Rana Tokmak: "Meine Mutter kann nicht hingucken"

Gymnastin fährt zu Olympia

Rana Tokmak hat sich mit ihrer Mannschaft für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifiziert. Damit geht der sportliche Kindheitstraum der Castrop-Rauxelerin in Erfüllung. Im Interview spricht die Sportgymnastin über Olympia-Euphorie, einen Moment von Zweifel und ihren größten Fan.

CASTROP-RAUXEL

von Florian Kopshoff

, 27.04.2016, 05:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rana Tokmak: "Meine Mutter kann nicht hingucken"

Rana Tokmak führt das Team der Deutschen als Kapitänin an.

Frau Tokmak, herzlichen Glückwunsch zur Qualifikation für die Olympischen Spiele. Haben Sie schon begriffen, was passiert ist?

Ich kann es immer noch nicht fassen. Das ist einfach traumhaft.

Sie haben mit der Mannschaft bei den Rio-Test-Events – der letzten Gelegenheit zur Qualifikation – den ersten von sechs Plätzen belegt. Wie haben Sie den Wettkampf erlebt?

Wir haben am Ende relativ deutlich gewonnen. Als einzige Mannschaft sind wir dabei fehlerfrei geblieben. Das war unser bester Wettkampf seit vier Jahren.

Die erste Chance zur Qualifikation hatten Sie bei der WM in Stuttgart noch wegen einiger Verluste verpasst…

Diesmal herrschte eine ganz besondere Stimmung im Team. Wir haben an den Tagen vor unserem Wettkampf das Turnen und Trampolinspringen beobachtet. Die deutschen Mannschaften haben die Qualifikation geschafft. Wir haben gesehen, wie sich die Sportler gefreut haben. Das hat uns zusätzlich motiviert. Und wir haben uns gegenseitig gepusht. Alle dachten: Wir schaffen das. Ja, wir waren uns fast schon sicher. Das gab es so noch nie. Obwohl wir ein sehr schlechtes Podiums-Training (letztes Training vor dem Wettkampf, Anm.d.Red.) gezeigt haben. Das war noch eine einzige Katastrophe.

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Eine verpatzte Generalprobe vor der gelungenen Vorstellung also?

So haben wir es uns eingeredet!

Beinahe hätten Sie die Gelegenheit zur Qualifikation mit ihrem Team gar nicht bekommen: Wegen einer Bandscheiben-Vorwölbung waren Sie einige Zeit außer Gefecht gesetzt.

Ja, drei Monate lang. Das war die bislang schlimmste Zeit meines Lebens. Die Trainer haben mir gesagt: Solange ich mich erhole, bleibe ich im Team. Aber es war nicht sicher, ob ich überhaupt zurückkomme. Ich musste mich durchbeißen.

Sie haben es geschafft. Bis zu den Olympischen Spielen nach Rio, zum Ziel, auf das Sie so lange hingearbeitet haben. Was können Sie dort erreichen?

Wir wollen ein Olympia-Finale in Rio erleben. Das bedeutet: Wir müssen uns unter den besten Acht platzieren. Bei den großen Turnieren ist uns das bislang noch nicht gelungen. Wir waren jeweils entweder Zehnte oder Elfte. Aber wenn wir uns ein bisschen steigern, haben wir eine Chance.

Seit Sie als Kind mit der Rhythmischen Sportgymnastin begonnen haben, ist Ihre Mutter Ihr größter Fan. Wird Nurhan Tokmak Sie nach Rio begleiten?

Sie kann ja ohnehin nicht hingucken (lacht). Bei der Weltmeisterschaft hat sie sich hinter meiner Oma versteckt. Das war schon immer so. Ich denke nicht, dass sie mitkommen wird. Das würde mich auch nervöser machen.

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