Nur wenige erinnern sich noch daran. In Castrop-Rauxel, das mit Ausnahme des Basketballs eine Diaspora der US-Sportarten ist, hat es einst eine Football-Mannschaft gegeben. Die war anfangs recht erfolgreich.

Castrop-Rauxel

, 16.08.2018, 13:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 17. August 1983 titelte diese Zeitung im Lokalsport „Bengalische Tiger zeigen erstmals ihre Krallen“. Tags zuvor hatten Sportler mit großen Helmen und Schulterpolstern den Rasenplatz in der „Kampfbahn Habichthorst“ an der Recklinghauser Straße bevölkert: Die Bengals Castrop-Rauxel feierten in Habinghorst ihre Premiere vor 500 Zuschauern und gewannen mit 22:6 gegen eine NRW-Auswahl. Der Großteil des Publikums war trotz Spielkommentierung mit den Regeln überfordert, aber gut unterhalten.

Die Punkte für Castrop-Rauxel steuerten Olaf Schultes, Keith Williams, Spielmacher (Quarterback) Thomas Martin, Uli Hensen und Spielertrainer Leroy Ship bei. An den Namen kann man erkennen: Das neue Team rekrutierte sich auch aus US-Amerikanern. Die in einer Kaserne in Büren stationierte Soldaten hatten über die Herner Tigers (1. Bundesliga) den Weg in die Europastadt genommen. Treibende Kraft des Wechsels war Ulrich Hallerbach, der das damalige „American Fitness Studio“ am Bahnübergang an der Münsterstraße leitete.

Training am Hallenbad

Aus der Nachbarstadt, wo er bei den Junioren spielte, kam auch der damals 15-jährige Holger Bombien. Der wurde später als Fußballtrainer für Junioren und Frauen der Spvg Schwerin in Castrop-Rauxel bekannt. Er erinnerte sich jüngst und sagte: „Wir haben damals später auf dem Rasen im Stadion an der Bahnhofstraße unsere Spiele ausgetragen. Zum Training wurden wir nicht auf den Platz gelassen und haben hinter dem Hallenbad oder auf der Rennbahnwiese gegenüber dem Haus Goldschmieding geübt.“ Ein weiteres Testspiel im September 1983 in Süddeutschland gewannen die Bengals beim Zweitligisten Vikings Nürnberg mit 34:20 nach einem 0:14-Rückstand. Anschließend luden sie die Franken zum Rückspiel nach Castrop-Rauxel ein.

In den Annalen des deutschen Footballsports sind noch folgende Fakten auffindbar: In der Saison 1985 wurden die Bengals Sechste und somit Tabellenletzter der 2. Bundesliga Nord (0:20 Punkte). Sportlich besser lief es 1986 in der Oberliga. Dort erreichte das Team mit 10:10 Punkten Rang vier.

Im Alter von 19 Jahren wechselte Holger Bombien zum Bundesliga-Rivalen Dortmund Giants, später zu den Unna Gamblers und den Herne Ravens. Bombien sagte zuletzt: „Für Castrop-Rauxel ist Football im Moment passé. Es gibt dafür keinen Sportplatz, auf dem der Verein trainieren und spielen könnte. Die Anlagen sind durch den Fußball belegt“. In den Nachbarstädten profitieren die Vereine davon, dass die US-Meisterschaft Super Bowl jetzt im frei empfangbaren Fernsehen übertragen wird.

Eine schmerzhafte Erinnerung an die Bengals Castrop-Rauxel hatte in den 80er-Jahren der Zeitungsfotograf Helmut Orwat. Als er eine Partie der Footballer vom Spielfeldrand verfolgte, wurde er unversehens im Eifer des Gefechts für einen Moment unter einem Pulk von Sportlern begraben. Orwat erinnerte sich am Dienstag an die Szene und berichtete: „Das kam so plötzlich. Ich konnte das nicht ahnen, weil ich auf meine Fotografie fixiert war.“

Ein Ball als Geschenk

Ulrich Kienel, der damals als Reporter über die Partien berichtete, meint sich erinnern zu können, dass Helmut Orwat zum Arzt musste und wegen eines Krankenscheins anschließend zunächst nicht arbeiten konnte. Orwat selbst erklärt: „Ich war damals doch recht robust. Nein, für mich ging es danach ohne Pause weiter.“

Die Castrop-Rauxeler Footballer entschuldigten sich auf jeden Fall für den Zusammenstoß. Ihr Manager Ulrich Hallerbach überreichte dem Foto-Fachmann einen Football aus Leder als Geschenk.

Im Jahr 1996 versuchte eine Gruppe von Castrop-Rauxelern um den Vorsitzenden Carsten Jahns mit der Gründung des Vereins Castrop Romans die Sportart Baseball in der Europastadt zu etablieren. Die Romans stellten ein Herren-Team sowie eine Damen-Softball-Mannschaft auf die Beine. Zur Jahrtausendwende war ihr Klub allerdings bereits wieder Geschichte. Weshalb der Castroper Basketball Club (CBC/Gründungsjahr 1980) der einzig überlebende Verein ist, der einen US-Sport anbietet.

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Der 17. März 1983 war ein Mittwoch. Die Ruhr Nachrichten berichteten auf einer Seite über das lokale Sportgeschehen.
  • Die Verbandsliga-Fußballer der Spvg Schwerin standen vor einem Testspiel beim BV Selm. Die Partie diente nicht zur Saisonvorbereitung, denn die Blau-Gelben hatten am Sonntag zuvor bereits erstmals um Punkte gespielt - und kamen hier über ein 0:0 gegen den Aufsteiger SV Welver nicht hinaus. Am Saisonende stand Rang neun mit 34:34 Punkten sowie 67:69 Toren zu Buche. Bezirksliga-Aufsteiger FC Frohlinde absolvierte ein Freundschaftsspiel gegen den TBV Mengede – und hatte sich für die Saison die Dienste des Schweriner Goalgetters Michael Hasecke gesichert.
  • Der Springreiter Klaus Reinacher war in den 1980er Jahren im Gestüt Bladenhorst ansässig und feierte internationale Erfolge. Wie auch am 17. August 1983 zu lesen war. Da kündete ein Bericht davon, dass er mit der Nationalmannschaft in Bratislawa in der damaligen CSSR an den Start gegangen war und seinen fünften Sieg bei einem Nationenpreis feierte.
  • Das Tanzpaar Ursula und Jürgen Vogt vom TSC Blau-Gold hatte beim ersten Start nach der Sommerpause Pech. Beim Hauptklassenturnier der Standard-Tänze-Klasse B in Dortmund hatten sich die Organisatoren verrechnet. Das Paar verpasste daher die Endrunde. Die Turnierleitung reagierte rückwirkend und stufte die Vogts auf Rang fünf ein.
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