der verkauften Dauerkarten für die Veltins-Arena und den Signal-Iduna-Park beruht. Sie bezieht sich auf die Postleitzahl-Bezirke und entstammt den Daten, die Schalke 04 und Borussia Dortmund für die Erhebung herausgaben.

Ergebnis: Die Fußballfans in Castrop-Rauxel tendieren zu rund 75 Prozent zur Borussia - allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Postleitzahlgebieten. In den nördlichen, den Arbeiterstadtteilen Ickern und Habinghorst vor allem, ist das Verhältnis ein Drittel Schalke 04, zwei Drittel BVB. Im Süden hingegen, Frohlinde, Schwerin, Castrop, Merklinde, gerade in der Nähe der Dortmunder Stadtgrenze, liegt es bei einem Viertel zu drei Vierteln.

Der Bürgermeister drückt Königsblau die Daumen

Wenn also am Samstag die beiden Revierklubs aufeinandertreffen, halten offenbar mehr Castrop-Rauxeler den Schwarz-Gelben die Daumen als den Blau-Weißen - auch wenn das Stadtoberhaupt, Bürgermeister Rajko Kravanja, vermutlich wieder seinen Schalke-Schal um den Hals legen wird.

Ganz anders sieht es jenseits der westlichen Stadtgrenze aus: Herne und Recklinghausen zählen deutlich mehrheitlich zum Fußballrevier von Schalke 04. So verläuft also der unsichtbare „Fußball-Äquator“ entlang der Verwaltungsgrenzen zwischen den Städten Castrop-Rauxel und Herne bzw. Recklinghausen. Dieser setzt sich nach Norden und Süden entsprechend fort.

Der Schalke-Dortmund-Äquator und wie die Fan-Verhältnisse in Castrop-Rauxel sind

So verläuft der Schalke-Dortmund-Äquator quer durch das Ruhrgebiet - genau an der Stadtgrenze Castrop-Rauxels entlang. In den Postleitzahlen-Gebieten der einzelnen Städte wird das Verhältnis zwischen der Anzahl der Dortmund- und Schalke-Fans aufgezeigt © Stadtart

Und woran liegt das? Am derzeitigen Erfolg des BVB im Vergleich zur Lage des FC Schalke 04 im Tabellenkeller? Ganz sicher nicht, denn es geht hier eher um die langfristigen Entwicklungen: Während Schalke 04 ein ganz klassischer Arbeiterverein war, von Bergleuten gegründet, der sich heute der Bergbau-Geschichte auch besonders verpflichtet fühlt, ist Borussia Dortmund in einer Stadt aus Kohle, Stahl und Bier heraus entstanden. Einer Stadt, die sich zudem zu einem Versicherungs-Zentrum mit vielen Büros entwickelt hat, einer Einkaufsstadt, einem echten Oberzentrum für eine ganze Region östliches Ruhrgebiet / Westfalen. Gelsenkirchen hingegen ist neben dem größeren Nachbarn Essen nur wenig über die Arbeiterstadt hinweg gekommen.

Die Entfernung gibt einen Hinweis auf die Vereinsfrage

Vermutlich, so Ralf Ebert von „Stadtart“, spielt bei der Herausbildung dieses nord-südlich verlaufenden Fußball-Äquators aber auch die Entfernung zwischen Wohnort und jeweiligem Fußballstadion eine Rolle. Eine schnelle Abfrage über Google Maps zeigt, dass mit Ausnahme von Datteln, wo es ein Verhältnis von etwa 50:50 gibt, das näher gelegene Vereinsstadion bevorzugt wird. Wobei: Die Entfernungs- bzw. Zeitunterschiede jedoch vielfach sehr gering sind:

Castrop-Rauxel Hbf – Signal Iduna Park 19 Min. ca. 19 km
Castrop-Rauxel Hbf – Veltins Arena 21 Min. ca. 22 km
Vorteil BVB

Datteln Busbahnhof – Signal Iduna Park 31 Min. ca. 28 km
Datteln Busbahnhof – Veltins Arena 29 Min. ca. 28 km
Vorteil BVB

Waltrop Rathaus – Signal Iduna Park 23 Min. ca. 23 km
Waltrop Rathaus – Veltins Arena 26 Min. ca. 32 km
Vorteil BVB


Herne Bf – Signal Iduna Park 21 Min. ca. 25 km
Herne Bf – Veltins Arena 16 Min. ca. 14 km
Vorteil S04

Recklinghausen Hbf – Signal Iduna Park 32 Min. ca. 32 km
Recklinghausen Hbf – Veltins Arena 23 Min. ca. 22 km
Vorteil S04



Die Einzugsgebiete anderer Fußballvereine machen sich auch bemerkbar

Aus den Zahlen lässt sich auch herauslesen: In Castrop-Rauxel haben beide Vereine zusammen je 1000 Einwohner 16 Dauerkarten verkauft - fast doppelt so viele wie in Herne und Recklinghausen mit jeweils 9. Rechnet man die Werte für Castrop-Rauxel hoch (wir haben dabei eine Grundlage von 75.000 Einwohnern für die Rechnung genommen), dann besitzen laut Stadtart etwa 862 Leute eine Dauerkarte für den BVB, 337 Personen haben ihre festen Plätze beim S04.

Ralf Ebert vermutet: „Bei den niedrigeren Werten für Herne und Recklinghausen machen sich mutmaßlich die Einzugsgebiete anderer Fußballvereine bemerkbar. Bezogen auf Herne dürfte dies insbesondere der VfL Bochum sein.“ Der hat aber mit einem Zuschauerschnitt so eben im fünfstelligen Bereich nicht die Reichweite, die Schalke und Dortmund mit ihren großen, fast immer ausverkauften Stadien und je rund 40.000 verkauften Dauerkarten erzielen.

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