Sieberg stürmt aufs Tour-Podest

Der Radprofi Marcel Sieberg vom Team Milram darf seinen Kindertraum bei der Tour de France weiterträumen. Zwei Tage nach seinem Debüt bei der Frankreich-Rundfahrt stand der Tour-Neuling aus Castrop-Rauxel am Ende der zweiten Etappe erstmals überhaupt auf dem Siegertreppchen des berühmtesten Radrennens der Welt.

09.07.2007, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 25-jährige Europastädter wurde ausgezeichnet als aktivster Fahrer des Tages. «Das ist schon toll bei der ersten Tour», sagte Sieberg. Er hatte zuvor dem 168,5 Kilometer langen Abschnitt von Dünkirchen (Frankreich) nach Gent (Belgien) seinen Stempel aufgedrückt. Schon nach 18 Kilometern attackierte Sieberg, und nur Cedric Herve (Frankreich/Agritubel) und Ruben Perez (Spanien/Euskatel) konnten auf den nächsten 147 Kilometern folgen. Trotz zwischenzeitig über sechs Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld wurden die Ausreißer drei Kilometer vor dem Ziel gestellt.

«Man glaubt es nicht»

«Man glaubt es erst nicht, dass man durchkommt», sagte Sieberg nach dem Finale der Etappe. Später hätte er gehofft, dass es hinten im Feld vielleicht doch nicht ganz so gut laufe. Das war diesmal nicht so, denn schließlich bestand bei den noch geringen Zeitabständen höchste Gefahr, dass sich einer aus dem Spitzentrio sogar das Gelbe Trikot schnappte. Immerhin, freute sich Sieberg: «Ich habe wieder und wieder meinen Namen gehört.»

Auf dem flachen Kurs durch Nordfrankreich und Flandern fühlte sich Sieberg offensichtlich pudelwohl. Schließlich ist er bekennender Liebhaber der Frühjahrsrennen in dieser Gegend. Sieberg gewann auf dem Weg nach Gent die Sprintwertung nach 81,5 Kilometern in Westende; in den beiden anderen Sprints wurde er jeweils Dritter.

Mit so zehn Sekunden Zeitgutschrift verbesserte sich Sieberg in der Gesamtwertung vom 131. auf den 90. Platz, mit nunmehr 55 Sekunden Rückstand auf den weiter führenden Fabian Cancellara (Schweiz/Team CSC). Der Europastädter fuhr als 71. der Tageswertung Seite an Seite mit dem leicht angeschlagenen Träger des Gelben Trikots ins Ziel, nachdem ein Massensturz in der Zielanfahrt das Rennen überschattet hatte. Sieberg wurde nicht verletzt, «ich war schon weit genug hinten». Tagessieger wurde der Belgier Gert Steegmanns (Quickstep) vor seinem eigentlich favorisierten Landsmann und Teamkameraden Tom Boonen. Bester Deutscher war Siebergs Kapitän Erik Zabel auf Platz sieben.

Am Tag nach seinem Spitzentanz wartet gleich die längste Etappe der diesjährigen Tour de France auf Marcel Sieberg vom Team Milram und die anderen Teilnehmer. Am Dienstag, 10. Juli, geht es über 236,5 Kilometer von Waregem (Belgien/Start um 11.45 Uhr/ab 14.15 Uhr im ZDF) nach Compiègne (Frankreich/Zielankunft geplant ab 17.10 Uhr). Die zweite Etappe ist quasi ein umgekehrtes Paris - Roubaix, allerdings ohne die so berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen. carlo

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