Korbjäger probieren etwas Neues aus und spielen keinen DTB-Titel aus

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Erstmals seit 13 Jahren können die Korfballer ihren DM-Titel nicht unter dem Dach des DTB ausspielen - wegen der Corona-Krise. Die Korbjäger haben aber ein Weg gefunden, einen Meister zu ermitteln.

Castrop-Rauxel

, 08.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte April war es amtlich: Durch den Abbruch der Regionalliga-Saison 2019/20 wegen der Corona-Pandemie ist der KV Adler Rauxel der Deutsche Meister der Korfballer geworden. Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren die Adleraner Spitzenreiter und durften somit den 26. DM-Titel ihrer Vereinsgeschichte feiern. In den Wochen danach machten sich die Verbandsfunktionäre der Korbjäger an die Arbeit, die neue Saison zu planen. Das hatte Tücken. Denn der Deutsche Turner Bund (DTB), seit 13 Jahren der Dachverband der Korfballer, hat ein Stoppschild gesetzt.

Neuer Namenszusatz

Ende Mai hatten die Mitglieder des Technischen Komitees Korfball (TK) im DTB eine ernüchternde Nachricht bekommen. Demnach untersagt der Deutsche Turnerbund im Kalenderjahr jegliche Wettkampfveranstaltungen unter seiner Flagge. Der Castrop-Rauxeler Jan Weber-Winkels, im TK zuständig für das Wettkampf- und Schiedsrichterwesen, erklärt: „Nachdem wir diese Information erhalten haben, wurde es noch einmal sehr arbeitsreich. Nach intensiven Gesprächen, Überlegungen und Telefonaten musste eine Lösung für unsere überregionale Liga gefunden werden.“ Somit wird die Regionalliga für Jahr mit dem Namens-Zusatz „WTB“ anstatt „Nord-West“ geführt.

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Diskutiert wurd das Thema „Finalspiele“. In der Vergangenheit gab es stets Play-Off-Endspiele zwischen dem Ersten und dem Zweitplatzierten der Abschluss-Tabelle zur Ermittlung des Meisters. Für die Saison 2020/21 probieren die Korfballer etwas Neues aus - nach dem Vorbild der Korfbal League, der Top-Liga im Korfball-Mutterland Niederlande. Demnach bekommen die vier Erstplatzierten die Chance auf den Titelgewinn. Denn es wird zunächst Halbfinal-Partien im Best-of-Three-Modus (Wer zuerst zwei Siege verbucht, hat gewonnen) und ein anschließendes Finale zwischen den beiden Halbfinal-Siegern geben.

Patrick Fernow, Coach des Meisters KV Adler Rauxel.

Patrick Fernow, Coach des Meisters KV Adler Rauxel. © Jens Lukas

Meister-Coach befürchtet Langeweile

Patrick Fernow, der Trainer des amtierenden Meisters KV Adler Rauxel, meint: „Ich finde den Modus eigentlich etwas langweilig. Denn die Lücke und das Leistungsgefälle zwischen Platz vier und fünf ist in der Liga größer als unter den Top 4. Das macht die Saison wahrscheinlich zum Selbstläufer. Die eigentliche Saison startet dann erst mit dem Halbfinale so richtig.“ Denn Fernow glaubt nicht daran, dass der HKC Albatros bereits oben mitmischen kann. Fernow: „Die Albatrosse haben sich sehr gut gemacht, aber für die Top 4 kommt es für Albatros wohl noch etwas zu früh. Über eine Überraschung würde ich mich freuen.“

Der Niederländer Wilco van den Bos, der Trainer des Vizemeisters TuS Schildgen (Rheinland) und zugleich der deutschen Nationalmannschaft ist, erklärt: „Das ist eine gute Entscheidung, diesen Modus zu nehmen. Die Halbfinals mit bis zu drei Spielen pro Team und dann das große Finale. Dadurch gibt es mehr Duelle zwischen den Top-4-Mannschaften als in den vergangenen Jahren.“

Fabian Kloes ist seit Beginn der Saison 2019/20 Trainer des Schweriner KC.

Fabian Kloes ist seit Beginn der Saison 2019/20 Trainer des Schweriner KC. © Jens Lukas

Fabian Kloes, der Coach des Schweriner KC, meint: „Ich finde es super, dass wir immer wieder nach Wegen suchen, unsere Liga zu entwickeln. In der Theorie klingt der neue Modus toll.“ Kloes erhofft sich dadurch „mehr Spiele auf Top-Niveau und am Ende ein richtiges Finale.“ Dieses sei ein schönes Event für ganz Korfball-Deutschland.

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Pegasus-Trainer: „Die Mannschaft muss liefern“

Beim Vize-Meister SG Pegasus Rommerscheid (Rheinland) gibt es ein neues Trainer-Duo: Ali Enzar Hrustic und Thorben Hußmann. Hrustic sagt: „Ich finde den neuen Playoff-Modus sehr gut. Dort erwarten uns spannende Spiele, in denen meine Mannschaft liefern muss. Für diese Spiele trainiert man als Sportler.“ Hußmann meint: „In den vergangenen Jahren waren die ersten vier Plätze unter den gleichen Teams klar verteilt. Der neue Modus entwertet die Liga-Spiele vor dem neuen Play-Off. Ausrutscher in den Spitzenspielen der Liga sind jetzt nicht mehr so schlimm. Trotzdem haben wir natürlich den Anspruch, den ersten Platz zu belegen, um einen Heimvorteil im Play-Off zu haben.“

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