FLVW-Multi-Funktionär schaut sich Spiele von allen Clubs an

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In Westfalen gibt es 21 überkreisliche Fußball-Ligen. Gleich drei davon werden von einem Mann betreut. Damit nicht genug. Er macht im FLVW noch viel mehr.

Castrop-Rauxel Dortmund

, 29.07.2020, 06:05 Uhr / Lesedauer: 5 min

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) ist die Dachorganisation für den Westfälischen Amateurfußball. Um dessen Arbeit zu bewältigen, braucht es Funktionäre, die im überkreislichen Sektor 21 Staffeln betreuen: in der Oberliga (1 Liga), Westfalenliga (2), Landesliga (4) und Bezirksliga (14). Demnach werden 21 Staffelleiter benötigt. So viele sind es aber nicht. Denn es gibt zum Beispiel Klaus Overwien aus Waltrop, den „Weltmeister“ unter den westfälischen Staffelleitern. Er ist dreifach im Einsatz: in der Landesliga 3 sowie den Bezirksligen 9 und 14. Vollends zum Multifunktionär wird Overwien als Mitglied im Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA) und als Westfalenpokal-Spielleiter. Wie diese ehrenamtliche Arbeits-Vielfalt zu stemmen ist, darüber sprachen wir mit dem Mitglied des Dortmunder Clubs RW Germania.

Herr Overwien, Sie sind Mitglied im Verbands-Fußball-Ausschuss des FLVW. Wieviele Personen gehören diesem Gremium an, und wie oft trifft man sich in einer Saison?

Der VFA besteht aus fünf Mitgliedern. Vorsitzender ist Reinhold Spohn aus dem Fußballkreis Herne/Castrop-Rauxel. Neben mir gehören Alfred Link, Manfred Schnieders, Hans-Dieter Schnippe, Freidhelm Schey und für den Frauenfußball Marianne Enke-Holtz dazu. In Normalzeiten treffen wir uns in einer Saison sechs oder sieben Mal in der Sportschule Kaiserau. Seit der Corona-Pandemie wird fast alles in Video-Konferenzen geregelt. Mehr Arbeit macht der Westfalenpokal, für den ich als Spielleiter häufiger in Kaiserau bin bei Auslosungen oder Sponsoren-Gesprächen mit der Krombacher-Brauerei, mit der wir seit vielen Jahren als Partner gut zusammenarbeiten.

Klaus Overwien aus Waltrop.

Klaus Overwien aus Waltrop. © FLVW

„Ich bin nicht der Handwerks-Typ, der im beruflichen Ruhestand sein Haus umbaut. Ich brauche aber Herausforderungen, die mich geistig fit halten, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen.“
Klaus Overwien

Als VFA-Mitglied waren Sie zuletzt mit den überkreislichen Staffel-Einteilungen beschäftigt. Vor jeder neuen Saison eine wichtige Entscheidung für die Vereine. Sorgte die Veröffentlichung diesmal für größeren Ärger?

Nein, nicht mehr als in den Vorjahren. Die größte Aufregung gab es bei der Spvg Erkenschwick und dem TuS 05 Sinsen, die von der Westfalenliga 2 in die Staffel 1 versetzt worden sind. Wir wollten zwei 18er-Staffeln bilden, was ohne eine Umgruppierung von Erkenschwick und Sinsen nicht möglich war, wenn diese Nachbarschafts-Derbys nicht wegfallen sollten.

Und wie groß war die Aufregung unter Ihren Vereinen in der Landesliga 3?

Von dort gab es keine Beschwerden, da sich für die meisten Klubs so gut wie nichts verändert hat. Sieht man davon ab, dass die Westfalenliga-Aufsteiger Wacker Obercastrop und TuS Bövinghausen nicht mehr da sind, sowie die Bezirksliga-Aufsteiger SG Welper, Türkspor Dortmund, Erler SV und SW Wattenscheid 08 hinzukamen, spielen in dieser 18er-Staffel alle Vereine, die schon in der abgebrochenen Corona-Saison dort gekickt haben.

Durch die Erhöhung der Bezirksliga-Staffeln von 12 auf 14 lag Ärger bei einigen Vereinen quasi auf der Hand - hat sich das in Ihren Staffeln bestätigt?

Negative Rückmeldungen hatte ich nur von Dortmunder Bezirksligisten, die nun in Staffeln 8 und 9 auflaufen. Die Dortmunder Trainer sehen sich nämlich auf einer Insel. Was um sie herum passiert, interessiert sie nicht. In den sozialen Netzwerken machen sie sich zusätzlich heiß. Geographische Gesichtspunkte spielen da keine Rolle. Die aber muss der VFA berücksichtigen. Für die Dortmunder Klubs sind neue Auswärts-Fahrten nach Lüdinghausen, Nordkirchen und Olfen kein Hexenwerk. Ganz zu schweigen von Auswärtsspielen in Castrop-Rauxel, die kürzer sind als jene zu einigen innerstädtischen Gegner. Überrascht war auch der SuS Olfen, der nie ins Ruhrgebiet wollte wegen der völlig anderen Münsterland-Mentalität. Aber es gab auch einen höchst erfreuten Anruf aus Castrop-Rauxel von Peter Wach, dem Geschäftsführer der Spvg Schwerin.

Wie sind Staffel-Einteilungen nach der geographischen Lage der Vereine zu verstehen? Nennen Sie ein Beispiel.

Nehmen wir die Bezirksliga 9 - und dort die beiden Vereine aus Schwerte. Sollen die zu ihren Auswärtsspielen ständig durch ganz Dortmund gurken müssen, um zu Spielen in Castrop-Rauxel, Lüdinghausen, Nordkirchen oder Olfen zu kommen, wo Dortmunder Gegner vor der Haustür liegen?

Als Staffelleiter der Bezirksliga 9 mit Vereinen aus Castrop-Rauxel, Dortmund und dem Münsterland betreten auch Sie viel Neuland. Besuchen Sie diese Neulinge alle, um sich vorzustellen. Oder reicht ein Telefongespräch?

Wegen Corona werde ich versuchen, mich in Video-Schaltungen vorzustellen. In Vereinsheimen sind direkte Gespräche ohnehin nicht erlaubt. Außerdem kenne ich viele Verantwortliche und Trainer aus Dortmund schon. Beim SuS Olfen kenne ich den Sportlichen Leiter Norbert Sander gut, beim FC Nordkirchen Trainer Plechaty. Allein mit Union Lüdinghausen gab es bisher keine Berührungspunkte, was ich aber schnell ändern werde.

Zur Person

Klaus Overwien

  • Klaus Overwien ist 63 Jahre alt, hat als Bankkaufmann in verantwortlicher Position gearbeitet und ist seit 2015 im Vorruhestand. Ab dem 1. September 2020 ist er Rentner.
  • Er ist verheiratet, hat einen Sohn und wohnt in Waltrop (Kreis Recklinghausen). Er ist Mitglied bei Rot-Weiß Germania im Fußballkreis Dortmund.
  • Im FLVW ist Klaus Overwien tätig als Mitglied im Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA), Spielleiter für den Westfalenpokal der Herren sowie in der Saison 2020/2021 Staffelleiter der Landesliga 3 wie auch der Bezirksligen 9 und 14.
  • Er bekleidet noch ein weiteres Ehrenamt. Er ist Schöffe am Amtsgericht Recklinghausen.

Und wie sieht Ihr Wissensstand rund um die neu installierte Bezirksliga 14 aus?

Dort spielen Vereine aus Recklinghausen, Bottrop, Gelsenkirchen und Gladbeck, die ich alle bestens kenne. Wirklich neu sind für mich dort nur die Aufsteiger Spvg Erle 19, SV Hessler 08 und Genclikspor Recklinghausen, sowie die aus der Staffel 11 umgruppierten TSG Dülmen mit dem mir bekannten Trainer Manni Wölpper, SF Merfeld und SV Lippramsdorf. Diese Neulinge kennenzulernen, sollte nicht schwerfallen.

Sie betreuen in der Saison 2020/2021 nun 50 Vereine in der Landesliga und den Bezirksligen 9 und 14, wie stark erhöht sich dadurch der wöchentliche Zeitaufwand?

So viel Mehrarbeit ist das nicht. In der Vorsaison musste ich nach jedem Spieltag im DFB-Net bei 32 Vereinen 16 Spielberichte durchgehen, nun sind es 25 bei 50 Klubs. Gegenüber früher mit den Spielberichten auf Papier, verkürzt der heutige elektronische Spielbericht den Zeitaufwand erheblich.

Trotzdem sind Ihre Sonntage mit der Bearbeitung von Spielberichten aus drei Staffeln doch wohl reichlich verplant, oder?

Nein, am Sonntag picke ich mir ein Spiel in meinen Staffeln heraus, das ich mir im Stadion anschaue. Dadurch sehe ich im Saisonverlauf alle Vereine live. Wenn ich gegen 17.15 Uhr wieder daheim bin, werfe ich einen flüchtigen Blick auf die Spiele, um zu sehen, ob irgendwo etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Der Rest des Sonntags gehört der Familie.

Wann bearbeiten Sie dann im DFB-Net die Spielberichte gründlich? Wie lange dauert das?

Am Montagmorgen setze ich mich an den Computer und gehe alle Spielberichte durch. Wenn nichts Gravierendes passiert ist in einer Staffel, dauert das knapp eine Stunde. Gab es viele Rote oder Gelb-Rote Karten, dauert es eben länger. Rot-Sperren bis zu vier Spielen kann ich aussprechen. Alles darüber hinaus leite ich weiter an die Verbands-Gerichtsbarkeit. Bei der fünften Gelben Karte müssen die Vereine selbst darauf achten, dass dieser Spieler einmal aussetzt.


Klaus Overwien nimmt in der Sportschule Kaiserau die Auslosungen für den Westfalenpokal-Wettbewer vor - im Beisein der Vertreter der qualifizierten Vereine.

Klaus Overwien nimmt in der Sportschule Kaiserau die Auslosungen für den Westfalenpokal-Wettbewer vor - im Beisein der Vertreter der qualifizierten Vereine. © FLVW

Was sieht es mit den Anstoßzeiten aus? Ändert Corona etwas daran?

Grundsätzlich bleibt die Anstoßzeit für überkreislichen Spiele sonntags um 15 Uhr. Aber durch Corona könnte es zu Verschiebungen auf 16 oder 17 Uhr kommen, wenn zum Beispiel die Hygiene-Bestimmungen der jeweiligen Städte eine Kabinen-Reinigung nach jedem Spiel vorschreiben und vorher die Jugend und Zweite Mannschaft gespielt haben.

Wie umfangreich ist neben der Bearbeitung der Spielberichte der sonstige Arbeitsaufwand eines Staffelleiters?

Es gibt das ein oder andere Telefonat, wenn Vereine irgendwelche Fragen haben. Im Grunde ist es wie im richtigen Leben, es gibt Vereine, von denen ich das ganze Jahr über nichts höre, aber auch solche, die ich ständig im Ohr habe. Bis auf wenige Ausnahmen sind das aber vernünftige Gespräche.

Seit wann sind Sie schon Staffelleiter, und wie wird man das überhaupt?

Im Jahr 2004 bin ich im Fußballkreis Recklinghausen als Staffelleiter eingestiegen. Der leider bereits verstorbene Albert Hess hat mich dorthin gelotst. Der Wechsel zur FLVW-Ebene folgte 2012 - damals musste ich dafür noch bei einem Bezirksliga-Staffeltag in Recklinghausen gewählt werden.

Klaus Overwien ist sonntags reihum auf den Sportplätzen der Vereine, deren Staffelleiter er ist, anzutreffen.

Klaus Overwien ist sonntags reihum auf den Sportplätzen der Vereine, deren Staffelleiter er ist, anzutreffen. © Hermann Klingsieck

Vor einigen Jahren sind Sie in den Fußballkreis Dortmund gewechselt, warum das?

Es gab in Recklinghausen einige Unstimmigkeiten, mehr will ich dazu aber nicht sagen. Mir ist es damals echt schwergefallen, meinen Verein VfB Waltrop nach über 30 Jahren zu verlassen. In Fußballkreis Dortmund bin ich nun Mitglied bei Rot-Weiß Germania.

Zum Abschluss die alles entscheidende Frage: Haben Sie überhaupt selbst Fußball im Verein gespielt?
In Schulmannschaften habe ich Fußball gespielt, in einem Verein tatsächlich nie - meine Mutter wollte das nicht.

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