Robin Thelen führte sein Sport bis Japan

Serie: "Auswärtsspiel"

In zahlreichen Vereinen sind heimische Sportlerinnen und Sportler aktiv. Doch auch außerhalb Castrop-Rauxels üben Athleten ihren Sport aus – um höherklassiger zu spielen oder um besondere Trainingsmöglichkeiten zu nutzen. In der Serie "Auswärtsspiel" wollen wir diesen Teil der Castrop-Rauxeler Sportlandschaft beleuchten. Wir starten mit dem Aikido-Sportler Robin Thelen.

CASTROP-RAUXEL

23.06.2016 / Lesedauer: 3 min

Robin Thelen, der seit 2010 Mitglied des 1. Aikido-Clubs Castrop-Rauxel ist, reist regelmäßig in das Land, in dem seine Sportart Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Ursprung fand. Der 37-Jährige war in diesem Jahr bereits zum vierten Mal in Japan, um dort bei Kaicho Hitohira Saito Sensei Aikido zu trainieren.

Thelen legte in Iwama, hundert Kilometer nordöstlich von Tokio, seine Prüfung zum Ni-Dan ab. Während Aikido in Europa eher ein Schattendasein fristet, ist der Sport in Japan Tradition. "Als Kind habe ich mich schon für die asiatischen Kampfsportarten interessiert und im Fernsehen Filme mit Bruce Lee geschaut", erinnert sich Thelen.

Sport und Kultur

Mit Aikido habe er vor gut zehn Jahren die für ihn genau richtige Sportart gefunden. Im Jahr 2013 kam dann in Stuttgart der erste Kontakt mit dem Sensei – zu deutsch: Trainer – zustande. Dass die Möglichkeit besteht, nach Ostasien zu reisen, um vor Ort dem Sport nachzugehen, wusste Thelen von Anfang an. "Als ich 2005 gesagt habe, dass ich nach Japan gehe, haben mir die Leute hier den Vogel gezeigt", sagt der gebürtige Gelsenkirchener.

Um dann auch wirklich vor Ort trainieren zu können, brauchte Thelen eine Empfehlung. Die hat ihm später Volker Hochwald, ein Aikido-Trainer aus Stuttgart, geschrieben. "Bleiben kann man prinzipiell so lange wie man will", erklärt Thelen. Die Zeit sollen die Prüfungsanwärter nicht nur nutzen, um sich im Aikido zu verbessern, sondern auch, um in die japanische Kultur einzutauchen.

Der Castrop-Rauxeler Aikido-Sportler lebte fortan auf der Farm von Kaicho Hitohira Saito und hatte dort seinen geregelten Tagesablauf. Nach dem Aufstehen um 5 Uhr in der Früh, stand unmittelbar im Anschluss die Reinigungsarbeit auf dem Programm. "Da geht es auch um die spirituelle Reinigung nach dem Motto: Du musst erst das Glas leer machen, bevor du ein neues nehmen kannst", berichtet Thelen, "in Japan sind Trainings- und Schlafplatz besonders wichtig." Eine Stunde später ging es zum Dojo, dem Trainingsraum, der ebenfalls gereinigt werden musste.

Anschließend stieß der Sensei zum japanischen Morgengebet hinzu. Nach einer Meditationsrunde ging es zum Morgentraining in den Wald. Erst dann durfte Thelen frühstücken. "Den Tag konnte ich verbringen, wie ich wollte. Manchmal stand noch etwas an. Dann musste ich zum Beispiel auf den Reisfeldern helfen oder Zitronen pflücken", berichtet er. Nur ein Nickerchen sei verboten, da man den ganzen Tag wach bleiben müsse. "Sonst schimpft Sensei", weiß Thelen.

Abends stand eine weitere kräftezehrende Trainingseinheit auf dem Programm. "Beim ersten Mal habe ich gedacht: Das kann ich nicht überleben, aber es war hochinteressant", erinnert sich Robin Thelen. Nach vier Japan-Reisen und mehreren abgelegten Prüfungen weiß er mittlerweile, auf was er sich einlässt.

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