Torwart des VfB Habinghorst köpft ins gegnerische Tor: „Ich stand vier Meter in der Luft“

rnVfB Habinghorst

1997 schoss Jens Lehmann als erster Torwart aus dem Spiel heraus in der Bundesliga ein Tor. Stefan Tams vom VfB Habinghorst machte es ihm nach. Zeit zu Jubeln hatte er nicht.

Habinghorst

, 28.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Freitagabend, an dem sich der spätere Nationalkeeper Jens Lehmann in die Geschichtsbücher der Fußball-Bundesliga schrieb: Das Revierderby stand an, Dortmund gegen Schalke. Es war der 19. Dezember 1997.

Die Dortmunder führten im Westfalenstadion mit 2:1 – bis zur Nachspielzeit. Dann schlug Olaf Thon eine Ecke der Schalker in den Strafraum. Thomas Linke verlängerte per Kopf auf den mit nach vorne gelaufenen Keeper Jens Lehmann. Der köpfte vor den Gästefans auf der Nordtribüne zum 2:2-Ausgleich ein.

BVB-Fan Stefan Tams eifert dem Derby-Torschützen nach

Irrer Jubel auf der Schalker Seite, Enttäuschung bei den Dortmundern. Ein Spiel, an das sich Stefan Tams (28) wohl nicht gerne zurückerinnert, denn er ist BVB-Fan. Wobei er damals erst sechs Jahre alt war.

Am Sonntag aber eiferte er selbst dem früheren Schalker und späteren Dortmunder Jens Lehmann nach. Auch Tams sicherte seinem Team vom A-Kreisligisten VfB Habinghorst einen Punkt bei Rot-Weiß Türkspor Herne.

Der VfB Habinghorst warf noch einmal alles nach vorne

„Wir bekommen in der 89. Minute das 3:4 und haben dann einfach nochmal alles nach vorne geschmissen“, erklärt VfB-Coach Marc Olschewski. Sein Team habe in der Schlussphase bereits einen Freistoß aus guter Position gehabt, „den haben wir aber versemmelt“, so der Trainer.

Dann entschied Schiedsrichter Thomas Pidun in der Nachspielzeit noch einmal auf Freistoß für die Habinghorster auf der linken Seite in der Nähe des Strafraums. „Olek (Marc Olschewski, Anm. d. Red.) rief mir dann zu: ‚Ach, jetzt ist es auch egal. Ab nach vorne!‘“, erinnert sich Stefan Tams.

Torwart des VfB Habinghorst köpft ins gegnerische Tor: „Ich stand vier Meter in der Luft“

Stefan Tams musste in der zweiten Halbzeit beim VfB Habinghorst für den verletzten Julian Jarkulisch ins Tor. Dann kam sein großer Coup. © Volker Engel

Was sich in der Folge im Strafraum der Herner abspielte, darüber gibt es unterschiedliche Versionen – aber mit dem gleichen Ausgang: „André Trottenberg chipt den Ball von links rein und der Tams kommt einfach angeflogen und köpft den rein“, erklärt Olschewski den Treffer des hochgewachsenen Keepers.

Stefan Tams wiederum hatte eine etwas andere Sicht der Dinge. „Der Ball kam perfekt auf meine Glatze, unhaltbar für den Torhüter. Naja gut, der war mit den Händen dran. Aber ich stand mindestens vier Meter in der Luft“, sagt er mit einem Lächeln.

Während sich manch ein Spieler vor möglichen Toren schon einen gewissen Jubel ausdenkt, hatte Tams nach dem Treffer gar nicht die Möglichkeit für ausgiebigen Jubel: „Kaum war ich am Boden angekommen, schmissen sich schon alle meine Teamkollegen auf mich drauf.“

Stefan Tams traf bereits in der Jugendzeit als Torhüter

Für den 28-Jährigen war es das erste Tor in seiner Seniorenzeit. Nur in der Jugend hatte er auch mal getroffen. „Damals war ich bei einem Freistoß auch mal mit vorne. Ich traf da mit der Innenseite. Aber das ist bestimmt 17 Jahre her“, so Tams.

Kleiner trauriger Aspekt: Dass er am Sonntag überhaupt zum Einsatz kam, „verdankte“ er einer unschönen Szene. Stammkeeper Julian Jarkulisch verletzte sich bei einer Parade am Rücken und musste ausgewechselt werden.

Die Chance auf ein zweites Tor erhielt Stefan Tams übrigens nicht. Dafür bekam er vom Schiedsrichter eine Extra-Laufeinheit als Belohnung verpasst. Stefan Tams sagt: „Ich bin den ganzen Weg von vorne bis zu meinem Tor zurückgelaufen – und dann pfeift der Schiedsrichter einfach ab. Der wollte mir die Meter wohl einfach noch gönnen.“

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