Muhammed Basar: Ein Ex-Profi führt Eintracht Ickern in Richtung Kreisliga A

rnFußball-Kreisliga B

Früher spielte er vor mehreren tausend Zuschauern, nun läuft Muhammed Basar für Eintracht Ickern in der Kreisliga B auf. Dass der Ex-Profi nun in der 10. Liga spielt, hat familiäre Gründe.

Ickern

, 25.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Muhammed Basar verspätet sich zum Gesprächstermin. „Er ist wie der Brasilianer Ailton, der kam auch immer zu spät“, scherzt Cengiz Caliskan, Co-Trainer des Fußball-B-Kreisligisten Eintracht Ickern, und fügt dann aber an: „Ich habe ihn grad angerufen, er ist sofort da.“

Der 32-jährige Basar kommt aus Essen und fährt die Strecke nach Ickern mindestens einmal die Woche zum Spiel. „Die A42 war gesperrt, ich musste einen riesigen Umweg fahren“, sagt der Fußballer, als er dann am Sportplatz an der Uferstraße angekommen war.

Der Dreh- und Angelpunkt im Spiel von Eintracht Ickern

Seit dem Saisonbeginn trägt Muhammed Basar das Trikot des B-Kreisligisten Eintracht Ickern. Wer ihn im Spiel beobachtet, der bemerkt sofort, dass sich der 32-Jährige von seinen Teamkollegen abhebt. „Was er macht, hat Hand und Fuß“, sagt Ickerns 2. Vorsitzender Marc Böttger.

Basar ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt als Spielmacher der Eintrachtler. Auch dank seiner Leistungen stehen die Ickerner souverän mit zwölf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Neben zahlreichen Vorlagen steuerte Basar elf Tore in 17 Spielen bei.

Der Weg zum Profifußballer in Braunschweig

„Wir haben eine tolle Mischung mit vielen jungen und auch älteren Spielern. Die Jüngeren lernen schnell von uns Älteren, hören zu und lassen sich auch was sagen“, sagt Muhammed Basar. Sein Wort hat in der Mannschaft Gewicht. „Was Muhammed sagt, stimmt. Er ist der Typ bei uns, der das Sagen hat“, so Ickerns Trainer Erkan Gül.

Das hat nämlich vor allem einen Grund: Basar hat jahrelang als Profi Fußball gespielt. In der Jugend lief er für den ETB Schwarz-Weiß Essen in der Niederrheinliga und wurde dann für ein Wochenende beim SV Werder Bremen eingeladen. „Bei Bremen hat es aber leider nicht geklappt“, so Basar.

Mit 17 Jahren unterschrieb Muhammed Basar (l.) einen Profivertrag bei Eintracht Braunschweig. Er kam allerdings nur für die zweite Mannschaft in Pflichtspielen zum Einsatz, wie hier beim Oberliga-Spiel gegen den SV Meppen.

Mit 17 Jahren unterschrieb Muhammed Basar (l.) einen Profivertrag bei Eintracht Braunschweig. Er kam allerdings nur für die zweite Mannschaft in Pflichtspielen zum Einsatz, wie hier beim Oberliga-Spiel gegen den SV Meppen. © imago/Hübner

Stattdessen bekam er allerdings ein Angebot von Eintracht Braunschweig und zog mit 16 Jahren ins Fußballinternat des damaligen Zweitligisten. „Die ersten zwei, drei Monate waren sehr hart für mich. Ich hatte Sehnsucht nach der Familie, aber nach einiger Zeit ging es aufwärts“, gibt Basar zu.

Bereits ein Jahr später bekam der Fußballer einen Profivertrag bei den Braunschweigern. Basar saß einige Male in der 2. Bundesliga auf der Bank, zu einem Einsatz kam es für den jungen Akteur damals aber nicht. Stattdessen spielte er für die zweite Mannschaft in der Oberliga.

„Es war eine schwierige Zeit für mich. Wäre ich heute in dieser Situation, hätte ich womöglich öfter gespielt. Aber der Trainer setzte damals eher auf erfahrenere Spieler“, so Basar.

Basar spielte unter Antonios Kotziampassis bei Rot-Weiss Essen II

Im Jahr 2007 wagte er dann mit 20 Jahren den Sprung in die Türkei zum Erstligisten Trabzonspor. Allerdings war die insgesamt zweijährige Zeit in der Türkei geprägt von Ausleihen an 1461 Trabzon und Giresunspor. Basar bestritt laut eigener Aussage 20 bis 25 Spiele pro Saison in der zweiten türkischen Liga. „Es war eine schöne Atmosphäre. Die Liga ist verglichen mit Deutschland etwa auf einem mittlereren Niveau der deutschen 3. Liga“, sagt Basar.

Nach einem halben Jahr bei der Vereinigung der Vertragsfußballspieler kam er dann über den 1. FC Wülfrath zum Landesligisten Rot-Weiss Essen II. Sein Trainer damals: der Ickerner Antonios Kotziampassis. „Muhammed ist ein wirklich richtig guter Fußballer. Zudem vom Typ her richtig nett, ein sehr angenehmer Spieler und Mensch“, sagt Kotziampassis heute über ihn.

Das harte Arbeitsleben löste den Profifußball ab

Doch nach der Zeit bei Rot-Weiss Essen vollzog Basar einen harten Schritt. Er kehrte dem Fußball im überkreislichen Bereich den Rücken und wechselte zur DJK Katernberg. „Ich habe parallel zum Fußball eine Ausbildung begonnen als Stahl- und Betonbauer“, so Basar, der gesteht: „Das Arbeitsleben war für mich anfangs völlig anders: hämmern, betonieren, dreckig nach Hause kommen.“

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Sieben Jahre spielte er in Katernberg und stieg mit dem Klub im vergangenen Sommer in die Bezirksliga auf. Doch statt wieder überkreislich zu spielen, entschied sich Muhammed Basar für einen Wechsel zum B-Ligisten Eintracht Ickern - ein auf dem ersten Blick doch sehr überraschender Schritt, wohnt Basar doch schließlich in Essen.

Die Erklärung für den Wechsel ist aber einfach: Ickerns Trainer Erkan Gül ist der Cousin von Muhammed Basar. „Ich war früher immer in den Ferien bei Erkan zu Gast. Ich habe viel Blödsinn gemacht, aber auch mit Erkan trainiert. Das war immer eine gute Zeit“, sagt der heute 32-Jährige.

Muhammed Basar führt im Mittelfeld die Regie beim B-Kreisligisten Eintracht Ickern.

Muhammed Basar führt im Mittelfeld die Regie beim B-Kreisligisten Eintracht Ickern. © Marcel Witte

Nicht nur Erkan Gül, sondern auch viele Spieler des B-Kreisligisten kennt Basar noch aus früheren Zeiten - beispielsweise Sefa Bal oder Ender Demirci. Auch das war ein ausschlaggebender Grund für den Wechsel. „Ich musste eine Entscheidung treffen und habe mich für den Spaß entschieden. Den hätte ich in Katernberg auch gehabt, aber dort wäre auch dreimal pro Woche Training gewesen. Die Kraft habe ich nicht mehr. Ich möchte lieber mit meinen Freunden Fußball spielen“, so Basar.

Allerdings muss Basar derzeit noch regelmäßig die über 30 Kilometer lange Strecke zu den Trainingseinheiten und Spielen zurücklegen. Das soll sich jedoch bald ändern: „Mein Plan ist, dass ich demnächst nach Castrop-Rauxel ziehen möchte. Das Leben wäre für mich hier etwas ruhiger, ich habe hier mehr Möglichkeiten mit der Familie und kann mit denen Zeit verbringen.“ Und Eintracht Ickern als Spielmacher möglichst im Jahr 2020 in die Kreisliga A führen.

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