Schlägereien beim Fußball: Die Spur der Gewalt zieht sich auch durch Castrop-Rauxel

Gewalt auf Sportplätzen

Die Gewaltexzesse häuften sich in diesem Jahr auf den Sportplätzen in Castrop-Rauxel und Umgebung - auch gegen Schiedsrichter. Wir blicken noch einmal auf die zahlreichen Fälle zurück.

Castrop-Rauxel

, 28.12.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
Schlägereien beim Fußball: Die Spur der Gewalt zieht sich auch durch Castrop-Rauxel

Beim Spiel zwischen RWT Herne und dem FC Castrop-Rauxel kam es zu unschönen Szenen. Auslöser waren Spieler der Herner. © Volker Engel

Kein Thema sorgte in diesem Jahr für so viel Aufsehen, wie die Gewaltexzesse auf Fußball-Sportplätzen. Besonders an einem Wochenende eskalierte die Gewalt.

Ende Oktober streikten die Schiedsrichter in Berlin, um ein Zeichen gegen Gewalt und für respektvollen Umgang miteinander zu setzen. Und genau an diesem Wochenende gab es bundesweit gleich mehrere Gewaltfälle auf den Sportplätzen.

So wurde beispielsweise im Kreis Dieburg (Hessen) ein 22-jähriger Schiedsrichter bewusstlos geschlagen, nachdem er einem Spieler die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte.

Bei einem Bambinispiel zwischen dem VfB Solingen und der SG Hackenberg musste die Polizei einschreiten, um den Trainer des VfB Solingen und den Co-Trainer der SG Hackenberg voneinander zu trennen. In Moers schlug ein 48-Jähriger einem 15-jährigen Spieler beim Spiel zwischen dem SV Schwafheim und dem TSV Bockum 2 ins Gesicht.

Doch nicht nur in diesen Städten kam es zu Schlägereien auf den Sportplätzen. Auch in Castrop-Rauxel und Umgebung gab es in diesem Jahr einige Fälle.

Wir haben diese Gewaltexzesse noch einmal rückblickend aufgelistet:

1.) Faustschläge beim Jugendturnier des FC Frohlinde

Ein freundschaftliches Jugendturnier, den Pit-Steinert-Gedächtnispokal, hatte der FC Frohlinde ins Leben gerufen. Viele Kinder nahmen mit ihren Fußballteams Anfang September an den Wettbewerben auf dem Sportplatz an der Brandheide teil.

Doch in Erinnerung bleibt nicht das sportliche Geschehen auf dem Fußballplatz. Stattdessen sind es die Szenen, die sich während des E-Junioren-Spiels zwischen dem FC Frohlinde II und dem VfB Börnig abspielte. Vor den Augen der 8- bis 9-jährigen Kinder, wurde der Frohlinder Trainer immer aggressiver und baute sich schließlich vor dem Coach des VfB Börnig auf. Der Frohlinder streckte den Herner mit einem Faustschlag nieder.

Doch das war noch nicht alles. Als ein 67-jähriger Herner zur Hilfe eilen wollte, wurde dieser ebenfalls vom Frohlinder Trainer angegriffen. Wiederum der Sohn des 67-Jährigen verpasste dem Frohlinder dann einen Karatekick in den Rücken.

Anschließend rückte die Polizei an. Der FC Frohlinde trennte sich von seinem Jugend-Coach und verpasste ihm ein Sportplatzverbot. Den Kindern bleiben die verstörenden Szenen allerdings in Erinnerung.

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2.) Der Merklinder Albtraum bei BW Baukau

Die Kreisliga-C-Fußballer des SuS Merklinde II traten am 8. September zum Auswärtsspiel bei BW Baukau an. Beim Stand von 6:3 für den SuS wurde es turbulent. Der Schiedsrichter wollte einen Merklinder mit Gelb-Rot vom Platz schicken nach einem Foul, doch dazu kam es nicht. Die Spieler und Zuschauer von BW Baukau attackierten die Merklinder mit Faustschlägen, Schlagringen und Gabeln. Fünf Merklinder Spieler erlitten Gesichtsverletzungen, offene Wunden und Prellungen.

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3.) Spieler von Rot-Weiß Türkspor Herne würgt den Schiri-Assistenten

Diesen Tag werden die Kreisliga-A-Fußballer des FC Castrop-Rauxel wohl nicht so schnell vergessen. Noch bis Ende November beschäftigten sich die Sportgerichte mit den Vorfällen, die sich beim Auswärtsspiel bei Rot-Weiß Türkspor Herne (Foto) am 13. Oktober ereigneten.

Denn der Herner Spieler Anil Yilmaz hatte damals den erst 16-jährigen Schiedsrichter-Assistenten aus Dortmund gewürgt und auch geschlagen. Das Kreissportgericht sperrte Yilmaz anschließend für drei Jahre, doch die Herner legten Einspruch ein. Pech für Yilmaz: Auch die Schiedsrichter aus Dortmund legten Einspruch ein, sodass die Sperre noch ausgeweitet werden konnte. Und das tat das Bezirkssportgericht Ende November dann auch. Der 35-jährige Yilmaz bekam noch ein viertes Jahr zur Bewährung oben drauf und muss zudem eine Geldstrafe zahlen - quasi als Schmerzensgeld an den Schiedsrichter-Assistenten.

Das waren übrigens nicht die einzigen Strafen. So musste beispielsweise der erste Vorsitzende der Herner, Kemal Sari, eine Geldstrafe von 150 Euro zahlen, aufgrund von unterlassener Hilfestellung den Schiedsrichtern gegenüber.

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4.) Kreisliga-A-Spiel endet in einer Massenschlägerei

Beim Kreisliga-A-Spiel zwischen Westfalia Vinnum und dem SV Herta Recklinghausen am 15. September kam es zu einer Massenschlägerei. Nach dem Spiel waren zunächst Fans beider Lager aneinandergeraten. Daraufhin eskalierte die Lage. Michael Nachtigall, Vinnums Trainer, sprach von Jagdszenen. Laut Polizei waren 20 Menschen in die Schlägerei verwickelt.

Bei den Verletzten sickerte wenige Tage später durch, wie schwer sie wirklich verletzt sind. Ein Mann sei nach einem Oberschenkelhalsbruch operiert worden. Ein anderer Vinnumer Anhänger habe Brüche im Gesicht davongetragen.

Mitte Dezember folgte dann die Verhandlung vor dem Kreissportgericht. Der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey (SV Hochlar) kündigte vor dem Verfahren bereits an, „mit besonderer Härte bei der Urteilsfindung vorzugehen“.

Am Ende der Verhandlung ließ das Kreissportgericht den Worten letztlich Taten folgen. Der SV Herta muss eine Geldstrafe von 4000 Euro zahlen, die Hälfte zur Bewährung. Zudem gab es diverse Bewährungsauflagen. Die Einzel-Verhandlungen gegen vier Herta-Spieler folgen noch.

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5.) Jadgszenen beim Fußballspiel in Körne

Nicht nur Rangeleien und Schubsereien – sondern auch ein Würgegriff, eine laut schallende Ohrfeige, mehrere heftige Tritte, Bedrohungen und Jagdszenen: Das spielte sich auf dem Fußballplatz der ÖSG Viktoria Dortmund in Körne beim Spiel gegen BW Alstedde IV am 1. September ab.

Der Trainer der Dortmunder erhob nach der Partie schwere Anschuldigungen dem Schiedsrichter gegenüber. Er habe „mit seiner Art, das Spiel zu pfeifen“, zu den Ausschreitungen nach dem Spiel beigetragen.

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6.) Schlägerei in Kemminghausen - und Kevin Großkreutz mittendrin

In Dortmund gibt es mittlerweile an vielen Sportplätzen Kameras, um die Spiele im Internet zu übertragen. So konnten die Zuschauer auch das Kreisliga-C-Spiel zwischen dem VfL Kemminghausen III und dem FC Brambauer II im Mai live verfolgen.

In der 82. Minute gab es zwei Platzverweise - dann schwappten die Emotionen über. Einer des Feldes verwiesener Spieler des FC Brambauer stürmt plötzlich in Richtung der Zuschauer, springt über die Bande und schlägt auf einen Mann ein.

Ursprünglich hieß es sogar, dass der Profifußballer Kevin Großkreutz, zu diesem Zeitpunkt Co-Trainer bei der ersten Mannschaft des VfL Kemminghausen, Auslöser der Schlägerei gewesen sei. Doch die Kameraaufnahmen widerlegten diese These. Dort war nämlich zu sehen, wie Großkreutz erst zur Szenerie dazustieß, als diese schon voll im Gange war. Der Profifußballer selbst wurde gar zum Opfer, denn ein Mann schlug ihm unvermittelt ins Gesicht. Großkreutz ging sogar zu Boden, allerdings nur, weil sich ein Spieler der Brambauer auf ihn warf, um ihn zu schützen. Letztlich schlichtete die Polizei die Schlägerei. Auch eine Strafanzeige wurde gestellt.

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