Schwerins Andreas Krznar: Ein ehrgeiziger Profi

CASTROP-RAUXEL Schwerin, Grafweg, Fußball-Landesliga: 89. Minute im Spiel zwischen der Spielvereinigung und SW Wattenscheid, es steht 1:4, die Partie ist längst gelaufen. Nur für einen nicht. Nachdem wieder einmal ein gegnerischer Stürmer alleine vor seinem Tor aufgetaucht ist, brüllt Schwerins Torwart Andreas Krznar seine Vorderleute an: "Jungs, wollt ihr mich eigentlich verarschen?!" Ein Porträt.

von Von Marc Stommer

, 09.10.2008, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man möchte meinen, hier steht ein junger Heißsporn zwischen den Pfosten, der um seine Karriere bangt. Weit gefehlt. Krznar ist 36 Jahre alt, Trainer der Kreisliga-Damenmannschaft der Spvg Schwerin und nur eingesprungen für den verhinderten Stammkeeper Christian Pauly. Aber: Krznar ist ehrgeizig - immer noch. "Das macht den kleinen Unterschied aus, dadurch unterscheidest du dich von den anderen. Ab einem gewissen Level zählt nur noch Aggressivität und Wille."

Vom Fußball-Virus angesteckt Krznar weiß, wovon er spricht. In der Jugend spielte er für Schalke, später in der Oberliga für Westfalia Herne. Der gelernte Industrie-Mechaniker hatte Blut geleckt, war infiziert vom Virus Fußball. Die höheren Amateurligen in Deutschland sollten seine Heimat werden. "Wenn du einmal miterlebt hast, wie die Tribüne - auch wenn es nur 2000 oder 3000 Zuschauer sind - bei einer Parade dieses lang gezogene 'Wwoooaahhh!' von sich gibt, dann lässt es dich nicht mehr los", sagt Krznar und bekommt auch heute noch eine Gänsehaut.

Italienische Liga Von Herne aus über Hessen-Oberligist Viktoria Aschaffenburg führte es ihn über Umwege sogar in den italienischen Profi-Bereich. Der FC Südtirol Bolzano in der dritten italienischen Liga war in der Saison 2003/04 für neun Monate sein Arbeitgeber. "Da hat Fußball einen ganz anderen Stellenwert. Ab der fünften italienischen Liga gibt es nur noch Vollprofis", so Krznar. Dort hätten ganz andere Bedingungen geherrscht. "Unser Präsident Hans Krapf war so ein Selfmade-Millionär. Dem ging es irgendwann gegen den Strich, immer mit dem Bus durch ganz Italien zu den Auswärtsspielen fahren zu müssen. Da hat er einfach die Fluggesellschaft Air-Alps gegründet und wir sind mit dem Flugzeug geflogen", erinnert sich der Torwart.

Zurück in die HeimatAls sein damaliger Trainer und Fürsprecher gefeuert wurde, war auch für Krznar der Traum vom Italien-Profi vorbei. "Vier Tage später haben sie mir die Koffer vor die Tür gestellt." Es ging zurück ins Ruhrgebiet, zurück zu den Wurzeln. Die Oberligisten 1. FC Bocholt und SV Schermbeck sind zwei Kapitel, an die sich Krznar allerdings nicht so gerne erinnert. "Da habe ich die Charaktere der handelnden Personen aufs Übelste erlebt. Danach stand für mich fest: Jetzt ist Schluss." Zumindest auf dem Platz. Und was macht ein Mensch, der den Virus Fußball in sich trägt, aber seine aktive Zeit als beendet ansieht? Er wird Übungsleiter neben dem Platz.

Über ein Internetportal für Trainergesuche wurde Andreas Krznar auf die Stelle als Damen-Trainer bei der Spvg Schwerin aufmerksam. Der Kontakt war schnell hergestellt und der Kontrakt schnell unterschrieben. "Frauenfußball ist im Kommen. In den höheren Ligen wird schon dynamisch-athletisch und mit guter Technik gespielt. Und auch meine Mädels setzen das Training schon ganz gut um. Das macht mich auch ein wenig stolz." Der Aufstieg in die Bezirksliga ist sein Ziel. Wenn es geht, schon in dieser Saison. Der Mann ist eben ehrgeizig.

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