Der TuS Henrichenburg leitet nach dem Abstieg einen Generationenwechsel ein

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Seit Sonntag steht fest, dass der TuS Henrichenburg nach 20 Jahren in der Kreisliga A den Gang in die B-Liga antritt. Wir blicken auf die beiden Jahrzehnte zurück und wagen einen Ausblick.

Henrichenburg

, 13.05.2019, 18:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Durch die 1:5-Niederlage am Sonntag gegen den Spitzenreiter Teutonia SuS Waltrop haben die Fußballer des TuS Henrichenburg endgültig Gewissheit: Sie müssen zur neuen Saison den bitteren Gang in die Kreisliga B antreten. Damit endet eine Ära im Castrop-Rauxeler Fußball. Schließlich waren die Henrichenburger 20 Jahre lang durchgehend im Recklinghäuser Kreisliga-Oberhaus vertreten – so lange wie kein anderes heimisches Team in jüngster Vergangenheit. Grund genug, einen Blick zurück, aber auch in die Zukunft des Vereins an der Lambertstraße zu werfen.

Alles begann in der Saison 1998/99, in der die Henrichenburger unter Trainer Olaf Bryjak als Zweite der Kreisliga B den direkten Aufstieg in die Kreisliga A schafften. Neben Spielern wie Sven Fischer oder dem heutigen 1. Vorsitzenden Michael Fischer, gehörte Andreas Menne zum Aufstiegs-Team.

Der TuS Henrichenburg leitet nach dem Abstieg einen Generationenwechsel ein

Das Besondere bei Menne, der am kommenden Samstag 45 Jahre alt wird: Er hat als einziger Aktiver sowohl den Aufstieg als auch den Abstieg an der Lambertstraße aktiv miterlebt. Gegen Waltrop half Menne, der ansonsten bei den Altherren spielt, der personell arg gebeutelten ersten Mannschaft mit einem Kurzeinsatz aus. „Ich bin natürlich sehr enttäuscht. Ich glaube, dass die Qualität der Mannschaft dieses Jahr einfach nicht ausreichend war“, erklärte Menne, „das hängt auch damit zusammen, dass wir Leistungsträger wie Philipp Engel nicht ersetzen können und die Personaldecke zu dünn ist.“

Nachdem Bryjak das Team im ersten Jahr nach dem Aufstieg auf Platz elf geführt hatte, wurde er zur Spielzeit 2000/01 von Dietmar Nerger abgelöst. Die Zusammenarbeit mit Nerger endete allerdings nach nur einer Saison mit Platz 14 – vorerst. Denn vor der Übernahme von Rainer Mattukat im Jahr 2009 sprang Nerger nochmals als Interimstrainer für Detlef Jug (war vom VfR Rauxel gekommen) ein. Zusammen mit Co-Trainer Mark Melzner bewahrte Nerger den TuS mit einem Kraftakt vor dem drohenden Abstieg.

Acht Jahre mit Mattukat

Bevor die achtjährige Mattukat-Ära an der Lambertstraße begann, prägte ein anderes Gesicht für einen ähnlich langen Zeitraum den Henrichenburger Fußball: Thomas Knüfer war ab 2001 für sieben Jahre lang der Chef an der Lambertstraße. Unter ihm holte der TuS mit Rang vier in der Saison 2006/07 die beste Platzierung in den gesamten 20 Jahren in der Kreisliga A. In den weiteren Knüfer-Jahren spielte der TuS zumeist gegen den Abstieg.

Das sollte unter Mattukat anders werden. Der ehemalige Verbandsliga-Spieler der Spvg Schwerin schaffte es, die Henrichenburger in ruhiges Fahrwasser zu manövrieren. Spieler wie Christian Grum, Mathias Köhnen, Felix Schaack, Nico Böcker, Simon Waack, René Niewind, Thorsten Wohlinger oder Florian Kaczorowski, die damals 20 waren, prägten die folgenden Jahre. Vor allem spielerisch entwickelte der Trainer die damaligen „jungen Wilden“ weiter. Dementsprechend ernüchtert blickt Mattukat auf die aktuelle Entwicklung: „Ich bin traurig. Gerne hätte ich geholfen. Durch meine Arbeit hatte ich leider keine Zeit für echte Unterstützung.“

Nach seinem Abschied 2017 übernahm Christian Meermann die TuS-Geschicke. Sein Intermezzo endete bereits nach einem halben Jahr als Tabellenvorletzter. Florian Kaczorowski und Christian Grum übernahmen und schafften auf der Saisonziellinie noch den Klassenverbleib – was ihnen in der laufenden Saison allerdings nicht mehr vergönnt war. Auch Michael Heu, der vor knapp einem Monat beim TuS angeheuert hat, konnte die Kuh nicht mehr vom Eis ziehen.

Keine finanzielle Offensive

Wie geht es nun weiter? Fest steht, dass die Henrichenburger ihren gewohnten Weg weiterverfolgen wollen. Das heißt laut TuS-Vorstandsmitglied Christian Stackelbeck: „Wir werden nicht mit einem finanziellen Gewaltakt versuchen, den Aufstieg zu erzwingen. Das Ganze ist ein mittelfristiges Ziel.“

Trainer Heu, der das Team auch in der Kreisliga B betreuen wird, steht zudem vor der Herausforderung, den in den kommenden Jahren anstehenden Generationswechsel im Team zu moderieren. Die „jungen Wilden“ aus der Mattukat-Zeit sind mittlerweile alle 30 Jahre und älter und werden in den kommenden Jahren wohl langsam ausscheiden.

Ihre Erfahrung ist allerdings enorm wichtig für die „neuen jungen Wilden“, wie Jonas Drees, Leon Philipp, Julian Niewind, Alex Babbel, Cedric Nelson oder Niko Bogatinis. Um diese jungen Spieler herum soll in Zukunft eine neue Mannschaft aufgebaut werden, die dann auch vielleicht schon bald wieder in der Kreisliga A an den Start gehen kann. Die Unterstützung eines besonderen Routiniers ist ihnen dabei weiterhin gewiss. „Wenn Not am Mann ist, werde ich gerne weiter aushelfen“, betont Andreas Menne.

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