Marc Kruska: „In der Kabine herrschte Totenstille"

Nach Abstieg mit FSV Frankfurt

Der Castrop-Rauxeler Profi-Fußballer Marc Kruska ist mit Zweitligist FSV Frankfurt vergangenen Sonntag trotz des 2:1-Sieges gegen den TSV 1860 München in die 3. Liga abgestiegen. Der punktgleiche MSV Duisburg (1:0 gegen RB Leipzig) darf aufgrund des besseren Torverhältnisses in der Relegation spielen. Im Interview spricht der 28-jährige Rauxeler über die vergangenen Tage und seine Zukunft.

CASTROP-RAUXEL

, 19.05.2016, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marc Kruska: „In der Kabine herrschte Totenstille"

Der Castrop-Rauxeler Fußball-Profi Marc Kruska (links) konnte nach dem Abpfiff der Saison 2015/16 am vergangenen Sonntag nicht fassen, dass sein FSV Frankfurt in die 3. Liga absteigen muss.

Herr Kruska, der Abstieg mit dem FSV Frankfurt ist der erste in Ihrer Profi-Laufbahn. Haben Sie diese Situation bereits realisieren können?

Das ist für mich ein sehr unwirkliches Gefühl, das ich noch nicht kenne. Es macht abends das Einschlafen ehrlich gesagt wirklich schwieriger.

Mit ihrer 2:1-Führung nach dem 0:1 gegen München hat Ihre Mannschaft gute Voraussetzungen geschaffen, die Relegation zu erreichen. Wie haben Sie von den Ständen des Duisburg-Spiels erfahren?

Die Spielstände wurden an der Anzeigetafel nicht eingeblendet. Auf unserer Einwechselbank waren aber alle auf dem Laufenden. Da hat man an den Gesichtern ablesen können, dass etwas passiert ist. Nach dem Abpfiff war es dann klar, dass Duisburg überraschend gewonnen hat.

Wie haben Sie die ersten Reaktionen Ihrer Mitspieler nach dem Abpfiff des Spiels erlebt?

Das war bei ihnen so wie bei mir. Es herrschte eine große Enttäuschung und Leere bei jedem Einzelnen. Jeder war in sich gekehrt. In der Kabine herrschte dann auch eine Totenstille.

Wie war der Tag danach?

Wir hatten eine Zusammenkunft, bei der Vorstand und Trainer nochmals das Wort an uns gerichtet haben. Auch da hat man die große Enttäuschung eines jeden Einzelnen gespürt. Ich denke, wir sind nicht erst am Sonntag abgestiegen. Schließlich haben wir in den elf Spielen davor keinen Sieg verbucht.

FSV-Trainer Falko Götz hat die mögliche Fortsetzung seiner Arbeit in der 3. Liga auch damit verknüpft, dass Sie und einige weitere, gestandene Spieler dabei bleiben sollen. Haben Sie davon gehört? Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Es ist schön, solche Sätze in der Zeitung zu lesen. Die Aussage des Trainers zeigt mir zumindest, dass ich mich nicht umsonst stets für die Mannschaft und den Verein reingekniet habe.

Könnten Sie sich also vorstellen, beim FSV Frankfurt zu bleiben und in der 3. Liga zu spielen?

Ehrlich gesagt, steht noch nichts fest. Allerdings ist mir daran gelegen, recht schnell eine Lösung für meine Zukunft zu finden. Derzeit muss ich abwarten, wer auf mich zukommt.

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Marc-André Kruska - Stationen seiner Karriere

Der Castrop-Rauxeler Marc-André Kruska hat sich im Profifußball etabliert. Wir haben ihn dabei begleitet. Hier finden Sie die Stationen seiner Karriere in Bildern.
27.10.2010
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Marc Kruska (l.) ist mit dem FSV Frankfurt zur Saison 2015/16 in die 3. Liga abgestiegen. Für den Rauxeler geht es zwar eine Liga tiefer, aber das nicht in Frankfurt sondern in Paderborn.© Foto: dpa
Ein Bild aus alten Zeiten beim VfR Rauxel: Marc Kruska (o.3.v.l.) spielte bei den F-Junioren. Auch mit dabei: Kruskas heutiger Zweitliga-Kollege Christopher Nöthe (o.1.v.r.).© Foto: Archiv
Nicht nur beim VfR, auch später beim BVB war Kruska (r.) gemeinsam mit Christopher Nöthe am Ball, der demnächst für den FC St. Pauli aufläuft.© Foto: Jens Lukas
Beide besuchen gerne ihre alte Wirkungsstätte, das "Waldstadion".© Foto: Jens Lukas
Seine Wurzeln beim VfR hat Marc nie vergessen.© Foto: Jens Lukas
Sein Weg führte ihn zu Borussia Dortmund. Viereinhalb Jahre sollte der Mittelfeldspieler das Trikot des BVB tragen.© Foto: dpa
Mit 17 Jahren und fünf Monaten feierte er am 13.11.2004 sein Erstliga-Debüt für den BVB. Dabei spielte der 1987 geborene Kruska mit internationalen Stars wie den beiden Tschechen Jan Koller (l.) und Tomas Rosicky zusammen.© Foto: dpa
Für Borussia Dortmund machte Marc Kruska insgesamt 105 Spiele und erzielte zwei Tore.© Foto: dpa
Für die U19-Auswahl trug Marc-André (l.) das Trikot mit dem Adler - hier gegen die Niederlande.© Foto: dpa
In der U21 war Marc Kruska (r.) - hier mit Andreas Beck gegen Luxemburg - sogar zwischenzeitlich Kapitän.© Foto: dpa
Im März 2009 war Kruska (u.2.v.l.) Teil der deutschen U21-Nationalmannschaft und lief mit Spielern wie Manuel Neuer (o.l.) oder Jerome Boateng (o.2.v.r.) auf. Damals ebenfalls dabei: der Castrop-Rauxeler Baris Özbek (u.r.).© Foto: dpa
Trainer Jürgen Klopp im Gespräch mit Marc-André Kruska. Beim BVB-Coach hatte der junge Rauxeler einen schweren Stand.© Foto: imago
Neues Trikot, neue Heimat: Kruska wagte den Schritt von Dortmund nach Belgien. In der Winterpause 2008/2009 unterschrieb der Rauxeler beim FC Brügge. © Foto: Archiv
Bei Brügge trug Marc-André die Rückennummer 24.© Foto: Jens Lukas
Dann die Rückkehr nach Deutschland - jedoch nicht zum BVB, sondern nach Cottbus: Kruska (l.) trägt seit der Saison 2009/2010 das Trikot der Lausitzer.© Foto: dpa
Dabei konnte sich der Castrop-Rauxeler (l.) - hier gegen Hertha BSC Berlin - direkt in die Startelf spielen.© Foto: dpa
Beim FC Energie Cottbus übernimmt Marc-André Kruska (Mitte) Verantwortung: Neben dem Kapitänsamt schießt er auch die Elfmeter - wie hier im Pokalspiel gegen den SC Freiburg (26.10.2010).© Foto: dpa
Erfolgreich im Pokal: Marc Kruska (l.) zog 2010/11 mit dem FC Energie Cottbus ins Halbfinale des DFB-Pokals ein - dabei schaltete er 1899 Hoffenheim mit David Alaba aus.© Foto: dpa
Marc - hier im Viertelfinale gegen Hoffenheims Gylfi Sigurdsson - hat schon Endspielerfahrung im Pokal: Er stand bei Borussia Dortmunds Finale 2008 gegen den FC Bayern im Kader und saß auf der Bank.© Foto: dpa
Doch aus einer Wiederholung wurde nichts: Im Halbfinale des DFB-Pokals 2010/11 war für Kruska und den FC Energie Endstation. Die Cottbuser verloren 1:2 beim MSV Duisburg. Hier eine Szene aus der Zweitliga-Begegnung der beiden Teams, in der Kruska (l.) Duisburgs Filip Trojan unsanft stoppt.© Foto: dpa
Marc-Andre Kruska (li.) und Frankfurts Matthias Lehmann im Zweikampf um den Ball. In der Saison 2011/2012 war Kruska Stammspieler und absolvierte 33 von 34 Zweitliga-Spielen.© Foto: dpa
Marc-Andre Kruska (re) diskutiert mit Mannschaftskamerad Boubacar Sanogo über Tabellenplatz acht nach der Saison 2012/2013.© Foto: dpa
Der Castrop-Rauxeler Marc-André Kruska (*29.06.1987) war Stammspieler und Kapitän bei Energie Cottbus bevor er aussortiert wurde. Zur Rückrunde der Saison 2013/14 wechselte er zum FSV Frankfurt.© Foto: dpa
Mit dem FSV Frankfurt kämpfte Marc-André Kruska (l.), hier im Einsatz gegen Kaiserslautern, in der Rückserie der Saison 2013/14 um den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Nach der Saison 2015/16 musste der FSV dann absteigen – ebenso wie Kruskas neuer Verein SC Paderborn.© Foto: dpa
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Wie schaffen Sie es, Abstand von dem Negativerlebnis vom Sonntag zu bekommen?

Es wird wichtig für mich sein, in den kommenden Tagen vom Abstieg "abschalten" zu können. Am Mittwoch fliege ich mit der Familie und Freunden in den Urlaub – raus aus Deutschland. Das hellt die Stimmung auf.

Dann wird das Mobil-Telefon in den Hotel-Safe verbannt sein?

Erholen steht gewiss im Vordergrund. Es wird aber so sein, dass ich abends auf das Telefon schauen werde. Es ist mir wichtig, immer auf dem Stand der Dinge zu sein – wenn sich zum Beispiel mein Berater meldet und eine SMS schreibt.

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