DFB-Trainer Jogi Löw hat Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller aussortiert. Wir haben einige heimische Fußball-Übungsleiter gefragt, welche Meinung sie zu dieser Entscheidung haben.

Castrop-Rauxel

, 08.03.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Joachim Löw greift durch: Der Fußball-Bundestrainer sortiert die FC-Bayern-Spieler und 2014er-Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng aus. Das Trio soll nicht mehr berücksichtigt werden.

Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

Marc Olschewski, Trainer des VfB Habinghorst © Volker Engel

Der bekennende Bayern-Fan Marc Olschewski, Trainer des Kreisliga-B-Spitzenreiters VfB Habinghorst, vertritt bei dem Thema eine interessante Meinung: „Ich sehe eine Gesichtsveränderung der Nationalmannschaft als unumgänglich. Die Leistungen der drei Spieler stimmten in den letzten Jahren wirklich nicht mehr.“ Der Zeitpunkt und die Art und Weise seien allerdings „der Weltmeister nicht würdig“. Olschewski sagt: „Ich hätte mir auch eine Veränderung auf der Trainerposition gewünscht.“


Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

© Jens Lukas

Michael Wurst, Trainer des Landesliga-Meisters FC Frohlinde, betont: „Ein Umbruch ist notwendig. Allerdings würde ich bei keinem Spieler die Tür endgültig schließen. Wenn ein Spieler Leistung bringt, muss er ein Thema für die Nationalmannschaft sein – unabhängig vom Alter.“


Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

Marco Taschke von der SG Castrop. © Volker Engel

Marco Taschke, der zusammen mit Dennis Hasecke die SG Castrop in der Bezirksliga betreut, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Er erklärt: „Ich bin kein Freund davon, Spieler nach ihrem Alter zu beurteilen – sondern einzig nach Leistung. Somit würden Boateng und Müller nicht zum derzeitigen Kader gehören. Das sollte aber keine endgültige Entscheidung sein.“ Hummels sei laut Taschke „nach wie vor ein Weltklassespiele“. Mit Ausnahme von Niklas Süle gebe es niemanden, der ihn als Innenverteidiger ersetzen könne. Taschke geht mit einer These steil. Er meint: „Wenn es Streichungen gibt, dann gehört Manuel Neuer für mich auch dazu.“


Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

Aytac Uzunoglu, Trainer des SV Wacker Obercastrop. © Volker Engel

Eine Meinung zur Löw-Entscheidung vertritt auch Aytac Uzunoglu, Coach des Landesligisten SV Wacker Obercastrop. Er sagt: „Mit dieser Entscheidung wird das Mannschaftsgefüge mit ihren Führungsspielern und Wortführern grundlegend geändert. Sportlich muss man von Fall zu Fall unterscheiden.“ Hummels habe zuletzt sehr stabil gewirkt und sei auf dem Weg zur Topform gewesen. Uzunoglu sagt: „Ich denke aber, dass Löw taktisch offensiver verteidigen möchte und Innenverteidiger braucht, die sich ins Mittelfeldpressing einschalten. Ohne durch Geschwindigkeitsdefizite konteranfällig zu sein.“


Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

Martin Broll, Sportlicher Leiter des SuS Merklinde. © Volker Engel

Auf die Palme bringt die Löw-Entscheidung offenbar Martin Broll, den Sportlichen Leiter und Interimstrainer beim SuS Merklinde (Kreisliga A). Er betont: „Der Zeitpunkt des Aussortierens ist absolut falsch.“ Jogi Löw hätte personelle Konsequenzen nach der WM 2018 in Russland vornehmen sollen – oder damals selbst zurücktreten.

Broll sagt zudem: „Hummels ist noch immer einer der besten Innenverteidiger in Europa und hätte bei einem Neuaufbau den jungen Spielern gutgetan.“


Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

Jimmy Thimm, Coach des FC Frohlinde II. © Volker Engel

Jimmy Thimm, der Coach des FC Frohlinde II (Kreisliga A), meint: „Egal, wann und wie so eine Entscheidung verkündet wird – es wird immer jemanden geben, der daran etwas auszusetzen hat.“ Es sei aber Löws gutes Recht, den Zeitpunkt selbst zu wählen. Jetzt müsse der Bundestrainer allerdings auch den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.


Die meisten heimischen Trainer sagen:  „Löw hat zu spät reagiert“

Stephan Böhm, der Trainer des SC Arminia Ickern. © Volker Engel

Stephan Böhm, der neue Trainer des SC Arminia Ickern (Kreisliga A), vertritt die Auffassung: „Ich finde die Entscheidung konsequent und gut. Der Zeitpunkt wird für die Außenstehenden überraschend sein.“ Im Fall Hummels stellt sich Böhm die Frage, ob dieser „als erfahrener Hase den jungen Spieler nicht sogar noch hätte helfen können“. Das hätte noch nicht einmal als Start-Elf-Spieler sein müssen. Als Kadermitglied hätte er den jungen Spielern bestimmt gute Tipps geben können. Stephan Böhm sagt: „Jetzt hoffe ich, dass Löw seine Linie durchzieht – auch wenn es zwischenzeitlich Misserfolge oder Rückschläge gibt.“

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