Die 16-jährige Katja Gotthardt gewinnt für Deutschland im Hürdenlauf

22. Juli 1996

Beim Debüt gelang gleich der Sieg. Vor 20 Jahren gewann die Castrop-Rauxeler Leichtathletin Katja Gotthardt in Griechenland ihren ersten internationalen Wettkampf. In unserer Serie „Yesterday“ blicken zurück wir auf den Länderkampf, an dem die damals 16-Jährige von der LG Castrop-Rauxel mit der deutschen U17-Nationalmannschaft teilgenommen hatte.

CASTROP-RAUXEL

31.08.2016, 19:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einen Fehler in der Überschrift leisteten sich die Ruhr Nachrichten am 22. Juli 1996 beim Bericht über den ersten Einsatz von Katja Gotthardt im deutschen National-Trikot. Sie lief nicht in Athen über die Hürden, sondern in Sparta.

Einen Fehler in der Überschrift leisteten sich die Ruhr Nachrichten am 22. Juli 1996 beim Bericht über den ersten Einsatz von Katja Gotthardt im deutschen National-Trikot. Sie lief nicht in Athen über die Hürden, sondern in Sparta.

Sparta galt im antiken Griechenland als stärkste Militärmacht, hat aber nichts mit der Hauptstadt Athen zu tun. Die beiden Orte trennen über 200 Kilometer. Die Ruhr Nachrichten leisteten sich am 22. Juli 1996 einen Fauxpas. In der Überschrift hieß es „Katja Gotthardt gewann in Athen.“ Der Wettkampf fand aber in Sparta statt.

Katja Gotthardt gewann in der griechischen Abendsonne den Hürdensprint in 14,02 Sekunden und sicherte dem deutschen Team acht Punkte in der Mannschaftswertung. Diese entschied die Auswahl des damaligen Bundestrainers Johannes Hücklekemkes gegen Griechenland, Italien und Tschechien für sich. 

Die Vorbereitung auf diesen Wettkampf musste spontan erfolgen. Erst drei Tage vor dem Wettkampf erfuhr die junge Castrop-Rauxelerin, dass der Lauf in Sparta unter A-Jugend-Bedingungen stattfinden sollte. Anstatt der üblichen 76cm-Klippen ging es über die höheren 84cm-Hürden. Mit denen hatte die B-Jugendliche zuvor über ein halbes Jahr nicht mehr trainiert. Erst wenige Stunden vor dem Startschuss fiel die endgültige Entscheidung für die 84er-Hürden. 

Neue Perspektive

DLV-Betreuer Frank Kowalski zeigte ihr nach dem Sieg bereits eine neue Perspektive auf. Er sagte: „So laufen die Frauen auch.“ Katja Gotthardt, die ein sportlich äußerst erfolgreiches Jahr 1996 erlebte, erinnert sich an den Wettkampf in Griechenland. Sie sagt: „Es war alles sehr aufregend.“ Neben dem internationalen Debüt wurde sie auch zum ersten Mal Deutsche Meisterin bei den B-Jugendlichen. Zwei Jahre später wechselte sie nach Kamp-Lintfort zu Bundestrainer Hücklekemkes und lebte fortan auch im Rheinland.

Im Sprint über 60 Meter holte sie den DM-Titel bei den A-Jugendlichen. Katja Gotthardts Mutter Marianne erzählt, dass es ihrer Tochter damals gar nicht so recht war, häufig in den lokalen Medien präsent zu sein. Katja Gotthardt teilt diese Erinnerung nicht. „Im Nachhinein bin ich stolz auf die Erfolge in dieser Zeit“, so die heute 36-Jährige.

In den folgenden Jahren lief es nicht mehr ganz so erfolgreich, weil sie mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. Im Jahr 2000 begann sie mit dem Biologie-Studium in Düsseldorf und musste ihr Trainingspensum reduzieren. Ihre Karriere im Leistungssport fand dann 2003 langsam ihren Ausklang.

Zurück aus San Francisco

Sicherlich ähnlich aufregend wie im sportlichen Erfolgsjahr ging Katja Gotthardts Vita weiter. Nach Promotion am Max-Planck-Institut in Dortmund und einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt in San Francisco wohnt sie seit vier Monaten in Österreich. Von ihrer Arbeit in Kufstein aus versucht sie mindestens einmal im Monat, ihre Familie in Castrop-Rauxel zu besuchen. Der Kontakt zu ehemaligen Trainern wie dem mittlerweile verstorbenen Gisbert Schneider und Heinz Josef Ernst (nach Hamburg gezogen) ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.

Dennoch ist die Europastädterin, die sich optisch im Vergleich zu ihren Jugendjahren kaum verändert hat, sportlich aktiv. Aber nicht mehr über die Sprintdistanz. Im April lief Katja Gotthardt ihren ersten Halbmarathon in Hannover. Es gibt sicherlich schlechtere Orte zum Trainieren als das österreichische Alpenpanorama.

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