So ist Kira Lipperheide von der Leichtathletik auf den Bobsport umgestiegen

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Leichtathletik bestimmte in den vergangenen Jahren das Leben der 18-jährigen Kira Lipperheide. Nun ist sie plötzlich Bob-Anschieberin im Weltcup. Wie ist sie denn dazu gekommen?

Schwerin

, 30.01.2019, 04:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kira Lipperheide wirkt entspannt. Erst wenige Tage sind vergangen, seit sie mit der Olympiasiegerin Mariama Jamanka (28) den Eiskanal in Innsbruck herunterfuhr und den zweiten Platz im Weltcup einfuhr. Ist das der Beginn einer Wintersport-Karriere einer Castrop-Rauxelerin?

„Die Nervosität hat sich in Grenzen gehalten, ich habe es schlimmer erwartet“, sagt Kira Lipperheide, als wir sie im Haus ihrer Eltern unweit des Hammerkopfturmes auf Schwerin besuchen. Am 19. Januar stand für sie ihr erstes Weltcup-Rennen der noch jungen Bob-Karriere an – und dann gleich im Bob mit der Olympiasiegerin und Weltcup-Führenden. „Natürlich wusste ich, worum es geht, aber alle haben mir Mut zugesprochen“, so Lipperheide.

Doch eigentlich ist sie gar nicht auf dem Eis zu Hause, sondern auf einer Tartanbahn. Kira Lipperheide ist Leichtathletin und läuft die 60 Meter in 7,85 Sekunden, die 100 Meter in 12,64 Sekunden. Das ist schnell. Zum Vergleich: Der Weltrekord liegt bei 10,49 Sekunden. Den deutschen Rekord lief 1983 Marlies Göhr für die DDR: 10,81 Sekunden.

Superstar Gina Lückenkemper lief 2017 ihre Bestzeit: 10,95 Sekunden. All das ist noch ein Stückchen weit weg für die Castrop-Rauxelerin. Aber bei den NRW-Jugend-Meisterschaften war sie dabei, wurde in ihrem U20-Vorlauf mit 12,70 Sekunden Fünfte. Fakt ist jedenfalls: Sie gehört wohl zu den 20 schnellsten Sprinterinnen in ihrer Altersklasse in NRW.

Kira Lipperheide wollte sich in der Leichtathletik verbessern

Das Jahr 2018 war für die Schwerinerin ein Besonderes. Mit der Staffel ihres Vereins TV Gladbeck gewann sie die Silbermedaille bei der deutschen U23-Meisterschaft über die 4x100-Meter-Distanz. Bei der Deutschen Meisterschaft der Jugend in Rostock sicherte sie sich zudem mit der Staffel Bronze.

Nach ihrem Wechsel im Oktober 2017 vom TB Rauxel nach Gladbeck ging es für die ASG-Abiturientin stets aufwärts im Leichtathletiksport. Doch im Herbst führte sie der Weg zum Bobsport – ganz plötzlich. „Es ging bei dem Wechsel eigentlich darum, mich in der Leichtathletik zu verbessern“, sagt Kira Lipperheide heute mit einem Lächeln. Aber ihr Trainer Heiner Preute hatte andere Pläne für sie. „Er hat die Kontakte zum Bobsport und hat auch Annika Drazek dahin geholt“, so die 18-jährige Schwerinerin.

So ist Kira Lipperheide von der Leichtathletik auf den Bobsport umgestiegen

Kira Lipperheide (r.) ist eigentlich Leichtathletin und läuft für den TV Gladbeck. © Wolfgang Birkenstock

Drazek ist in dieser Saison die Stammpartnerin von Mariama Jamanka: Sie sprintet blitzartig los und schiebt den Bob von hinten so an, dass er in der Bahn möglichst schnell in Schwung kommt. In Innsbruck hatte sie jedoch eine Pause eingelegt – die Chance für Kira Lipperheide. „Mein Trainer hat gesagt, dass ich gute Voraussetzungen für den Bobsport habe und das mal ausprobieren solle“, erzählt Lipperheide.

Und so ging es für im September 2018 erstmals nach Winterberg im Sauerland. Dort, im Weltcup-Eiskanal, trainierte sie zunächst auf der Teststrecke, im Oktober saß sie dann erstmals in ihrem Leben in einem Bob. „Bei den ersten Malen war ich sehr nervös“, so die 18-Jährige. Angst habe sie jedoch nicht gehabt, obwohl der Bob hohe Geschwindigkeiten erreichen kann: Beim Zieleinlauf in Innsbruck fuhren Lipperheide und Jamanka 102 km/h schnell. Eine dreistellige Zahl ist heutzutage Standard.

Die Angst fährt mit - vor allem bei Mutter Susanne

Mehr Bammel hat ihre Mutter Susanne. „Am Anfang hatte ich viel Angst, aber ich habe mir den Bobsport im Fernsehen angeguckt und gesagt: Da kann nicht viel passieren“, erzählt Susanne Lipperheide. „Es ist als Mutter ja logisch, dass man sich sorgt.“ Ganz unbegründet ist diese Angst nicht – gerade vor dem ersten Weltcup-Auftritt. „Eine Woche zuvor haben wir im Fernsehen den Zweier-Bob der Männer gesehen“, so Mutter Susanne Lipperheide. Dort kippte ein Bob bei voller Geschwindigkeit um, erinnert sie sich.

Auch abseits der Furcht: Für Kira Lipperheide selbst war das Einsteigen in einen Bob von Anfang an kein Problem. Das Muskeltraining musste sie kaum umstellen für die neue Herausforderung. Sie trainierte für einen großen Leistungstest Ende November – und überzeugte. Die Olympiasiegerin Mariama Jamanka schaute sich Lipperheides Läufe ganz genau an und war beeindruckt.

So ist Kira Lipperheide von der Leichtathletik auf den Bobsport umgestiegen

Das Duo im Zweierbob: Mariama Jamanka sitzt vorne, Kira Lipperheide dahinter. Sie muss erst anschieben, sich dann ganz klein machen – und bremsen. © picture alliance/dpa

Keine zwei Monate später saß sie gemeinsam mit der Spitzen-Athletin in einem Bob. Ihre Aufgabe ist in erster Linie, den Bob beim Anschieben auf Geschwindigkeit zu bringen. Wenn sie erst einmal sitzt, macht sie sich klein und ist anschließend als Bremserin gefragt. „Das ist gar nicht so schwierig“, erzählt sie.

„Wenn man die Bahnen öfters fährt, weiß man auch, wann man bremsen muss.“ Der Weltcup-Start kam nicht ganz unvermittelt: Zuvor war die Schwerinerin bereits beim Europacup, praktisch der 2. Liga des Bobsports, mit ihrer Partnerin Kim Kalicki erfolgreich: Die beiden gewannen zusammen beide Rennen des Wettbewerbs.

Nächstes Jahr muss sie sich für eine Sportart entscheiden

Der Ausflug in den Bobsport ist bald auch schon wieder zu Ende: Am 2. Februar fährt Kira Lipperheide bei der Junioren-Weltmeisterschaft am Königssee im Berchtesgardener Land mit. Danach steht wieder Leichtathletik ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. „Im Weltcup bleibt es wohl erst einmal bei dem einen Einsatz“, so Lipperheide.

Und dann? Sie mache sich viele Gedanken um ihre Zukunft, gerade jetzt nach diesem Gastspiel. Die Tendenz, sagt Kira Lipperheide, sei eindeutig: „Dieses Jahr mache ich noch Leichtathletik, danach werde ich mich für eine der beiden Sportarten entscheiden. Die Entscheidung geht aber wohl eher in Richtung Bobsport, weil dort die Perspektiven besser sind.“

Der Sport gebe ihr neue Reize. „Und ich kann neue Erfahrungen sammeln.“ Immerhin an Wochenenden auch schon mal bis in die Wohnzimmer der Menschen in Deutschland, die sich im Ersten oder im ZDF live die Wintersport-Übertragungen anschauen.

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