Marc Kruska stoppt seine Profi-Karriere für eine neue Leidenschaft

rnWende-Jahr 2019

Das Jahr 2019 war für den Rauxeler Marc Kruska einschneidend. Er beendete seine Laufbahn als Profifußballer. Sein neuer Job hat auch täglich mit dem runden Leder zu tun - aber alles ist anders.

Castrop-Rauxel

, 31.12.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor zwölf Monaten erst erlebte der gebürtige Castrop-Rauxeler Marc Kruska den Höhepunkt seiner Fußballer-Karriere. So empfand er diese Spiele jedenfalls. Mit dem Luxemburger Meister F91 Düdelingen spielte er in der Hauptrunde der Europa League.

Das war die Premiere auf europäischer Bühne für Kruska. Borussia Dortmund und FC Brügge (Belgien) konnten ihm als die ersten Vereine seiner Profi-Laufbahn einst keine internationalen Wettbewerbe bescheren.

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Ende 2019 blickt Kruska auf ein Wende-Jahr in seinem Berufsleben zurück. Mit einem 0:0 gegen Betis Sevilla (Spanien) verabschiedete sich sein Team - ein absoluter Underdog in Europa - vor etwas mehr als zwölf Monaten mit Applaus aus der Europa League. Wenige Monate später folgten für den Rauxeler der Gewinn der Meisterschaft in Luxemburg und des nationalen Pokals.

Marc-Andre Kruska im Trikot von F91 Düdelingen

Marc-Andre Kruska im Trikot von F91 Düdelingen © imago/Majerus

Gelegenheit beim Schopf gepackt

So erfolgreich hätte es für ihn in den beiden noch verbleibenden Jahren Vertragslaufzeit in Düdelingen weitergehen können. Marc Kruska wählte allerdings einen ganz anderen Weg: Er beendete im Sommer seine Profi-Laufbahn und kehrte nach Castrop-Rauxel zurück. Der Grund dafür war ein Angebot des Zweitligisten VfL Bochum.

Dort hatte ihm Alexander Richter, der Sportliche Leiter des VfL-Talentwerks, die Position des Co-Trainers für die U19 angeboten. Marc Kruska erklärt: „Es war mein Ziel, nach der aktiven Karriere das Trainer-Handwerk zu erlernen. Ich war überrascht, dass sich diese Gelegenheit dazu schon jetzt und mit dem Einstieg in eine so hohe Altersklasse in der Junioren-Bundesliga ergab.“

Da habe er letztlich nicht mehr lange überlegt. Zumal die Bochumer Verantwortlichen ihn dabei unterstützen wollen, nach und nach alle Trainer-Lizenzen zu erwerben.

Nachwuchsspielern Tipps geben

Marc Kruska betonte im Oktober nach den ersten Eindrücken beim VfL: „Ich muss noch viel lernen, denn an der Seitenlinie zu stehen ist etwas ganz anderes als auf dem Feld. Aber darauf freue ich mich weiterhin riesig und denke, dass ich von meinen Kollegen viel mitnehmen kann.“ Er hoffe zudem, den Jungs nach seinen Jahren im Profibereich hilfreiche Tipps mit auf den Weg zu geben.

Der Kontakt zum VfL Bochum war für Kruska über Swen Holtrode zustande gekommen. Er ist Mitarbeiter des VfL-Talentwerks. Marc Kruska: „Als ich in der A-Jugend von Borussia Dortmund gespielt habe, war er dort unser Team-Manager.“

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Es kam Kruska zugute, dass der neue U19-Coach Matthias Lust wie schon in der Vergangenheit bei seinen Stationen Spvg Unterhaching, FC Augsburg und Dynamo Dresden keinen eigenen Betreuerstab mitbrachte. Der Chef-Trainer betont: „Ich setze immer darauf, dass ich von den Leuten unterstützt werden, die bei meinem neuen Job die Abläufe und die Spieler kennen.“

Lob vom neuen Chef

Lust erklärt zudem: „Bereits während des ersten Telefonats mit Marc hab ich gespürt, dass er ein guter Typ ist.“ Mit seinen Erlebnissen im Fußball könne er den Jung-VfLern gute Tipps geben. Und: „Er kann sich gerne bei mir etwas abschauen.“

Er sei sich aber auch sicher, dass Kruska seinen eigenen Stil entwickeln werde. Während Matthias Lust mit dem Profikader des Zweitligisten im Juli im Trainingslager im bayrischen Weiler war, übernahm Kruska gleich die volle Verantwortung: Er betreute zusammen mit Alexander Richter die U19 bei drei Trainingseinheiten sowie einem Spiel.

Marc Kruska im Trikot des FC Frohlinde.

Marc Kruska im Trikot des FC Frohlinde. © Volker Engel

Den Spaß an der Aufgabe als Trainer entdeckte Marc Kruska schon früh. Während seines ersten Profi-Jahres half er dabei, die E-Junioren seines Stammvereins VfR Rauxel zu betreuen.

Nun, nach seinen ersten Monaten beim VfL Bochum, sagt der 32-Jährige: „Im Verein geht es sehr familiär zu. Das gefällt mir. Auch stehen hier alle Bürotüren offen. Jeder gibt hier jedem über die Mannschafts-Grenzen hinweg Tipps.“

Kruska möchte sie alle aufsaugen. Denn er möchte bald die DFB-Elite-Jugend-Lizenz erwerben, ehe er auch die höheren Trainerscheine anstrebt.

Tor gegen Bövinghausen bleibt haften

Wenn es die Zeit erlaubt, spielt Marc Kruska sonntags auch noch selbst, und das war die größte Knallermeldung des Fußballsommers in Castrop-Rauxel. Er spielt jetzt beim Landesligisten FC Frohlinde. Dort räumten ihm die Trainer Stefan Hoffmann und Michael Wurst ein, was anderen nicht gewährt wird: Er muss nicht an allen Frohlinder Trainingseinheiten teilnehmen, wenn er andere Verpflichtungen beim VfL hat.

Zur Sache

Millionär im Amateurbereich?

  • Fußballprofi ist für viele ein Traumberuf - nicht nur für Kinder. Viele glauben: Ein paar Jährchen kicken, und schon hat man für immer ausgesorgt.
  • Also raus aus dem Profileben und rein ins Dasein eines Privatiers, der von der Rendite lebt? Experte Ulf Baranowsky sagt: „Der Großteil kann hinterher nicht die Beine hochlegen.“
  • „Dass alle Fußballer Millionäre sind, ist ein Irrglaube“, sagt Baranowsky auch. Er ist Geschäftsführer der Spielergewerkschaft der Vertragsfußballer (VdV).
  • Es gebe nur wenige Topspieler, die ein Vermögen anhäufen, das für den Rest ihres Lebens reicht. „Der Großteil kann hinterher nicht die Beine hochlegen, sondern muss früher oder später arbeiten - die meisten sofort.“
  • Von der Uni Münster zog es Baranowsky einst nach Castrop-Rauxel. Er arbeitete dort als persönlicher Referent des Bürgermeisters und für die Pressestelle der Stadt.

Zu Beginn feierte der FCF mit Kruska auch Erfolge. Bei den Castrop-Rauxeler Fußball-Anhängern ist vor allem sein Tor zum 1:0 beim 2:1-Sieg gegen den Top-Titelanwärter TuS Bövinghausen in Erinnerung geblieben.

Marc Kruska übt allerdings auch Selbstkritik: „Ich merke derzeit, dass ich meinem Team ohne die Teilnahme am Mannschafts-Training nicht so helfen kann, wie ich es möchte. Da reicht es auch nicht, dass ich beim Bochumer U19-Training oftmals aktiv mitmische.“

Sein Beruf als Co-Trainer habe allerdings Vorrang. Und der Job ist auf den ersten Blick noch zeitintensiver als jener als Kicker. Kruska: „Dazu gehört die Vorbereitung, der Aufbau und auch die Nachbereitung des Trainings sowie die Spielanalyse.“

Untätig sind Profis abseits des Platzes allerdings auch nicht, gibt Marc Kruska zu bedenken: „Dann kümmert man sich als Spieler auch intensiv um die Regeneration.“ Womöglich drückt der Castrop-Rauxeler bald zudem noch die Schulbank, um für die Trainer-Lizenz zu büffeln.

Kein Fußball-Nobody

Marc Kruska ist kein Fußball-Nobody. Er hatte als Kapitän großen Anteil daran, dass die deutsche U21-Nationalmannschaft im Jahr 2009 mit Toni Kroos, Manuel Neuer und Mats Hummels Europameister wurde.

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Er führte das DFB-Team durch die Qualifikation, fehlte in der Endrunde aber verletzt. Zu seinen BVB-Zeiten schlug er ein Angebot von Real Madrid aus. Er sollte in Spanien zunächst für das Farm-Team spielen, die Reservemannschaft der Königlichen. Jetzt kickt er also für Frohlinde.

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