Geldnot wegen Corona: Tennistrainer sind arbeitslos, dabei sind die Auftragsbücher voll

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Bereits beim ersten Lockdown war Christian Vogel praktisch arbeitslos. Nun muss der Tennistrainer des TC GW Frohlinde erneut den grünen Filzball ruhen lassen - obwohl er eigentlich ausgebucht ist.

Castrop-Rauxel

, 20.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Freiberufler treffen die Corona-Lockdowns im Jahr 2020 besonders hart. Christian Vogel ist Tennistrainer beim TC GW Frohlinde. Aufgrund des November-Lockdowns ist er derzeit de facto arbeitslos, denn die Tennis-Hallen in NRW sind allesamt geschlossen. Bereits der erste Lockdown im Frühjahr hatte den 50-Jährigen zur Untätigkeit gezwungen.

Die Zeit, bis die Tennishalle wieder öffnen, will Vogel mit Ersparnissen überbrücken, doch die werden nicht ewig reichen. „Tennis-Trainer ist man aus Herzblut, da häuft man keine Reichtümer an“, sagt er. „Einfach einen anderen Job suchen. Das kann ich mir auch nicht. Das ist ja während der Pandemie nicht leichter.“

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Auf finanzielle Hilfen von Bund und Land setzt er zunächst nicht. „Daran glaube ich erst, wenn Gelder bewilligt werden“, so Vogel. „Im Frühjahr hat es ja auch Ankündigungen gegeben. Die wurden aber wieder zurückgezogen. Bei mir ist es aber auch anders als beispielsweise bei einem Gastwirt. Ich habe ja keine großen Ausgaben.“

Christian Vogel muss seinen Beruf rund um den grünen Filzball derzeit ruhen lassen. Was in Anbetracht der Nachfrage wohl besonders bitter ist. „Ich habe keine Arbeit, dabei sind die Auftragsbücher voll. Die Halle ist ausgebucht, aber wir können nicht rein“, erklärt Vogel. „Das ist vor allem für die Kinder und Jugendlichen schade, die erst kürzlich zum Tennissport gefunden haben.“

Vladimir Sajnovic gibt Trainerstunden beim TC Castrop 06. Beim ersten Lockdown hatte er einen Berufswechsel erwogen. Derartige Pläne sind nun vom Tisch.

Vladimir Sajnovic gibt Trainerstunden beim TC Castrop 06. Beim ersten Lockdown hatte er einen Berufswechsel erwogen. Derartige Pläne sind nun vom Tisch. © Volker Engel

Bis Ende November sind die Tennishallen in NRW geschlossen. Ob der Lockdown Light im Dezember in die Verlängerung geht, lässt sich nicht voraussagen. „Ich hoffe, dass wir im Dezember wieder Tennis spielen können. Wir sind bereit, uns strengsten Auflagen zu unterwerfen“, sagt Vogel. Zudem könne man beim Tennis recht problemlos Abstand halten, anders als bei anderen Sportarten.

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Dennoch akzeptierten die Tennissportler die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie. „Da herrscht Solidarität mit allen anderen Sportlern“, so Vogel. „Es hat jetzt aber keinen Sinn, zu orakeln, wann die Hallen tatsächlich wieder öffnen dürfen. Wir werden lernen müssen mit Corona zu leben.“

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Auch Vladimir Sajnovic ist zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wegen eines Corona-Lockdowns arbeitslos. Seit 15 Jahren hat er eine Tennisschule beim TC Castrop 06. Im März hatte der 54-Jährige erwogen, sich einen anderen Job zu suchen. Davon ist nun keine Rede mehr. „Ich habe meine Meinung geändert. Es ist nicht leicht, jetzt beruflich umzusatteln“, sagt Sajnovic. „Vom Westfälischen Tennisverband gibt es Informationen, wo man Hilfen beantragen kann. Ich hoffe, damit durchzukommen, bis die Hallen wieder öffnen.“

Der Westfälische Tennisverband (WTV) informiert in einem Online-Seminar am Dienstag, 8. Dezember, um 12.30 Uhr über Corona-Hilfen. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 250 begrenzt. Die Referenten Hans-Ulrich Liebern und Sabina Zickel, beide vom Bund der Steuerzahler, informieren über folgende Fragen: Welche Hilfen gibt es zur weiteren Überbrückung von Umsatzeinbußen für Tennisschulen, Tennistrainer und Tennishallenbetreiber. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden und wie können die Hilfen beantragt werden? Welche steuerlichen Maßnahmen können zusätzlich ergriffen werden, um die Liquidität zu verbessern? Anmeldungen hier.
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