Sport-Lockdown - Das Problem liegt in den Kabinen und Vereinsheimen

rnFußball und Coronavirus

Der Westfälische Fußballverband (FLVW) hat bis auf Weiteres die Saison parallel zum Lockdown Light gestoppt. Wir haben einige Kapitäne der überkreislichen Mannschaften nach ihrer Meinung befragt.

Castrop-Rauxel

, 30.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Abend nach der Bekanntgabe von Bundeskanzlerin Angela Merkel über bundesweite Corona-Einschränkungen hat auch der Westfälische Fußball- und Leichtathletik-Verband (FLVW) reagiert und vom 29. Oktober bis 30. November alle Amateur-Fußballspiele gestrichen.

Bastian Fritsch möchte Hygiene-Maßnahmen anpassen

Bastian Fritsch, zuletzt Kapitän für den verletzten Moritz Budde bei Westfalenligist Wacker Obercastrop, hält als Mitarbeiter der Dortmunder Feuerwehr mit seinen größeren Hintergrund-Kenntnissen „allgemein alle Corona-Maßnahmen für richtig und wichtig“. Er weiß aber auch, dass die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballfeld nicht groß ist. „Das Problem liegt außerhalb des Spielfeldes, nämlich in den Kabinen und Vereinsheimen. Mit einer Anpassung der Hygiene-Maßnahmen an die gestiegene Corona-Gefahr wäre alles zu lösen.“ Ob auch im Amateursport sei fraglich. Vereinzelte Stimme seiner Mitspieler hat Fritsch schon gehört: „Die sind wie das Spiegelbild der Gesellschaft - einige finden die Fußball-Unterbrechung richtig, andere würden lieber weiterspielen.“

Bastian Fritsch (blaues Trikot) vertritt derzeit Moritz Budde als Kapitän des SV Wacker Obercastrop.

Bastian Fritsch (blaues Trikot) vertritt derzeit Moritz Budde als Kapitän des SV Wacker Obercastrop. © Jens Lukas

Dietrich Liskunov, Kapitän des FC Frohlinde in der Landesliga, sieht die Absetzung der Fußballspiele im November mit einem weinenden, aber auch mit einem verständnisvollen Auge: „Dass nach unserem ersten Saison-Dreier einen Monat nicht mehr gespielt wird, ist schade. Der Vorsicht vor Corona geschuldet, ist diese Maßnahme aber richtig.“ Auf die Fortsetzung im Dezember hofft Liskunov: „Wir wollen alle Fußball spielen.“ Bis dahin müsse jeder für sich entscheiden, wie er sich fit hält. „Joggen ist nicht verboten.“

Dietrich Liskunov (l) ist Kapitän des Landesligisten FC Frohlinde.

Dietrich Liskunov (l) ist Kapitän des Landesligisten FC Frohlinde. © Jens Lukas

Kapitän der Spvg Schwerin hat eine klare Meinung

Kevin Wagener, der bei Bezirksligist Spvg Schwerin die Kapitänsbinde trägt, vertritt eine klare Meinung zur Fußball-Aussetzung im November: „Bei ständig steigenden Corona-Zahlen wäre es vom Verband fahrlässig, weiter Fußball spielen zu lassen.“ Er sieht den aktuellen Saison-Stopp für sein Team und auch den Verein jedoch als „total ungünstigen Zeitpunkt, da wir einen guten Lauf haben mit Chancen auf einen Landesliga-Aufstieg“.

Kevin Wagener (l) ist Spielführer der Spvg Schwerin.

Kevin Wagener (l) ist Spielführer der Spvg Schwerin. © Bernd Paulitschke

Kein Thema sei in Schwerin, dass Arbeitgeber Druck auf Spieler gemacht hätten, dass sie wegen Corona nicht mehr spielen sollen. „Arbeit und Vergnügen gehören zum Leben“, so Wagener, der hofft, dass im Dezember wieder gespielt werden kann, da „sonst der Amateurfußball noch unattraktiver wird, als er es ohnehin schon ist“.

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Marc Flaczek, Abwehrorganisator und Kapitän beim Bezirksliga-Aufsteiger FC Castrop-Rauxel, hält die Saison-Unterbrechung im November für „sinnvoll, wenn man die steigenden Corona-Zahlen sieht - schön ist dieser Stopp für uns nicht, da wir uns gerade erst an die neue Liga gewöhnt haben“. Es sei trotzdem besser, jetzt einen Monat zu pausieren, um zu sehen, ob die Zahlen wieder fallen, als einen kompletten Saison-Abbruch zu riskieren.

Marc Flaczek (r), hier noch für den FC Frohlinde am Ball, ist Kapitän des Bezirksliga-Aufsteigers FC Castrop-Rauxel.

Marc Flaczek (r), hier noch für den FC Frohlinde am Ball, ist Kapitän des Bezirksliga-Aufsteigers FC Castrop-Rauxel. © Jens Lukas

Im Dezember wieder zu spielen, sieht Flaczek skeptisch: „Da spielen wir zwei- oder dreimal und es ist Winterpause.“ Am Freitag wird beim FC ein letztes Mal trainiert. „Unsere Trainer haben dann Hausaufgaben für uns, damit die Fitness gehalten wird - das Ballgefühl geht verloren bei einem Monat Pause.“

Spielführer der SG Castrop denkt an die eigene Familie

Ingmar Holtkamp, erster von drei Spielführern des Bezirksligisten SG Castrop, ist mit den Gedanken aktuell mehr familiär unterwegs, da er und seine Frau Zwillinge erwarten: „Für mich ist in dieser Situation die Gesundheit wichtiger als Fußball.“

Ingmar Holtkamp (schwarzes Trikot) ist aktuell Kapitän der SG Castrop.

Ingmar Holtkamp (schwarzes Trikot) ist aktuell Kapitän der SG Castrop. © Klingsieck

Darüber, dass im November nicht Fußball gespielt werden darf, sagt er jedoch: „Diese Aussetzung der Saison für einen Monat ist Unsinn. Was soll im Dezember besser sein als im November? Diese Saison wird wohl nie wieder so aufgenommen werden können, wie wir Fußball gewohnt sind und wahrscheinlich irgendwann sogar komplett abgebrochen werden.“

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