Vor fünf Jahren spielte eine Nationalmannschaft in der Bundesliga der Korbjäger mit. Das Projekt war wichtig zur EM-Vorbereitung. Allerdings stellte es den Trainer vor schwierige Aufgaben.

Castrop-Rauxel

, 10.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Jahr 2017 gab es einen Aufruhr, weil die chinesische U20-Juniorenfußball-Nationalmannschaft in der deutschen Regionalliga Südwest mitspielte. Das Projekt wurde vom DFB nach vier Monaten wegen der Widerstände der Klubs beendet.

Eine Nationalmannschaft kann durchaus ohne Kritik in einer Liga mitspielen. Das haben die heimischen Korfballer vor fünf Jahren bewiesen. Im März 2014 mischte die von Trainer Detlef Dülfer aufgestellte U21-Auswahl in der Regionalliga – Deutschlands höchster Spielklasse – mit.

Die Nachwuchskorbjäger bereiteten sich mit den Partien der Saison 2013/14 für die Europameisterschaft 2014. Diese sollte in Antalya stattfinden. Der türkische Verband gab aber seine Gastgeberrolle wenige Monate vor Anpfiff ab. Gespielt wurde letztlich in Olmütz (Tschechische Republik).

Besser als Training

Im Sommer 2013 hatten die Korfball-Vereine auf ihrem Staffeltag beschlossen, dass die U21 gegen alle Regionalliga-Teams spielen solle. Profitieren sollten davon beide Seiten, sowohl die Nationalmannschaft wie auch die Vereine. „Training ist schön und gut“, erklärte damals Detlef Dülfer, „aber ein Spiel unter Wettkampfbedingungen ist viel besser.“ Die U21-Equipe hatte nun zwölf zusätzliche (Test-)Spiele im Vorbereitungsprogramm. Diese Partien wurden wochentags zu Zeiten des Vereinstrainings ausgetragen.

Die Auftritte der U21- Mannschaft sollen „keine Freundschaftsspiele sein“, erklärte Dülfer, „sind aber auch keine regulären Meisterschaftsspiele“. Deshalb wurden in der kommenden Saison zwei Regionalliga-Tabellen geführt: eine mit dem U21-Team und eben eine bereinigte, die offizielle, ohne die nationale Auswahl. Die U21-Vertretung durfte nämlich in keine Entscheidung eingreifen, weder einen internationalen Startplatz belegen noch Meister werden.

Die Korfball-Regionalliga wurde im Jahr 2014 in zwei Tabellen gewertet

Trainer Detlef Dülfer © Engel

Detlef Dülfer erinnerte sich am Mittwoch an das Projekt, das er noch vor seinem Amtsantritt als Trainer mitangestoßen hatte. Er sagte jetzt: „Wir haben zwar nur ein Spiel gewonnen. Dennoch würde ich es immer wieder so vorschlagen und durchziehen.“

Eigentlich hatte der niederländische Korfballverband KNKV den Anstoß zu der Idee gegeben. Dieser hatte vorgeschlagen, dass die deutsche A-Nationalmannschaft in einer der Spielklassen im Nachbarland mitwirken solle. Dazu kam es aber aufgrund der weiten Fahrten nicht.

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Ein wenig wurde dann auch der U21 das Reisen zum Verhängnis: Bei der Partie beim TuS Schildgen (13:17) in Bergisch Gladbach blieb ein Teil der Nachwuchskorbjäger auf der Autobahn im Stau stecken. Der Anwurf verzögerte sich. Dülfer: „Wir mussten dann vor Ort auch noch die Spielzeit verkürzen, weil am Abend um 22 Uhr die Halle abgeschlossen wurde.“

Ein Duell musste sogar kurzfristig abgesagt werden, beim Regionalliga-Meister SG Pegasus Rommerscheid in Bergisch Gladbach. „Wir haben nur Verletzte in der Mannschaft“, wurde Detlef Dülfer damals zitiert, „die langen Wochenenden für meine Spieler in ihren Teams im Ausland bei Europa Cup und Europa Shield haben ihren Tribut gefordert.“

Nur ein Sieg gegen HKC Albatros

Den einzigen Saisonsieg feierte die U21 Ende Februar im Duell mit dem HKC Albatros, bei dem Detlef Dülfer ebenfalls Trainer war. Am Spieltag kümmerte sich Dülfer um seine Nationalmannschaft. Co-Trainerin Sabrina Hölken saß allein bei den Henrichenburgern auf der Bank. Beim 24:19 trugen die Auswahl-Spieler im HKC-Kader, Jan Rzisnik, Max Rzisnik, Ron Menzel, David Menzel und Lucas Frohnhöfer das Vereinstrikot. David Liepold (SG Pegasus) war mit neun Körben bester Werfer des DTB-Teams.

Aktuell hat sich Detlef Dülfer nach dem Umzug von Castrop-Rauxel zurück in seine Heimatstadt Selm komplett vom Korfball-Sport zurückgezogen. Jedes Jahr wird er aber an sein Engagement erinnert. Dann schauen die Rzisnik-Brüder, die Menzel-Brüder sowie Frohnhöfer bei ihm daheim vorbei – zu einem Feuerzangenbowle-Abend.

Das Abschneiden bei der U21-EM 2014 in Olmütz wird da wahrscheinlich kein Thema sein. Denn dieses war eher durchwachsen. Den Deutschen blieb nur Rang sieben nach einem 18:13 im Platzierungsspiel gegen Russland.

EM auf Rang sieben abgeschlossen

Das Halbfinale um die Ränge fünf bis acht verlor die DTB-Auswahl mit 15:17 gegen Katalonien. Dadurch war auch die Qualifikation für die folgende U23-Weltmeisterschaft verpasst worden. Dazu hätte das Dülfer-Team Fünfter werden müssen. Die Hintertür über die WM-Gastgeberrolle nutzte der Deutsche Turner Bund nicht.

Von der aktuellen Regionalliga-Saison hat Detlef Dülfer keine einzige Partie gesehen. Er meinte aber am Mittwoch: „Ich versuche, beim Spiel des HKC Albatros gegen Pegasus 2 in der Halle zu sein.“ Am Sonntag, 31. März, laufen die Henrichenburger ab 10.45 Uhr in der Habinghorster Sporthalle an der B235 gegen die ebenfalls abstiegsgefährdeten Gäste aus dem Rheinland auf.

Seinen Nachfolgern als DTB-Auswahltrainern würde Dülfer eine Neuauflage seines Projektes ans Herz legen, trotz der Hindernisse, die überwunden werden müssen. Er sagt: „Die Idee ist weiterhin super. Wir mussten bei der Umsetzung nur ein wenig rumschustern.“