So soll wieder Schwung in das Vereinsleben des Traditionsklubs VfR Rauxel kommen

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Marc Kruska, Michael Esser, Christopher Nöthe - diese drei Profis spielten einst, in besseren Zeiten, für den VfR Rauxel. Nun will ein ganzes Team das Vereinsleben wieder in Schwung bringen.

Rauxel

, 11.01.2019, 11:47 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der 4. August 2017 stellte in der Vereinsgeschichte des VfR Rauxel einen negativen Höhepunkt dar. Der Klub nahm am Duell der schlechtesten Teams Deutschlands teil. Immerhin: Rauxel gewann mit 8:0 gegen den FC Tramm (Kreisliga Westmecklenburg).

Der Grund für die Teilnahme: Der VfR verlor in jener Saison 2016/17 all seine Partien und wurde punktlos Tabellenletzter der Kreisliga C. Für den Traditionsverein war das gleichzeitig der tiefste Punkt der Talsohle. Seitdem werden nämlich an der Vördestraße wieder positive Schlagzeilen geschrieben.

Ein Grund dafür ist die erste Mannschaft, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Vereinsleben wieder in Schwung zu bringen. Wir sprachen mit Christopher Lammers, Kapitän des VfR Rauxel, am Rande der Hallenstadtmeisterschaft über die Pläne des Teams.

Herr Lammers, den VfR Rauxel kennt jeder in Castrop-Rauxel, jeder verbindet mit diesem Klub etwas. Doch der VfR war nun ein, zwei Jahre komplett von der Bildfläche verschwunden. Was ist in dieser Zeit passiert?

Wir haben uns als gute Kollegen zusammengeschlossen und waren eine reine Hobbytruppe, die regelmäßig im Soccerfive gespielt hat. Wir haben alle mal in der Jugend zusammen gespielt. Manche beim VfR Rauxel, viele auch bei Victoria Habinghorst oder beim TuS Henrichenburg. Wir haben uns dann neu formiert und uns dazu entschlossen, einem Verein beizutreten. Dazu haben wir mit mehreren Vereinen gesprochen. Dass Rauxel unterging, ein Verein mit so einer großen Tradition, tat uns letztlich ziemlich leid, und deshalb haben wir uns dem VfR Rauxel angeschlossen. Wir wollten das Vereinsleben wieder aufblühen lassen.

Das hat funktioniert, wenn man euch beispielsweise bei Facebook beobachtet, wo ihr als Verein inzwischen sehr präsent seid. Ist das das Kreisliga-Ideal, das ihr derzeit führt?

Im Moment ist es definitiv ideal, es macht viel Spaß. Das Gute ist: Wir sind Freunde, wir bleiben zusammen. Durch die ganzen Social-Media-Auftritte versuchen wir natürlich, den Verein ans Leben zu bekommen. In unserer ersten Saison sind wir als zweite Mannschaft gestartet und hatten einen mittelmäßigen Tabellenplatz. Derzeit sind wir Erster in der Kreisliga C, haben allerdings ein, zwei Spiele mehr als die Konkurrenz, und versuchen oben mitzuspielen und anzugreifen. Mit unserem fußballerischen Erfolg versuchen wir dann auch, Leute anzulocken.

So soll wieder Schwung in das Vereinsleben des Traditionsklubs VfR Rauxel kommen

Christopher Lammers ist der Kapitän des VfR Rauxel. Er und seine Teamkollegen wollen das Vereinsleben des Traditionsklubs wieder in Schwung bringen. © Volker Engel

Wie Sie schon angesprochen haben: Der VfR hat große Tradition, Profis wie Marc Kruska, Michael Esser und Christopher Nöthe haben hier das Fußballspielen gelernt. War das der ausschlaggebende Grund, dem Verein zu helfen?

Genau. Wenn man sich das oben bei uns im Besprechungsraum anguckt, sieht man Bilder von Nöthe, Esser und Kruska. Auch generell von den Leuten, die damals in der Jugend des VfR gespielt haben. Viele bewegen sich in höheren Ligen. Aber auch die Seniorenabteilung war früher stark. Das sind die Aspekte, die uns dazu bewegt haben, dort etwas zu tun. Wir hoffen natürlich, dass sich in den nächsten Jahren einiges entwickelt.

Hat sich beim VfR in der Winterpause personell etwas getan, oder seid Ihr als Team zusammengeblieben?

Bis auf den ein oder anderen Verletzungsausfall sind wir zusammengeblieben. Verstärkungen haben wir bislang nicht, sind aber immer offen, wenn sich uns jemand anschließen will. Wir legen viel Wert darauf, dass wir eine Einheit bleiben wollen.

Das hat uns auch Ihr Trainer Stephan Gil in einem Interview bestätigt. Der Charakter der potenziellen Neuzugänge müsse stimmen.

Uns verbindet der Spaß, und wir denken, dass durch den Spaß auch der Erfolg kommt. Wir brauchen nicht den Einzelspieler. Der würde uns vielleicht auf der einen Seite gut tun, aber auf der anderen wiederum nicht. Uns macht aus, dass wir auf und außerhalb des Platzes ein Team sind. Da achten wir sehr drauf.

Aktuell hat der VfR zwei Seniorenmannschaften. Sportlich gesehen hängt die Zweite jedoch hinten dran als Tabellenletzter in der Kreisliga C. Gibt es im Verein Bestrebungen, auch die zweite Mannschaft zu fördern?

Wir versuchen, langfristig viel zu etablieren, und haben uns auch schon umgehört nach Jugendmannschaften, was heutzutage leider schwierig ist. Vor allem diese zu halten, zu bezahlen und Trainer zu stellen. Wir hatten drei Seniorenmannschaften, doch das hat sich dann etwas zerschlagen, weil es irgendwann zu viel wurde. Wir wollen ein vernünftiges Vereinsleben hinbekommen. Und das funktioniert nur, wenn man sich untereinander austauscht. Die Zweite ist noch im Aufbau. Wir müssen schauen, wo es hingeht. Aber natürlich würde es uns freuen, wenn wir zwei Mannschaften hätten, zwischen denen der Austausch klappt und wo Leben vorhanden ist.

So soll wieder Schwung in das Vereinsleben des Traditionsklubs VfR Rauxel kommen

Der Spaß kommt bei den Fußballern des VfR Rauxel auf jeden Fall nicht zu kurz. © Volker Engel

Wie bewerten Sie die Platzsituation des VfR? Der Rasenplatz ist holprig, in den Strafräumen liegt Asche, es gibt kein Flutlicht. Gibt es Bestrebungen, daran etwas zu ändern?

Unser Platz ist nicht unbedingt ein Vorteil. Man braucht nicht zu denken, nur weil wir schon eins, zwei Jahre auf dem Platz stehen, dass wir alle Löcher kennen. Denn dafür sind es einfach zu viele. Gerade auch die Asche im Strafraum: Das ist eine katastrophale Situation. Wir müssen mit der Stadt reden. Das Licht, die Kabinen, vieles ist marode, es hat sich lange nichts getan. Wir haben auf eigene Faust angefangen zu arbeiten und beispielsweise die Mannschaftsräume ein bisschen zu sanieren oder auch den Nebenplatz, der jedoch eigentlich gar kein Nebenplatz ist. Das steht und fällt aber auch mit der Unterstützung der Stadt. Wir sind froh, dass wir die ganzen Rechnungen bezahlen können. Solange von der Stadt nichts kommt, wird es immer sehr schwierig bleiben.

Es gibt immer mal wieder Gespräche, dass eventuell in Habinghorst ein neuer Kunstrasenplatz für mehrere Vereine entstehen könnte. Der Verein müsste zwar weg aus Rauxel, könnte dort aber theoretisch eine neue Heimat finden. Wäre das eine Option?

Auf jeden Fall. Vor allem Flutlicht wäre von Vorteil, denn wir müssten nicht mehr ausweichen und wären nicht an Trainingszeiten wie Montagsabends um 20 Uhr gebunden. Ich bin in der Hinsicht relativ offen. Aber es würde natürlich auch sehr schwer fallen, den eigentlichen Platz so zurückzulassen. Für Günter Schulz, unseren Vorsitzenden, wäre das zum Beispiel sehr schwierig. Aber man muss auch nach vorne schauen und kann sich nicht gegen alles wehren. Deswegen muss man manchmal Kompromisse eingehen. Wenn diese Möglichkeit bestehen würde, müsste man sich auf jeden Fall darüber unterhalten.

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